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Es muss nicht immer Elisabeth sein

Zehn Namen mit Marburg-Bezug Es muss nicht immer Elisabeth sein

Sophie und Philipp sind auch heute noch recht beliebte Vornamen. Wer für seinen zu erwartenden Nachwuchs nach einem lokalpatriotischen Namen sucht, muss sich aber nicht auf die beiden Marburger Adelssprosse beschränken. Auch sonst hat die Marburger Historie viele Vornamen zu bieten, die man ohne rot zu werden im 21. Jahrhundert verwenden kann.

1. Elisabeth (von Thüringen, 1207 - 1231)

2. Philipp (der Großmütige, 1504 - 1567)

3. Konrad (von Marburg, etwa 1190 - 1233)

4. Sophie (von Brabant, 1224 - 1275)

5. Emil (von Behring, 1854 - 1917)

6. Christian (der Dienstmann, lebte bis in die 1960er Jahre)

7. Michel (-chen, nach der gleichnamigen gotischen Kapelle)

8. Jost (ebenfalls nach einer Kapelle)

9. Alma (Mater)

10. Asta (... au weia)

Zunächst einmal eine Entschuldigung an alle überzeugten Demokraten: Die Plätze 1 bis 5 auf unserer Namensliste sind blaublütig. Alle fünf? Nein, nur auf den ersten Blick: Konrad „von" Marburg war wahrscheinlich nicht adlig, sondern der Namenszusatz war eine reine Ortsangabe. Und Emil „von" Behring kam 1854 als schnöder Emil Behring zur Welt, den Adelstitel gab's erst zusammen mit dem Nobelpreis. Adelstitel, Nobelpreis, Weltruhm: Wer Großes mit seinem Kind vorhat, sollte den Namen Emil in Betracht ziehen.

Zugegeben, sollte das Kind weiblich sein, ist Emil eine schlechte Wahl. In diesem Fall könnte man Elisabeth empfehlen. Dieser Name hat einen schönen Klang, kann mit einer dazugehörigen, baugeschichtlich bedeutenden Kirche aufwarten und erinnert an eine große Wohltäterin. Kurz nach ihrem Tode wurde sie sogar heiliggesprochen. Und man musste die Gute noch nicht einmal extra In den Adelsstand erheben, denn s'Lisbeth war bereits als Fürstentochter geboren.

Allerdings war Elisabeths Lebensstil recht vergnügensfeindlich und weltabgewandt (ketzerische Menschen sprechen angesichts ihres frommen Eifers gar von einer handfesten psychischen Störung). Das könnte das eine oder andere eher lebenslustige Elternteil vielleicht schrecken. In diesem Falle könnte man Elisabeths Tochter Sophie als Namenspatronin in Erwägung ziehen. Sie stand trotz schwerer Kindheit mit beiden Beinen im Leben, pflegte ganz offensichtlich einen gesünderen Lebenswandel (immerhin wurde sie mehr als doppelt so alt wie ihre Mutter) und war außerdem, wenn man der Statue auf dem Marburger Markt glauben darf, auch noch verdammt hübsch.

Heilig war die Gute allerdings nicht, man kann nicht alles haben. Anders verhält es sich mit den Herren Michel und Jost, die zwar keine Marburger waren, aber ihre Namen posthum für zwei schnuckelige kleine Kapellen in der Universitätsstadt hergaben: Michel und Jost. Wer die beiden Gotteshäuser – oder -häuschen – kennt, hat beim Klang dieser Namen sofort ein malerisches Bild vor Augen. Das könnte beim Wahren des inneren Gleichgewichts helfen, wenn der eigene Nachwuchs sich mal wieder gar nicht so pittoresk präsentiert: zerkaute Reiskeks-Reste und irgendetwas Orangebraunes im Gesicht verteilt, mörderisch brüllend und um sich tretend erzeugen viele Kinder vorübergehend emotionale Schieflagen bei ihren Eltern. Heißt das Kind aber Michel, dann muss man einfach nur kurz die Augen schließen, ans Michelchen in seiner Idylle über den Dächern der Stadt denken, und schon muss man das Kind einfach liebhaben.

Das mit dem Liebhaben war wohl gelegentlich auch bei Christian schwer, an den sich ältere Marburger noch aus ihrer Kindheit erinnern. Dem „Dienstmann Nummer 4" ist eine Bronzestatue in der Oberstadt gewidmet, was ein gutes Argument für diesen Vornamen ist. Denn welches Kind kann schon ein eigenes Denkmal vorweisen? Allerdings war Christian, wie schon angedeutet, etwas gewöhnungsbedürftig in seinem Sozialverhalten, oft betrunken und vom Zigarrenqualm benebelt und vieler derber Schimpfwörter mächtig. Aber ein bisschen Durchsetzungsvermögen gönnt man seinem Kind ja schließlich auch.

Zuletzt seien noch die Vorschläge 9 und 10 erwähnt, Alma und Asta, die nicht so sehr Marburg-, sondern vielmehr Universitätsbezug haben. Doch wie sagt man so schön: Andere Städte haben eine Universität, Marburg ist eine. Und zumindest bei Vorschlag Nummer 10 sind auch die überzeugten Demokraten wieder mit im Boot. Und Demokratinnen.

von Sabine Nagel-Horn

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