Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Zehn Dinge . . . „Jo, iss denn heut scho Weihnachten“
UNIversum Zehn Dinge . . . „Jo, iss denn heut scho Weihnachten“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:42 13.12.2011
Quelle: Nadja Schwarzwäller

1.    Natürlich: Advents- und Weihnachtsmarkt. Glühwein, Lebkuchen und Weihnachtsstimmung.

2.    Der „Landgraf Philipp“-Stollen von Klingelhöfer. Mit Kirschen und Wein aus Marburg gebacken!

3.    Der Eispalast (in diesem Jahr ab dem 9. Dezember wieder am AquaMar)

4.    Für Traditionalisten: Weihnachtsliedersingen (am 4. Dezember in St. Marien oder am 17. Dezember in der Elisabethkirche)

5.    Der „Herbstcappuccino“ in der „Bohne“ mit lecker Haselnusskrokant

6.    Das „Rathaus als Adventskalender“ – jeden Tag um 16 Uhr öffnet sich ein Tür- bzw. Fensterchen

7.    Toll für einen Sonntagsausflug: hausgemachte Scones und Tee im Schloss-Café Rauischholzhausen

8.    „Die Weihnachtsgans Auguste“ – Lesung und Swing-Musik mit Ekkehard Dennewitz und der Sachs-Band am 17. Dezember in „Radestocks Kleiner Komödie“

9.    „Marburger Weihnacht“: Die Weihnachtsgeschichte an Heilig Abend open air (mitsamt Getier) am Lutherischen Kirchhof

10.  Oder ein kurzer Ausflug in die MET: Im Cineplex werden Opern aus New York live übertragen, die nächste am 10. Dezember (Faust von Gounod)

Süßer die Glocken ja bekanntlich nie klingen. Und fröhlich soll sie angeblich auch sein, die Weihnachtszeit. Ich bin mir da inzwischen nicht mehr so sicher. Ich bin einerseits aus dem Alter raus, wo meine Eltern sich für mich noch anstrengen würden, was Tannenbaum, Lichterglanz und Plätzchen backen angeht und andererseits noch nicht soweit, als dass ich selbiges für eigene Kinder tun müsste. Als Single, der noch nicht mal mehr einen Mitbewohner hat, der mich für den elften Deko-Engel im Flur zusammenscheißt, sind die bevorstehenden Feiertage für mich so ein bisschen Niemandsland.

Die brennenden Fragen, die mir sämtliche Frauenzeitschriften alle Jahre wieder stellen – Wie zaubere ich das perfekte Menu? Glamour-Make-Up gefällig? oder Suchen Sie noch Geschenke unter hundert Euro? – gehen an meiner Realität irgendwie vorbei. Warum will mir bloß keiner verraten, wie ich den traditionellen Streit meiner Eltern, warum wir jetzt doch keinen Christbaum gekauft und oder geschmückt haben, überstehe ohne gewalttätig zu werden oder wo ich die Extrastunden Zeit hernehmen soll, die es bräuchte, um die herrlichen Basteltipps auf Seite 112 umzusetzen?

Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder man läuft den gesamten Advent hindurch als Miesepeter durch die Gegend, stößt angesichts des Kinderchorgedudels im Kaufhaus wüste Verwünschungen aus und schließt sich am besten gleich in seinem Kämmerlein ein (Rolläden runter, damit man die Beleuchtung der Nachbarn nicht sehen muss!) oder man ergibt sich in sein Weihnachtsschicksal und versucht es sich so schön es nur irgend geht zu machen. Und da bietet Marburg jede Menge Möglichkeiten.

Ein Besuch auf dem Weihnachts- beziehungsweise Adventsmarkt gehört da unbedingt zum Pflichtprogramm. Wem die herrliche Altstadtkulisse auf dem Marktplatz im Lichterglanz nicht wenigstens ein kleines Lächeln entlockt, dem ist weihnachtstechnisch wohl überhaupt nicht mehr zu helfen. Das Rathaus und die Häuser ringsum sind auch die Kulisse für den überdimensionalen Adventskalender, bei dem sich jeden Tag ein Tür- beziehungsweise Fensterchen öffnet. Im Rathaus sind indes wieder Krippen aus aller Welt zu bestaunen.

Glühwein oder Kakao, Tee oder Kaffee – möglichst heiß und süß versteht sich – ist ebenfalls dringend anzuraten. Allein schon aufgrund der Temperaturen. Der wärmt die Finger und im besten Fall auch noch ein wenig das Herz. Mein Tipp: Ein Herbstcappuccino (mit Haselnusskrokant) oder ein Schokoccino (Espresso mit Kakao und Milchschaum) in der „Bohne“ am Steinweg. Und Schleckermäuler sollten auf jeden Fall den „Landgraf-Philipp“-Stollen in der Konditorei Klingelhöfer probieren. Der ist mit Kirschen und Wein aus Marburg gebacken – auch als Mitbringsel sehr gern gesehen. Und um gleich mal bei den leiblichen Genüssen zu bleiben: Im Schlosscafé in Rauischholzhausen erwartet Besucher eine hausgemachte Variante der englischen Scones, zusammen mit Tee tatsächlich auf einem silbernen Tablett serviert. Das nach einem Spaziergang durch den winterlichen Schlosspark – wunderbar.

Ein kleiner Geheimtipp ist die großartige Lesung der „Weihnachtsgans Auguste“ mit dem ehemaligen Intendanten des Hessischen Landestheaters, Ekkehard Dennewitz und der Sachs-Band – in diesem Jahr in Radestocks „Kleiner Komödie“ in der Marbach zu genießen. Solche kleinen Highlights sollte man zur „Entschleunigung“ unbedingt einplanen. Die geballte Ladung Weihnachtsstimmung versprechen diverse Advents- und Weihnachtsliedersingen, zum Beispiel am 17. Dezember in der schönen Kulisse der Elisabethkirche. An Weihnachten selbst wartet dann die Luterische Pfarrkirche mit der „Marburger Weihnacht“ auf: die Weihnachtsgeschichte open air, mit Stall, Kostümen, Tieren und allem Drumunddran.

Ein tolles Erlebnis, wenn auch nicht weihnachtlich, ist ein Besuch in der Oper. Schon ganz und gar, wenn es sich um die New Yorker MET handelt. Dafür muss in Marburg nur ins Kino gehen: Das Cineplex überträgt ausgewählte Aufführungen live aus Amerika. Im Dezember steht Gounods „Faust“ mit dem Deutschen Jonas Kaufmann in der Titelrolle auf dem Programm. Super, um das kleine Schwarze auszupacken, sich richtig aufzuhübschen und einen Sekt dabei zu schlürfen. Wer Lust auf Weihnachten bekommen hat oder noch bekommen mag, der darf sich auch gern unter www.marburg.de und den Link zur „o du fröhlichen Weihnachtszeit in Marburg“ weitere Anregungen holen. An die Backbleche, fertig, los!

von Nadja Schwarzwäller