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„Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ Und wer schwärmt für die Abendlinie?

Sightseeing

Und wer schwärmt für die Abendlinie?

© Nadja Schwarzwäller

Wer diese Liste auf einen Rutsch abhaken möchte, schafft das mit festem Schuhwerk spielend an einem Nachmittag. Die Kasematten mal außenvor. Oder besser: untendrunter. Wir bewegen uns in einem klar umrissenen Terrain in der Oberstadt und dürfen gern wie ein gemeiner japanischer Tourist die Stationen fotografisch dokumentieren. Aber ich habe mich im Geiste noch keine hundert Meter von der Elisabethkirche weg bewegt und schon schreit Hermine: Hier gibt’s den besten Latte Macchiato der Stadt, den Laden muss man auch unbedingt gesehen haben!? Unzulässige Werbung, Hermine, schade aber auch. Das kannst Du Dir gleich für die nächste Anwandlung, vielleicht dreihundert Meter weiter und zum Thema „weltbeste Torte“ merken. Aber Sie merken schon: Hermine und mich kümmern Klassiker eher weniger.

Ich finde: man muss die Route der Abendlinie gesehen haben, komplett und am besten mit der letzten Fahrt. (Wie – welche Abendlinie? Alle natürlich!) Genauso wie den verschneiten Botanischen Garten. Das Haus, das seinen Eingang im Dach hat und von dem schon die Brüder Grimm schrieben. (Ja, da sucht mal ordentlich!) Die sensationelle Kuchentheke beim Sommerfest des Frauenchores in Wehrda. Den Rosengarten am Schloss in voller Blüte.

Apropos Schloss, und wo wir es vorhin schon einmal vom Blick über die nächtliche Stadt hatten: ebenfalls ein „must“, auch als Single. Motto: „Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen?“ (für all jene, die es nicht wissen: ein Lied von Rainhard Fendrich, 1985) – Wenn alle Oberstadtkatzen grau beziehungsweise dank der dämlichen Laternen orange sind, sollte man unsere Liste unbedingt ein zweites Mal abarbeiten!
Einige der Orte, die für mich eine besondere Bewandnis haben, gibt es längst nicht mehr. Das Europabad, das Rex-Kino oder die alte Zahnradbahn, die früher in die Oberstadt ratterte. An andere gelangt man nicht so einfach, wenn man kein Journalist ist. In die Küche der Mensa mit ihren mannshohen Schneebesen oder ins Innenleben der Orgel der Elisabethkirche zum Beispiel.

Ich assoziiere mit vielen Orten auch interessante Menschen, spannende Dinge oder inspirierende Begegnungen: vom Dachstuhl des Rathauses bis hin zur Kinderkrebsstation. Vor Jahren führte man mich bei einer freikirchlichen Gemeinschaft in den neu ausgebauten Gebetsraum unter dem Dach – mitten durch die Küche einer im Haus lebenden WG. Auch das sind für mich Orte in Marburg, die man gesehen haben muss. Oder sagen wir: Das ist Marburg für mich!

von Nadja Schwarzwäller

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... von Marburgern

Die Liste Marburg und seine Erfinder hat OP-Mitarbeiterin Nora Goldschmidt zusammengestellt. OP-Autorin Nadja Schwarzwäller hat sich dazu ihre ganz eigenen Gedanken gemacht. Die unter anderem erklären, warum sie die „kalte Kernschmelze“ nicht lösen wird, ohne eine Handtasche zu kaufen. Oder so ähnlich.

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