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Zwischen History und Mystery

Marburg in Film und Literatur Zwischen History und Mystery

Marburg inspiriert. Zehn Werke, die in Marburg spielen oder sich mit Marburg beschäftigen, hat OP-Autorin Nadja Schwarzwäller zusammengetragen. Und allerlei Wissenswertes darüber noch obendrein.

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Lesen an der Lahn oder Lesen über die Lahn - das ist hier die Frage.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

1.    „Der Tag, als die Beatles (beinahe) nach Marburg kamen“
2.    Kerstin Cantz, „Die Hebamme“
3.    Das „MARBURGANDERLAHNBUCH“, Ambros Waibel und Nils Folckers
4.    John Tyndall „Meine schönste und lehrreiche Studienzeit“
5.    „Briefgeheimnis“, Fernsehserie 1994/95, spielt in der Briefermittlungsstelle
6.    Walter Bloem, „Der krasse Fuchs“
7.    „Fast tot“, Ralph Haselberger
8.    Stephan Peters, „Ritual in den Tod“
9.    Ulrich Horstmann „J“
10.    Wird erwähnt in „Betragen ungenügend“, dem letzten Film der Reihe „Die Lümmel von der ersten Bank“
 
Einmal mehr sei er an dieser Stelle zitiert: Boris Pasternak. „Wenn das hier nur eine Stadt wäre. Aber es ist ja ein mittelalterliches Märchen“, sagt er über Marburg. Und egal ob Märchen oder Historienschinken, Horrorgroteske oder Studienerinnerungen – es existiert eine Fülle an Büchern wie auch Filmen, in denen Marburg gewissermaßen eine tragende Rolle spielt. Die Stadt hat unzählige Gelehrte, Künstler und Schriftsteller beherbergt und offenbar auch inspiriert. Fjodor Dostojewski befand die Landschaft um Marburg die „bezauberndste auf der Welt“ und Christine Brückner schrieb: „Nur selten war ein Wohnort mein Zuhause, wie in Marburg“.

Einige Berühmtheiten haben es allerdings nie in die Universitätsstadt geschafft und genau dieser Umstand führt zum Spitzenplatz unserer Liste. „Der Tag, als die Beatles (beinahe) nach Marburg kamen“ ist ein Tag anno 1966 und es ist der Titel eine Dokumentarfilms, den Michael Wulfes 40 Jahre nach diesen Ereignissen – oder besser: dem Nicht-Ereignis – gedreht hat. Ferdinand Kilian löste damals eine lokale „Beatles-Mania“ aus, indem er ein Konzert ankündigte, das aber niemals stattfand. Schade eigentlich. Aber so finde ich das ganze doch noch schöner. Wie man weiß, enden ja auch alle wahrhaft großen Liebesgeschichten stets tragisch. Deshalb könnte ich auch darüber berichten, wie ein berühmter, gutaussehender Fußballer und ich fast geheiratet hätten, das hat nur leider nicht direkt etwas mit Marburg zu tun und gehört deshalb nicht wirklich hier her.

Aber sind wir damit nicht mitten im Thema? Dinge ohne Sinn und Zusammenhang? Warum zum Teufel bekommt Til Schweiger zum Beispiel künftig meine GEZ-Gebühren und darf Tatort-Kommissar sein? Und was hat Marburg bislang falsch gemacht, dass hier nicht auch längst ein Tatort spielt? Noch einmal zu Herrn Pasternak. Er attestierte uns nämlich „eine gewisse mächtige und dunkle Neigung (zur Orgel, zur Gotik, zu etwas jäh Abgebrochenem und nicht Vollendetem, was hier vergraben liegt)“. Wenn man mit dunklen Neigungen nicht prädestiniert für Kriminalfälle ist, dann weiß ich auch nicht. Was für eine Kulisse allein schon, Herrschaften. Nächtliche Verfolgungsjagden über die Treppen der Oberstadt sehe ich vor meinem geistigen Auge. Ich habe ganz viele Ideen, liebe ARD. Ein Kommissar, der Platt schwätzt muss her! Und natürlich eine junge, hochtalentierte Journalistin, die der eigentliche Star der Ermittlungen ist.

