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Wohnen im Bruderweg auch Schwestern? welches Schweinderl?

...auf Straßenschildern

welches Schweinderl?

Bei so viel Straßennamen-Kreativität kann man sich um Kleinigkeiten wie die korrekte Schreibweise nicht immer kümmern.

© Nadja Schwarzwäller

Apropos Wasser. „Quellweg“, „Am Born“, „An den Brunnenröhren“, „Fischteich“ oder „Im alten Wasser“ - alles dabei. Wen es eher in den Wald zieht, bittesehr: „Am Järgerwäldchen“, „Am Kirschenwald“, „Am Wäldchen“ oder „Am Waldrand“, wo darf es denn sein? „Teichwiesenweg“, „Schmalwiesenweg“, „Zur Bergwiese“, „Große Wiese“ – ein Paradies für Wiederkäuer. Und „Im Paradies“ ist tatsächlich auch eine existente Adresse, wer hätte daran in Marburg gezweifelt. (Um „In der Hölle“ zu wohnen, muss man in den Ebsdorfergrund ziehen!) Die Stadtheilige findet sich natürlich auch in Straßennamen wieder: neben der „Elisabethstraße“ gibt es auch „Zum Elisabethbrunnen“. Und die passende Blume hätten wir als „Rosenstraße“, „Rosenbusch“, „Rosengarten“ oder „Unter dem Rosenmorgen“, ganz romantisch.

Ziegen-, Grassen-, Dammels- oder Richtsberg standen ebenso Pate für Straßennamen wie Gutshof und Herrenfeld, Buben- und Hirsemühle, die Augustiner und die Karmeliter. Nicht zu vergessen: Die „Nonnengasse“. Damit wären wir postwendend im klerikalen Bereich. „Kirchgasse“, „Kirchgraben“, „Kirchspitze“, „Kirchstraße“ und darüber hinaus auch noch „Am Pfaffengrund“, „Pfarracker“, „Auf der Kanzel“, „An der Kirche“ oder auch „Über der Kirch“. Äußerst beliebt sind zudem offensichtlich verschiedenste Varianten aus dem Kulinarischen: „Salzköppel“ und „Zuckerberg“, „Speckkuchengasse“, „Hopfengarten“, „Metzergasse“, „Haspelstraße“ und „Leckergässchen“, um nur ein paar zu nennen.

Wo all diese Namen herkommen, ist nicht immer zweifelsfrei zu klären. Manches liegt auf der Hand – oder auf dem Fuß, nimmt man zum Beispiel die Barfüßerstraße. Die ist nach den Benediktinern benannt, die an dieser Ecke der Stadt ihr Kloster hatten (an der anderen Ecke waren es die Dominikaner) und die immer barfuß gingen. Dass Marburg eine Stadt mit Raum für Kreativität ist, zeigt sich allein schon an der „Furtstraße“ – oder heißt es „Furthstraße“? Die Schilder zu beiden Seiten jedenfalls tragen nicht zur Entscheidungsfindung bei: Auf dem einen steht es so, auf dem anderen so. Nomen est omen. Waidmannheil wünschen wir indes den Bewohnern der Straßen „Am Jägerwäldchen“, „Försterweg“ und „Jägerstraße“. Obwohl – wenn da tatsächlich gejagt würde, müssten die Bewohner der „Badestube“ dann nicht über Gebühr reinlich sein? Das wirft weitere Fragen auf. Sind die Badezimmer „In der Wann“ größer als anderenorts? Wohnen im „Bruderweg“ auch Schwestern? Und schwärmen im „Nibelungenweg“ alle für Wagner?

Unbestritten dürfte aber sein, dass man im „Heljehaus“, „Flachsphul“ oder „Schubbelackerweg“ beim Pizzaservice zum nach-buchstabieren gebeten wird. Wer sich zwischen verschiedenen Adress-Varianten entscheiden möchte, bekommt in Marburg auch die Gelegenheit: „Im Grund“ oder „Im Köhlersgrund“, „Im Graben“ oder „Im Sohlgraben“, „Am Plan“ oder „An den Plänchen“: Welches Schweinderl hättens denn gern? Allerlei Getier findet sich, wo wir gerade dabei sind, außerdem in der „Amselstraße“, „Am Kuhweg“, „Am Vogelherd“, im „Sperberweg“, in der „Krähengasse“... Bleibt eigentlich nur noch eine Frage: Wo sagen sich eigentlich Fuchs und Hase gute Nacht? Im „Fuchspaß“ oder „Am Hasenküppel“?

von Nadja Schwarzwäller

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Fast wäre gleich zu Beginn alles schief gegangen. Und OP-Autorin Nadja Schwarzwäller gar nicht in Marburg geblieben. Glücklicherweise fanden sich nach einem markanten Punkt unserer Liste aber noch genügend andere Orte, die sie überzeugten.

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