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Die Liste der listigsten Listen Hauptsache souverän

Ausreden

Hauptsache souverän

Nebel ist in Marburg ein häufiges Wetterphänomen. Und taugt allemal für eine schnelle Ausrede.

© Nadja Schwarzwäller

Erste Überlegung: Was für eine Jahreszeit haben wir eigentlich gerade? (Das sollte auch nach einem mittelschweren Besäufnis am Abend zuvor geistig noch machbar sein, Herrschaften!) „Blitzeis“ ist als Entschuldigung aber sowas von raus, wenn die Temperaturen im zweistelligen Plusbereich sind. „Nebel“ geht bei Terminen in den frühen Morgenstunden schon deutlich häufiger durch - und sollten sich die Augenbrauen des Profs deutlich nach oben bewegen, nachdem man zu dieser Ausrede gegriffen hat, kann man sich dank Marburgs Topographie immer noch mit „also, bei mir am Ortenberg (in der Marbach / auf den Lahnbergen...) war jedenfalls heute morgen Nebel!“ zu retten versuchen. Blöd nur, wenn der Prof auch am Ortenberg (in der Marbach / auf den Lahnbergen...) wohnt.

Bevor uns übrigens irgendjemand mit „Diskriminierung“ kommt, weil Punkt 1 der Liste Frauen-spezifisch zu sein scheint: Haltet ein, Jungs! Erstens kann man das ganze auch ganz simpel für die Herren der Schöpfung verwenden – die mussten dann halt helfen, nachdem jemand anderes mit Stöckelschuhen hängengeblieben ist. Und zweitens plädiere ich schon seit langem dafür, auch männliche Erstsemester auf High Heels durch die Oberstadt zu schicken. Eigentlich just for fun. Aber so könnten auch die Jungs die Tücken dieses Unterfangens als List für ihr Zuspätkommen verwenden. Das bleibt jedem aber selbst überlassen. Im Zweifel kann man(n) ja unter den geschlechtsneutralen Ausreden zwei bis neun wählen. Oder – wenn der Schädel nicht gar zu doll brummt – sogar selbst kreativ werden.

In jedem Fall wichtig: die Sache beherzt angehen. Und damit lernen die Studenten doch auch gleich etwas, das für den Rest des Studiums – ach, was sage ich: für den Rest des ganzen weiteren Lebens von unschätzbarem Wert ist. Souveränes Auftreten bei völliger Ahnungslosigkeit, wie es so schön heißt. Aber immer wieder sei gewarnt: Das Hirn einschalten, bevor man sich rausredet. Gut zu wissen, wie gesagt, ob man sich im Sommer- oder Wintersemester befindet, wo man selbst und vielleicht sogar der Professor wohnt oder in welcher Veranstaltung man sich gerade befindet. „Von Murmeltieren angefallen“ zieht vielleicht bei einem Geisteswissenschaftler. Wenn einem zu spät einfällt, dass man ja Biologie studiert – nun ja. Merket, liebe Studenten, was der Philosoph Oswald Spengler euch mit auf den Weg gibt: „Methode ist List“.

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