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Zehn Dinge . . . Tanz Deinen Namen!
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11:03 09.01.2012
Gesehen beim Spielmobil der Marburger Stadtjugendpflege: Die aktuell für Neugeborene beliebtesten Namen sind auch in der Altersgruppe der Spielmobil-Benutzer ( 6 bis 12 Jahre) schon vertreten. Quelle: Nadja Schwarwäller

Doch zunächst einmal die zehn beliebtesten Vornamen in der Stadt Marburg im Jahr 2011, basierend auf den Zahlen des Standesamtes vom 14. Dezember:

1.    Marie (40) / Paul (30)
2.    Sophie (34) / Jonas (24)
3.    Mia (23) / Elias (21)
4.    Lina (14)/ Julian (19)
5.    Amelie (13) / David (17)
6.    Elisabeth (13) / Felix (17)
7.    Sophia (13) / Leon (16)
8.    Emilia (12) / Alexander (14)
9.    Emily (12) / Noah (14)
10.  Emma (12) / Luca (13)

Marie und Paul also. Mit weitem Abstand vor Sophie und Jonas beziehungsweise Mia und Elias. In den kommenden Jahren dann schon mal viel Spaß, ihr lieben Kleinen, wenn eure Namen im Kindergarten und in der Schule aufgerufen werden. Was die Sandras, Michaels, Carolines oder Thorstens meiner Generation leidvoll erfahren haben, das steht nun euch bevor. Allein 40 Mal Marie und 30 Mal Paul im Jahrgang 2011.

Ich schreibe diese Zeilen indes aus einer privilegierten Position heraus. Mein Vorname ist eher selten. Und ich finde ihn noch dazu schön. Aber das hätte auch ganz anders kommen können. Eigentlich hätte ich nämlich „Peter“ heißen sollen. Dann wurden meine Eltern allerdings von der Nachricht „Glückwunsch, es ist ein Mädchen“ überrascht und konnten sich zunächst nicht einigen, den Namen welcher Großmutter ich nun bekommen sollte – um sich danach für etwas komplett anderes zu entscheiden: Nadja, was im Russischen von Nadjeschda, „die Hoffnung“, abgeleitet ist und im Arabischen „die Sprecherin“ oder „die Ruferin“ bedeutet. Nomen est omen?

Dass man mir die Namen BEIDER Großmütter noch hintendran gehängt hat – nun ja. Immerhin sind Anna und Maria auf den Plätzen 17 und 16 der aktuellen Namenshitliste der Marburger zu finden. Insgesamt waren es übrigens 1.720 Babies, die die Statistik des örtlichen Standesamtes bis zum 14. Dezember erfasst hat. Den meisten von ihnen – 1.073, um genau zu sein - haben die Eltern den Gefallen getan, nur einen Vornamen auszusuchen. 583 neue Erdenbürger haben zwei, lediglich 57 (genau wie ich) drei und immerhin sieben Kinder müssen mit mehr als drei Vornamen leben. Gibt es da eigentlich eine Obergrenze? Darüber muss ich mich mal schlau machen.

Auffällig ist in jedem Fall der Trend zurück zu eher „altmodischen“ Namen, wie eben Anna, Maria oder auch Katharina (Platz 11) oder Luise (Platz 15). Bei den Jungen – in der offiziellen Statistik ebenfalls herrlich altmodisch „Knaben“ genannt – haben viele Namen einen biblischen Ursprung: Von Jonas und Elias über David und Noah bis hin zu Jakob und Johannes (Platz 13 und 14). Ob nicht einer von ihnen vielleicht doch auch in Kombination mit so etwas wie „Kevin“ als Zweitnamen vergeben wurde, ist der Liste natürlich nicht zu entnehmen. Zum Glück. Besonders fein finde ich übrigens auch, dass in Marburg der Name Elisabeth wieder in der Top Ten zu finden ist. Ob die „Stadtheilige“ damit etwas zu tun hat?

Bei diesem Thema habe ich mich daran erinnert, dass ich vor Jahren einige dieser lustigen Tests im Internet mitgemacht habe, bei denen man erfahren kann, welchem amerikanischen Präsidenten man am ähnlichsten ist, was man als Gebäck darstellen würde oder eben auch wie der eigene Name zum Beispiel in der Welt der Vampire lautet. „Phoebe aus der Unterwelt“ förderte die allwissende Seite da in meinem Fall zutage. Warum, weiß ich nicht. Bei den Elfen wäre ich „Freckles Twinkle Wink“ – und das, obwohl ich keine einzige Sommersprosse habe.

Eigentlich weiß ich gar nicht, wo ich anfangen oder enden soll bei diesem großartigen Thema. Lieder wie „Sign your name across my heart“ schießen mir parallel zu anderen Schlaglichtern wie „Tanz Deinen Namen“ oder „Mein Name ist Hase“ durch den Kopf. Ein Blick in ein Lexikon meines Vertrauens verrät: Eine britische Untersuchung hat gezeigt, dass es bei Menschen mit dem gleichen Nachnamen viele Übereinstimmungen gibt. Und laut einer US-Studie sterben amerikanische Männer mit negativ besetzten Initialen wie D.I.E. oder P.I.G. (also den englischen Worten für „sterben“ beziehungsweise „Schwein“) 2,8 Jahre früher, während Menschen mit Initialen wie J.O.Y. oder G.O.D. („Freude“ und „Gott“) 4,5 Jahre länger leben.

Mein Gott – was man also alles beachten muss bei der Namenswahl! Mögliche psychologische Schädigungen durch die Abfolge der Anfangsbuchstaben, potentielles Mobbing und die ungünstige Sozialprognose, die inzwischen bekanntermaßen mit einigen Namen einhergeht und natürlich nicht zuletzt die Bedeutung des Namens. Ob die allen Marburger Eltern klar war? Kleine Nachhilfestunde: Für Marie (die französische Form von Maria) werden als mögliche Namensbedeutungen sowohl „die Widerspenstige“ oder „die Ungezähmte“, wie auch aus dem Ägyptischen „Geliebte“ oder dem Hebräischen „wohlbeleibt“ angeboten. Ups. Paul (gibt es zum Beispiel auch als Pavel und Paolo oder in friesischen Varianten wie Paale oder Pals) heißt „der Kleine“ und geht auf Paulus, ein „Cognomen“ (Bei- oder Übername) im alten Rom zurück. Der taoistische Philosoph Dschuang Dsi sagte (und zwar vor mehr als 2.000 Jahren): „Der Name ist nur der Gast der Wirklichkeit“. Darüber denken wir jetzt alle nach, egal, wie wir heißen.

von Nadja Schwarzwäller

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