Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 7 ° wolkig

Navigation:
High Heels und Hollandräder Wer Fahrrad fahren will, muss leiden

Tut es nicht!

Wer Fahrrad fahren will, muss leiden

Eigentlich sollte ich vielleicht eher etwas zu Punkt 1 der Liste schreiben, weil er schließlich Punkt 1 und damit schrecklich wichtig ist. Aber isch abe gar keine Fahr-ad. Zumindest nicht in Marburg. Und ich verstehe auch ehrlich gesagt nicht, warum man hier nicht mit einem Hollandrad fahren sollte. „Weil es keine Gänge hat“, klären mich die Kolleginnen auf. Und?! Früher hatten wir auch keine Gänge. (Wir hatten ja nichts...) Und wer Fahrrad fahren will, muss leiden. Sonst könnte er ja auch den Bus nehmen. Motto: Echte Männer essen keinen Honig, echte Männer kauen Bienen. Jawoll. Aber ich gestehe: Wenn ich die armen Menschen sehe, die ich von meinem Balkon aus den Berg in die Marbach hoch kriechen sehe, bekomme ich schon ein bisschen Mitleid und verstehe den Sinn hinter dem Top-Punkt unserer Liste. Aber nur ein bisschen. Dann erinnere ich mich nämlich daran, dass ich schließlich den Großeinkauf auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältige und nicht jammere.

Apropos „in die Marbach“ – sehr wichtiger Hinweis unter Punkt 8. Wem die Grammatik spanisch vorkommt, der sollte ganz schnell wieder das Weite suchen. Bevor er noch das erste Mal in sächlicher Form angesprochen wird. DA hat man es nämlich seltsamerweise nicht gern weiblich. Ein Beispiel: „Es Nadja kimmt“, übersetzt ins Deutsche: „Die Nadja kommt“. Das ist hier so. Daran gewöhnt man sich entweder (und findet es großartig) oder man lässt es. Was Moischt und Schröck angeht, studieren die meisten Zugezogenen munter vor sich hin, ohne jemals mitzubekommen, dass es diese Stadtteile überhaupt gibt. Ich hingegen habe mehrere Freunde, die während ihres Studiums dort gewohnt haben. Auch da prallen Welten aufeinander.

Was die „Betonpost“ in der Zimmermannstraße angeht, sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass im Inneren zwar in der Tat keine Post (im Sinne von: Briefe aufgeben) mehr vorhanden ist, VOR dem Gebäude allerdings DIE Rettung in postalischer Not steht: der Briefkasten mit Spät- und Sonntagsleerung. Ich weiß nicht, wie viele Male ich in meinen 13 Jahren Marburg schon Bewerbungen oder auch meine Weihnachtspost auf den sprichwörtlich letzten Drücker dort eingeworfen habe. Besonders deutlich ist mir ein Marsch aus der (!) Marbach dorthin in Erinnerung, durch dichten Schnee und mit Hängen und Würgen, ziemlich genau zwei Minuten vor Ultimo. Beim Einwurf habe ich ein Foto von mir gemacht, von dem ich auch behaupten könnte, es sei auf einer Nordpol-Expedition entstanden. Großes Kino. Dass am Rathaus übrigens nicht der Hahn, sondern der Trompeter zur vollen Stunde „kräht“, muss übrigens endlich auch mal jemand den Jungs im Rathaus sagen. Ich weiß, ich weiß, natürlich wissen die das und es steht da nur der Einfachheit halber so. Aber es steht halt da, auf der Homepage: „Rathausgockel – auch als Klingelton!“. Kikeriki.

von Nadja Schwarzwäller

Mehr zum Artikel
...die man tun sollte

OP-Autorin Nadja Schwarzwäller hat so ihre Probleme mit den „Dingen, die man in Marburg tun sollte". Diese Probleme sind vor allem physischer Natur, wie ihre persönlichen Anmerkungen zur Liste zeigen:

  • Kommentare
mehr
Instagram