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Von Himmelsberg bis Todenhausen Selig, die da in Engelbach wohnen

Zehn schöne Ortsnamen

Selig, die da in Engelbach wohnen

Ja, ja, man möchte lieber in Himmelsberg als in Schweinsberg wohnen, wenn es nur nach dem Namen geht. Aber beide Orte sind sehr, sehr malerisch. So gesehen, hat sogar die Sackpfeife einiges zu bieten.

Todenhausen klingt irgendwie nicht fröhlich. Der Name des Wetteraner Stadtteils hat aber nichts mit Tod zu tun, sondern mit einem Dodin, der dort im Mittelalter wohnte.

© Michael Hoffsteter

Nein, Todenhausen hat nichts mit Tod zu tun. Vielmehr mit einem Dodin, der dort wohl im 14. Jahrhundert wohnte und auf seine Zeitgenossen einen solchen Eindruck machte, dass sie gleich ihre kleine Ansiedlung nach ihm benannten. Alle Wetter, sagt da der Ortskundige, denn Todenhausen ist heute ein Ortsteil der kleinen Stadt Wetter, die wir auch noch auf der Liste finden. So richtig bekannt ist der Ort erst seit dem 18. Jahrhundert, als dort viele Hugenotten eine Heimat fanden und den Marburgern so schöne Namen wie Badouin, Aillaud und Boucsein näher brachten.

Wetter ist eine der ältesten Städte in Hessen, hat aber einen Namen, der eher so gar nicht an einen Ort erinnert. Für Einheimische ist es oft unverständlich, dass Menschen von außerhalb es seltsam finden, eine Stadt nach einem allgemeinen meteorolgischen Phänomen zu benennen. Womit wir wieder bei Himmel wären. Und von da ist es im doppelten Sinne nicht weit bis nach Engelbach. Der kleine Ort liegt nämlich zum einen in der Nähe von Wetter und hat zum anderen einen himmlischen Namen. Wer möchte nicht gerne in einem Dorf wohnen, das Engelbach heißt. Vielleicht jemand, der in einem Dorf wohnt, das Himmelsberg heißt. Dieser schöne Ort gehört zu Kirchhain und zeichnet sich nicht nur durch seine extrem malerische Lage, sondern auch durch eine sehr, sehr alte Linde aus. Die im Volksmund so genannte 1000-jährige Linde ist auf jeden Fall mindestens 700 Jahre alt.

Bleiben wir bei den seligen Namen und begeben uns auf die Reise nach Friedensdorf. Dieser Ort liegt im Hinterland, also westlich von Marburg und gehört zu einer Gemeinde, die den für Erstsemester unaussprechlichen Namen Dautphetal trägt. Ob die Menschen in dem rund 1.500 Einwohner zählenden Ort besonders friedlich sind, ist nicht überliefert. Für Freude sorgt aber auf jeden Fall bei Kindern ein großer Spielplatz eines Spielgeräteherstellers.

Wer sich noch etwas weiter Richtung Nordwesten wagt, kommt - vielleicht - nach Katzenbach. Dieser kleine Stadtteil von Biedenkopf gehört zu den Orten, in die zwar eine Straße hinein, aber keine mehr herausführt. Umgeben von Wald und Wiesen ist Katzenbach nicht nur für Katzen eine Idylle.

Noch ein bisschen weiter kommen wir zu einem Namen, der in vielerlei Hinsicht in dieser Liste einen besonderen Platz einnimmt. Die Sackpfeife. Die Sackpfeife ist kein Ort, auch kein Musikinstrument, sondern ein Berg, und zwar mit 674 Metern der höchste im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Sie gehört zum Rothaargebirge und liegt ein paar Kilometer nördlich von Biedenkopf. Im vorigen Winter war auf der Sackpfeife Ski und Rodel durchgehend gut. Und wenn im Winter in Marburg mal wieder der typische Talnebel hängt, scheint ein paar hundert Meter höher oft die Sonne. Wie das aktuelle Wetter auf der Sackpfeife ist, kann man zum Beispiel auf der Internetseite des Skiclubs Sackpfeife sehen.

Weit kann man sehen von der Sackpfeife aus, aber nicht bis ans andere Ende des Landkreises. Dort liegt mitten im Ostkreis, ein Ort, der kulinarische Begehrlichkeiten weckt. Ob es in Speckswinkel mehr Fleisch als anderswo zu essen gab, sei dahingestellt. Möglich wär's, schließlich war das 560-Seelen-Dorf im Mittelalter eine wichtige Zollstätte. Heute gehört das Dorf zu Neustadt.

Zum Abschluss der Liste geht es tierisch weiter, mit Schweinsberg. Wer sich einmal so richtig ins Mittelalter zurückversetzen will, muss unbedingt nach Schweinsberg fahren. Denn der Ort besteht zu einem Großteil aus einer mittelalterlichen Burg und mittelalterlichen Fachwerkhäusern. Die Burg kann man nur von außen bestaunen, drinnen wohnt nämlich noch die Familie derer von Schenck zu Schweinsberg. Aber ein Spaziergang durch den malerischen Ort lohnt sich allemal. Auf der Rückfahrt nach Marburg kann man dann noch auf der Amöneburg einkehren und in dem Ort auf dem Basaltkegel bei Rundumblick ins Amöneburger Becken Kaffee und Kuchen genießen - und darüber nachdenken, warum Warzenbach auf dieser Zehner-Liste fehlt. Weil wir den Namen einfach nicht schön fanden. Und weil die Adresse: Warzenbach, Im Krötenstück, für sich spricht.

von Gabriele Neumann

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