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Hinterland UKGM-Chef hat genug von Stimmungsmache
Landkreis Hinterland UKGM-Chef hat genug von Stimmungsmache
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06:15 23.08.2012
Quelle: Nadine Weigel
Marburg

„Die private Trägerschaft kann man nicht so verteufeln“, sagt der 52-Jährige vor 400 Zuhörern und verweist auf die Investitionen, die die Rhön Klinikum AG seit der Übernahme 2005 getätigt habe. Professor Andreas Neubauer, Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund und Marburgs Oberbürgermeister Egon Vaupel bewerten die Privatisierung des UKGM als gescheitert. „In der Bevölkerung herrscht großes Unbehagen. Das UKGM ist nicht der erhoffte Leuchtturm geworden“, kritisiert Neubauer.

Hat das Uniklinikum ein Imageproblem? Geschäftsführer Martin Menger hat beim Montagsgebet in der Elisabethkirche eine positivere Einstellung gegenüber dem Unternehmen gefordert.

„Über 90 Prozent der Patienten, das zeigen die Befragungen, verlassen zufrieden das Haus. Wir müssen die Diskussion wieder versachlichen“, sagt der UKGM-Chef in der Elisabethkirche. Mehr als 400 Neugierige sind gekommen, um der Podiumsdiskussion zu lauschen und die Möglichkeit zu nutzen, selbst ihre Fragen loszuwerden. Zum großen verbalen Schlagab­tausch kam es hingegen nicht. Martin Menger verteidigte die Privatisierung, lobte die großen Investitionen, die die Rhön AG getätigt habe und sagte, es werden nach wie vor Mediziner der Spitzenklasse geboten.

Dem wollte Marburgs Oberbürgermeister auch nicht widersprechen. „Niemand muss Angst haben, morgen ins Klinikum eingewiesen zu werden und nicht gut versorgt zu werden.“ Der ständig wachsende Druck auf die Arbeitnehmer, dazu die Arbeitsverdichtung durch die Pflicht, Gewinne erwirtschaften zu müssen, das könne nicht im Sinne eines Uniklinikums sein.

Zentrales Thema der Gesprächsrunde war neben den Arbeitsbedingungen für Pfleger, Service und Ärzte die Rolle von Forschung und Lehre: Professor Andreas Neubauer mahnte an: „Eine strikte Trennung von Patientenversorgung sowie Forschung und Lehre geht nur auf dem Papier. Die Privatisierung ist gescheitert. Wir sind nicht der Leuchtturm, nicht das Ausbildungszentrum Nummer eins, die Kommunikation mit anderen Rhön-Kliniken funktioniert nicht. Das Modell war falsch und ist gescheitert.“ Eine Meinung, die Medizin-Dekan Professor Matthias Rothmund ebenfalls vertritt: „Warum hat sich Rhön das angetan“, fragt er in Richtung Menger. „Aus Prestige.“

Was den Zuhörern, darunter viele Mitarbeiter des UKGM, am Herzen lag, ist die Frage nach der Zukunft. Dekan Burkhard zur Nieden stellte die Frage nach dem verlorenen Vertrauen: „Die Rechte der Mitarbeiter werden bei uns gelebt. Ich bin der Letzte, der sagt, bei uns ist alles in Ordnung. Wir alle wollen eine vernünftige Dienstleistung. Jedes westeuropäische Land wäre froh, so eine Gesundheitsversorgung zu haben.“ Eine Antwort zur Zukunft blieb er schuldig.

von Carsten Bergmann