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Schaurig ist's übers Moor zu gehn Auf der Suche nach dem Thrill

Marburg gruselig

Auf der Suche nach dem Thrill

Die Psychologie beschreibt das Phänomen der so genannten „Angstlust“: Etwas bereitet uns, wie der Name schon sagt, Angst, aber eben auch Lust. Etwas stößt uns ab und zieht uns zugleich in seinen Bann. Deshalb sehen sich Menschen Horrorfilme an und springen an einem Gummiseil ins Leere. (Das Phänomen „Dschungelcamp“ lässt sich damit allein nicht entschuldigen, Herrschaften, nein, da weigere ich mich ganz strikt!) Wir genießen es im bestimmten Maß, uns zu gruseln. Wir suchen den berühmten „thrill“, der uns nicht umsonst sprichwörtlich und buchstäblich den berüchtigten Schauer über den Rücken jagt – Unbehagen und Faszination zugleich.

Welche Stadt nun, wenn nicht Marburg, hätte jede Menge Orte zu bieten, die das Attribut „schaurig“ mehr als verdienen. Und das meine ich ganz liebevoll. An dieser Stelle sei an unsere Zitate-Liste erinnert und an Herrn Pasternak, der Marburg „eine gewisse dunkle und mächtige Neigung zur Orgel, zur Gotik, zu etwas jäh Abgebrochenem und nicht Vollendetem, was hier vergraben liegt“ attestiert. Dunkel und mächtig. In der Tat. Mord und Totschlag, Hexen und Henker, Säbelrasseln und Pulverdampf. Es wird gelyncht, ermordet, eingekerkert und vergraben, was das Zeug hält.

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich bei vielen Punkten unserer Liste auch nach nun schon mehr als 13 Jahren in Marburg passen muss. Angefangen bei der Nummer Eins, der Mordeiche am Dammelsberg - und das obwohl ich in direkter Nachbarschaft des Berges wohne. Und das „Museum Anatomicum“ steht bis heute auf meiner persönlichen Liste der Dinge, die ich mir unbedingt und endlich ganz bald demnächst vielleicht sogar schon am Wochenende wenn Zeit ist mal ansehen muss. Wahrscheinlich hätte ich nicht einmal mit dem Stichwort „Hinrichtungsstätte am Rabenstein“ etwas anfangen können – wenn sich diese nicht am Ende der „Scheppe Gewissegasse“ befinden würde, deren herrlichem Namen ich auf den Grund gehen musste.

Einige der Orte, die in der Vergangenheit gar schaurig waren, dienen inzwischen übrigens so gar keinen schaurigen Zwecken mehr. (Oder aber sie waren es früher nicht, siehe „Museum Anatomicum“, da schaudert es einen erst, seit es selbiges eben gibt). Im „Kerner“ beispielsweise – dem ehemaligen „Gebeinhaus“, in dem Knochen von Verstorbenen gelagert wurden, nachdem der Friedhof an der Marienkirche aus allen Nähten platzte - finden heute Veranstaltungen statt. Zwischenzeitlich hatte das Gebäude auch als Rathaus fungiert. Wer es übrigens schafft, eine Verbindung zum namentlich gleichlautenden Fernsehmann ausfindig zu machen, möge sich umgehend melden. Der Rest grusele sich ganz nach eigenem Gutdünken an unserer Liste entlang.

von Nadja Schwarzwäller
und Sabine Nagel-Horn

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