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Nicht jedes Geschenk freut sich über das Kind Wo bleibt eigentlich der Weltfrieden?

... die das Christkind bringen sollte

Wo bleibt eigentlich der Weltfrieden?

Jede Liste kann auch noch eine weitere Liste vertragen. Und deshalb hat OP-Autorin Nadja Schwarzwäller ganz persönliche Wünsche zusammengetragen, die nicht nur zu Weihnachten aktuell sind.

Der Punkt scheint mir indes eng verwandt mit dem Wunsch nach bezahlbaren Wohnungen. Den ich aber auch nicht so wirklich begreife. Bezahlbar ist hier in Marburg einiges. Müsste das Adjektiv der Wahl nicht eher „bewohnbar“ sein? („Über dem Grundwasserspiegel“, „größer als 5 Quadratmeter“, da gibt es viele Möglichkeiten...) Clever übrigens, immer einen Plan B zu haben. Wenn das mit den schöneren und bezahlbaren Wohnungen schon nichts wird, dann vielleicht Wunsch Nummer sieben – die Anbindung an den Fernreiseverkehr im Stundentakt – oder acht (die Autobahn), dass man möglichst schnell wieder hier weg kommt.

Ebenfalls ein Highlight für mich, aber quasi das Gegenteil von erhellend: Der Wunsch nach einer Seilbahn. Und nach keiner Seilbahn. Nicht nur, dass mich philosophisch verwirrt, dass gewissermaßen eine Sache und gleichzeitig die Negierung dieser Sache auf ein und derselben Liste stehen. Wie kann man sich denn etwas nicht wünschen, das gar nicht existiert? Also – wir haben doch keine Seilbahn momentan. Sich keine Seilbahn zu wünschen, heißt, etwas zu wollen, was man doch schon hat. Oder sehe ich das falsch?

Wer sich „alle 100 Meter einen Glühweinstand mit Freiausschank“ beim Christkind bestellt, das beziehungsweise den kann ich mir prima vorstellen. („100 Meter, das ist eine gute Distanz“, lobt mein Vater (120 Kilometer entfernt) und vergisst nicht zu erwähnen, dass ihm die Stadt schon sympathisch war, als er den Ausspruch von Otto Hahns Vater „Mein Sohn ist in Marburg und trinkt Bier“ entdeckt hat.) Aber wer um Himmels Willen möchte unbedingt einen „Starbucks“ und „Pizza-Hut“? ZVS-strafversetzte verwöhnte Großstadtgören, die glauben, nicht ohne ihren „Decaf Espresso Roast“ zu können? Herrje. Wo ist der Wunsch nach Weltfrieden? Himmlischem Manna? Dem Stein der Weisen? Will niemand das Bernsteinzimmer finden? Was läuft da bitteschön verkehrt in Marburg?

Meine Liste jedenfalls sieht irgendwie ein bisschen anders aus. Und wer schnell feuchte Augen bekommt, sollte jetzt besser weglesen. Aber hey, es geht um Weihnachten. Ich kann prima damit leben, wenn ich nur alle zwei Stunden vom Marburger Bahnhof aus in die Ferne reisen kann. Und als Akrophobiker (Mensch mit Höhenangst) ist mir die Seilbahn mal von vornherein aber mal sowas von wurscht. Ein IKEA vor Ort wäre toll. Aber damit belästige ich das Christkind nicht. Von dem wünsche ich mir andere Dinge. Ich wünsche mir - Gesundheit. Dass ich weiterhin Menschen an meiner Seite habe, auf die ich mich verlassen kann und die mich in all meiner Verrücktheit klaglos ertragen. Ich wünsche mir Leidenschaft und Begeisterung, in dem, was ich tue. Und ein kleines Wunder ab und an. (Natürlich fände ich einen hübschen Lottogewinn oder meinen persönlichen Clooney-George auch nicht schlecht. Aber das zu erwähnen, würde den Eindruck der letzten Zeilen wohl nachhaltig schädigen…)

Diese Dinge kriegt man nicht unter einen handelsüblichen Tannenbaum gelegt. Das macht sie für mich so wünschenswert. Das schönste Geschenk, das man einem anderen Menschen machen kann, ist aufrichtige Zuwendung, besagt ein Sprichwort aus Arabien. Verschenken wir doch die. Verschenken wir Dinge im Kleinen. Der Mama mit Kinderwagen in den Bus helfen, bei der alten Nachbarin fragen, ob sie etwas braucht, wenn wir einkaufen fahren oder sich Zeit für einen Freund nehmen. Nicht nur an Weihnachten. Und was die Dinge angeht, um die man eine Schleife machen kann, habe ich im Internet diese herrliche Weisheit entdeckt: Nicht jedes Geschenk freut sich über das Kind! In diesem Sinne.

von Nadja Schwarzwäller

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