Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Zehn Dinge . . . Ich sehe was, was Du nicht siehst
UNIversum Zehn Dinge . . . Ich sehe was, was Du nicht siehst
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:26 18.11.2011
Schlossblick mal anders: Das Schloss ist immer eine willkommene Fotokulisse, auch wenn der Vordergrund vielleicht nicht ganz so erhaben ist. Quelle: Nadja Schwarzwäller

Wie immer zuerst die Liste:

1. Panorama-Aussicht von „gegenüber“: Kaiser-Wilhelm-Turm

2. der „Heilige Grund“ zwischen Ockershausen und Stadtwald

3. nicht zu verachten: der Blick von der letzten Stufe der Ludwig-Bickell-Treppe aus, wenn man endlich (fast) direkt davor steht

4. vom Ahrens-Restaurant in der Unistraße aus

5. von der Konrad-Adenauer-Brücke aus

6. von der „Kirchspitze“ (zwischen Marbach und Wehrda)

7. aus der ein oder anderen Studentenbude, die sonst keinerlei Vorzüge hat

8. auf dem Weg von den Lahnbergen hinunter

9. vom Hirsefeldsteg aus

10. Immer wieder schön: aus dem Zugfenster, wenn es in die Stadt hinein geht

Jedes Mal, wenn ich auf dem Weg zurück nach Marburg bin und das Panorama mit dem über allem thronenden Schloss in Sicht kommt, sobald der Zug um die Kurve biegt, dann macht mein Herz einen kleinen Hüpfer. Jedes Mal. Auch nach 14 Jahren noch. Und egal, wo in der Stadt oder um die Stadt herum ich bin, ich werde nicht müde, nach dem besonderen Blick zu suchen und immer wieder lächelnd festzustellen: „Guck mal, von hier aus kann man das Schloss sehen“.

Mit dem Attribut „Schlossblick“ – auch wenn es sich dabei vielleicht lediglich um ein Zipfelchen Schloss handelt, das sich nur mit viel gutem Willen erahnen lässt, wenn man sich in suizidaler Manier aus dem viel zu kleinen Dachfensterchen lehnt – kann man sich im Zweifel jede noch so indiskutable Studentenbude schönreden. Zumindest versucht das mancher Vermieter. Ich erinnere mich an unfassbare neun Quadratmeter – unter einer Schräge, inklusive Küchenzeile und Waschbecken, die ein Freund von mir zu Studienbeginn in der Oberstadt bewohnte. Man konnte keine Buchseite umblättern, ohne dass der Nachbar es mitbekam und man kriegte nichts durchs Treppenhaus, das größer als ein DIN-A-4-Ordner war. Aber man hatte „Schlossblick“.

Mit am liebsten sehe ich persönlich das Schloss, wenn ich direkt davor stehe – meist bin ich zu Fuß dorthin unterwegs und heilfroh, den Aufstieg endlich geschafft zu haben. Schnappatmung und Sauerstoffmangel sind wahrscheinlich schuld, dass mir das alte Gemäuer jedes Mal wieder noch viel schöner vorkommt, als ich es in Erinnerung hatte. Aber auch aus der Entfernung und ohne körpereigene Drogen im Blut ist der Anblick des früheren Landgrafensitzes ein ganz besonderer, wie ich finde. Von sozusagen „gegenüber“, vom Kaiser-Wilhelm-Turm aus, bietet sich eine wunderbare Sicht. Auch die Konrad-Adenauer-Brücke oder der Hirsefeldsteg sind tolle Standorte, wenn man einen Panorama-Blick aufs Schloss genießen möchte. Wer es eher ein wenig abseits und romantisch mag, dem sei zum Beispiel die „Kirchspitze“ (zwischen der Marbach und Wehrda gelegen) ans Herz gelegt. Und ganz besonders schön – nicht nur wegen des herrlichen Namens: der Blick auf Schloss (und Stadt) vom „Heiligen Grund“ aus.

Einen Ort, den ich als Aussichtsplattform der besonderen Form erst kürzlich für mich entdeckt habe – obwohl ich bereits im vergangenen Jahrtausend nach Marburg kam, ist das Ahrens-Restaurant. Da fühle ich mich angesichts des spektakulär nah wirkenden Schlosses hinter den großen Fensterscheiben immer ein wenig wie ein Tourist in der Sommerfrische. Dazu noch ein Schnitzel – was will man mehr.

Apropos Tourist. Als ich noch ganz neu in der Stadt war, nahm mich ein Freund mit auf einen nächtlichen Spaziergang aus Marbach in Richtung Schloss. Der Grund, dass ich mich überreden ließ, im Stockfinsteren bei Minusgraden über Stock und Stein („ich kenn da ´ne Abkürzung!“) zu stolpern, war die angekündigte großartige Kulisse des nächtlich illuminierten Schlosses, die ich bis dahin noch nicht gesehen hatte. (Und die Tatsache, dass ich furchtbar verknallt in den Kerl war, zugegeben.) „Gleich sind wir da“, hieß es. „Nur noch hier um die Kurve“. Und dann – nichts. Dunkelheit. Kein Schloss. „Aber – aber gestern war’s noch da!?“ Na klar. Männer verlaufen sich nicht. Männer behaupten, das Schloss, das seit ein paar hundert Jahren da steht, wo es eben steht, sei über Nacht verschwunden. Was soll ich sagen. In den Kerl war ich bald nicht mehr verknallt. Aber das Schloss liebe ich bis heute.

von Nadja Schwarzwäller

Mehr zum Thema

Die Wohngemeinschaft ist eine ungeheuer praktische Wohnform. Und sie kann alle Beteiligten verhältnismäßig glücklich machen, wenn einige goldene Regeln Beachtung finden. Mit der Ausstattung fängt das an.

14.11.2011

Manchmal ist es besser, zu schweigen. Oder es Otto Hahn gleichzutun, über den sein Vater sagte: "Mein Sohn ist in Marburg und trinkt Bier." Aber leider sagen gerade Erstis oft Dinge, die man lieber nicht hören möchte. Diese Dinge hat OP-Autorin Nadja Schwarzwäller zusammengetragen.

18.10.2011
Zehn Dinge . . . Zehn Orte in der Höhe - Up, up and away

Gipfelstürmer voran, Akrophobiker weggelesen. Mit dieser 10er-Liste wagen wir uns treppauf, himmelwärts und bis an die Spitze. Wie beziehungsweise wo man es in Marburg ganz nach oben schaffen kann, hat OP-Autorin Nadja Schwarzwäller recherchiert.

06.07.2011