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Menschensöhne schlafen in Frankfurt Geld verdienen im Schlaf

Top Ten der Stadtbücherei

Geld verdienen im Schlaf

Die Liste der zehn meist ausgeliehenen Bücher erstaunt nicht nur Leseratten. Wo ist Harry Potter? Und warum ist Frankfurt so ein beliebtes Lektüreziel? Antwort auf diese Fragen gibt - vielleicht - Nadja Schwarzwäller.

Viele, viele Bücher gibt es in der Stadtbücherei. Da fällt manchen Nutzern die Wahl schwer.

© Nadja Schwarzwäller

Aber jetzt mal im Ernst: Was macht ein isländischer Autor auf dieser Liste, den ich nicht einmal kenne und den man nur mit Mühe überhaupt aussprechen kann? Wo bitteschön ist Harry Potter abgeblieben? Und stehen die beiden Bücher auf den Plätzen 9 und 10 vielleicht in irgendeinem inhaltlichen Zusammenhang? Fragen über Fragen. Ich gebe gern zu: Ich hätte ganz andere Titel in dieser Top Ten erwartet. Das einzige, was mich erstens nicht überrascht und zweitens extrem neugierig macht, ist indes der Ratgeber „Schlank im Schlaf“.

Es ist – und darüber freue ich persönlich mich sehr - eine wissenschaftlich fundierte Erkenntnis, dass Schlaf in der Tat schlank macht. Ohne entsprechende zusätzliche Taten hält sich das allerdings in äußerst engen Grenzen, wie ich befürchte. Vor allem, wenn man sich vor dem Schlafengehen noch eine große Schachtel Pralinen gegönnt hat. Aber das mal außenvor. Dem Leiter der Stadtbücherei, der wie ich über den Inhalt der Top Ten gestaunt hat, kam sofort eine zündende Idee: Warum nicht einfach eine ganze Reihe nach diesem Prinzip auf den Markt bringen, wenn der eine Titel offenbar schon so beliebt ist? „Mehr Geld verdienen im Schlaf“ und „Rennradtraining im Schlaf“ schlug Jürgen Hölzer spontan vor. Fantastische Idee!

„Die Hausarbeit erledigen im Schlaf“, „Wahnsinnig witzige Kolumnen schreiben im Schlaf“ oder „Müdigkeit vertreiben im Schlaf“ wären Ratgeber, die ich einem Autor – beziehungsweise der Stadtbücherei – sofort aus den Händen und Regalen reißen würde. Aber zurück zur Liste. Warum „Charlie + Leo“ und nicht „Hanni und Nanni“? Sind Ritter gerade wieder gefragter als Dinosaurier? Und würde „Conni geht in den Zoo“ auch so oft ausgeliehen werden, wenn Marburg einen Zoo hätte? Mir ist diese Top Ten ein Rätsel. Aber die Stadt ist wohl nicht umsonst als „Ort der Vielfalt“ ausgezeichnet worden. Da treffen eben isländische Krimiautoren auf kleine Vampire und der King of Pop auf die Königin von Saba.

„Ort der Vielfalt“ ist ein prima Stichwort. Das ist die Stadtbücherei nämlich auch, gewissermaßen als Mikrokosmos. Vom Bilderbuch bis hin zu medizinischer Fachliteratur, von „Titanic“ auf DVD bis hin zu Bastelanleitungen – rund 2.500 Medien werden pro Tag entliehen. Bunter gemischt geht es kaum. Egal, ob man einen Reiseführer für den nächsten Urlaub sucht oder sich einfach mal von verheißungsvollen Titeln wie „Kunst der Unordnung“ in den Regalen überraschen lassen möchte. Die altehrwürdigen Mauern in der Ketzerbach scheinen mir ein Quell der Möglichkeiten zu sein. Ich plädiere für die nächsten Listen. „Die 10 Bücher mit den längsten Titeln“. „Die 10 Medien, die noch nie jemand ausleihen wollte“. Und natürlich „Die 10 Titel, die am häufigsten verschwanden“. Fortsetzung folgt.

von Nadja Schwarzwäller

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