Es gab übrigens schon einmal eine Fernsehserie, die in Marburg spielte. Mitte der 1990er Jahre war das. „Briefgeheimnis“ war in der – real ebenfalls existierenden – Briefermittlungsstelle angesiedelt und schaffte es nie über die erste Staffel hinaus. Auch der historische Roman „Die Hebamme“ von Kerstin Cantz nimmt auf tatsächliche Gegebenheiten Bezug. Die Geschichte spielt im Jahr 1799 und hinter den Türen des Marburger „Gebärhauses“ – einer Einrichtung, die es wirklich gab. Völlig surreal wird es hingegen in „Fast tot“ von Ralph Haselberger – da versucht man in Marburg, einer Zombie-Invasion zu trotzen. Ein Schelm, wer dabei an Erstsemester denkt. Autor Ulrich Horstmann wiederum hat einen „Halbweltroman“ geschrieben, „J“ betitelt. „Die Unglaublichkeit ist von apokalyptischer Komik“, lese ich in einer Rezension. Und frage mich wieder einmal, was mich geritten hat, mich dieses Themas anzunehmen.

Ob es Ambros Waibel und Nils Folckers ähnlich gegangen sein mag? Die beiden sind die Herausgeber des „MARBURGANDERLAHNBUCH“. Das „ethnologische Exkursionen in die rätselhafte Welt der Einheimischen“ unternimmt, wie ich erfahre. Und von Besuchern „zwischen Betörung und Verstörung“ ist die Rede. Befinden wir uns denn nicht alle in einem Zustand irgendwo dazwischen? Und prompt stoße ich als nächstes auf den „krassen Fuchs“. Das ist der Titel eines Romans, der inzwischen knapp hundert Jahre auf dem Buckel hat und als Dokument des Marburger Studentenlebens gilt. Geschrieben hat ihn Walter Bloem, 1887 an der Philipps-Universität immatrikuliert und Mitglied des „Corps Teutonia“. Um das Burschenschafts- und Corps-Milieu geht es auch in „Ritual in den Tod“, allerdings als Handlungsort einer fiktiven Kriminalgeschichte. Der Autor Stephan Peters ist Politikwissenschaftler und promovierte zum Thema „Elite sein. Wie und welche Gesellschaft sozialisiert eine studentische Korporation?“. Gute Frage.

Und dann hätten wir da zum Beispiel auch noch den irischen Physiker John Tyndall. Der erinnert sich an seine Jahre in Marburg (von 1848 bis 1850 studierte er bei Robert Bunsen, dem Erfinder des nach ihm benannten Bunsenbrenners) als „Meine schönste und lehrreiche Studienzeit“. So wie es sein soll. Und was gibt es noch zu klagen, wenn Marburg sogar in den legendären „Die Lümmel von der ersten Bank“-Filmen mit Hansi Kraus als Pepe Nietnagel Erwähnung findet. Zwar nur im siebten Teil und nur in einem Satz, aber immerhin. Natürlich müsste man eigentlich auch noch den „Prinz Rosa-Stramin“ mit auf die Liste nehmen – immerhin entstammt diesem Werk der berühmte Ausspruch „Göttingen hat eine Universität, Marburg ist eine“. Wer weitere Perlen der Literatur oder der Fernsehgeschichte mit Marburg-Bezug entdeckt, möge sie uns gerne mitteilen. „Frisch, fromm, fröhlich und frei“, wie Dr. Taft zu sagen pflegte. Und wenn man mich jetzt entschuldigen möchte, ich muss mich auf meine Tatort-Rolle vorbereiten.

von Nadja Schwarzwäller

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