Volltextsuche über das Angebot:

° / °

Navigation:
Olfaktorische Glückseligkeit So riecht und schmeckt das Glück

Mensa-Gerichte

So riecht und schmeckt das Glück

Herzlichen Glückwunsch, liebes Mensa-Schnitzel. Den ersten Platz auf der Hitliste der beliebtesten Gerichte unseres Studentenwerks hast Du Dir redlich verdient. Tag für Tag können wir uns auf Dich verlassen – klassisch paniert, teller- und magenfüllend wartest Du auf der Empore der Mensa am Erlenring auf die hungrigen Mäuler, schmiegst Dich an die knusprigen Pommes und machst glücklich. Wer hätte daran gezweifelt, dass Du die Nummer Eins bist. Wo Du mit „SchniPoSa“ (Schnitzel, Pommes, Salat) sogar einen eigenen Kosenamen hast. Was für ein Triumph.

Und liebe Vegetarier, merkt ihr was? Die Plätze eins bis fünf sind gehören unangefochten Fleischgerichten. Anleihen an die Imbissbude (Currywurst) ebenso inklusive wie Erinnerungen an Muttis - oder Omas - Küche zuhause (Sauerbraten). Außerdem sind die meisten der beliebtesten Gerichte vor allem eins: deftig. Wen wundert’s. Nicht dass die Studentenschaft einen höheren Bedarf an bestimmten Nahrungsbestandteilen hätten als andere Menschen. Das ganze ist quasi psychologisch zu sehen. Die meisten der Studenten, die es nach Marburg verschlägt, verschlägt es von außerhalb hier her. Da ist jedes Stückchen Vertrautheit willkommen. Und was wäre geeigneter, uns dies zu suggerieren, als ein dampfender Teller am Mittagstisch. Eine entwicklungsgeschichtliche Reminiszenz an das Lagerfeuer, um das wir uns früher versammelt haben. Und ein Tribut an unsere olfaktorische Wahrnehmung (will heißen: den Geruchssinn): Riechen und Schmecken sind schließlich die ältesten Sinne des Menschen.

Gerüche sprechen über das Gehirn Instinkte und Erinnerungen an. Sicher hat jeder bei diesem Thema sofort einen Geruch in der Nase und dazu Bilder im Kopf oder ein Gefühl im Bauch. (Liebe geht ja bekanntlich auch durch den Magen!) Zimt- und Vanilleduft aus Großmutters Weihnachtsbäckerei? Oder vielleicht die Seeluft beim Krabben puhlen aus dem Nordseeurlaub? Ich erinnere mich daran, wie es roch, wenn an Ostern die frisch gefärbten Eier mit Speckschwarte eingerieben wurden, damit sie glänzen – auch wenn ich das vor mehr als 20 Jahren zum letzten Mal gemacht habe. Ich sehe die Dampfwolke vor mir, die aus dem Ofen kam, wenn der Sonntagsbraten fertig war. Und mir läuft buchstäblich das Wasser im Mund zusammen, wenn ich an den Apfelstrudel meiner Mutter denke.

Wann immer wir etwas riechen oder schmecken, das uns vertraut ist, mit dem positive Erinnerungen verknüpft sind, dann hat das auch Auswirkungen auf unser Wohlbefinden. Von dem Gemeinschaftserlebnis, in der Mensa (also am Lagerfeuer mit dem Rest des Stammes, am Esstisch der Familie...) zusammen mit anderen zu essen, gar nicht erst zu sprechen. Der Milchreis dampft, der Sauerbraten duftet, die Pommes triggern über unsere Geschmacksnerven das Gedächtnis – und schon befinden wir uns in einem Zustand der Glückseligkeit. Achso, und satt macht das Essen natürlich obendrauf auch noch. Wer darüber hinaus auch noch auf political correctness aus ist, dem sei gesagt: Es werden Produkte aus der Region verarbeitet und die Marburger Mensa ist ökozertifiziert. Dass auf den Lahnbergen prozentual mehr Fleisch gegessen wird als am Erlenring ist ein Geheimnis, das es noch zu ergründen gilt. Jetzt aber erstmal: Guten Appetit. Und ein SchniPoSa für die Autorin.

von Nadja Schwarzwäller
und Sabine Nagel-Horn

Instagram