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Da guckt ihr in die Röhre Kernschmelze gibt's nicht im Einkaufszentrum

Erfindungen

Kernschmelze gibt's nicht im Einkaufszentrum

Alfred Wegener entwickelte in Marburg die Theorie der Kontinentalverschiebung. Am Renthof erinnert eine große Plakette am Eingang zu einem Physik-Gebäude an den berühmten Marburger.

© Nora Goldschmidt

„Wenn das hier nur eine Stadt wäre, aber es ist ja ein mittelalterliches Märchen“, soll Boris Pasternak von Marburg gesagt haben. Wir gönnen uns alle einen Stoßseufzer und sammeln weiter Zitate. Zum Beispiel den Ausspruch, Marburg habe keine Universität, sondern sei eine Universität. Und ohne diese wiederum weiter nur ein mittelhessisches Bergdorf, wie andere Zungen behaupten. Wie auch immer: Viele kluge und kreative Köpfe haben in der Stadt oder der Umgebung gelebt und gearbeitet, zumindest für eine gewisse Zeit, und Inspiration gefunden. Allein die Dichter. Denken wir an Rainer Maria Rilke, der 1905 und 1906 mehrere Wochen auf Schloss Friedelhausen verbrachte und den die „Erinnerung an das liebe hessische Land“ weiter begleitet hat. Oder Christine Brückner, die in Marburg studiert hat und einmal Leiterin der Mensa gewesen ist.

Apropos Inspiration finden – nicht umsonst steckt das Wort „finden“ in „Erfindungen“: „Wie das mit den Erfindungen ist, man findet sie nicht, sondern sie finden uns“, schrieb Matthias Claudius. In der Therapie von Osteoporose werden Medikamente eingesetzt, die ursprünglich ein Abfallprodukt der Waschmittelindustrie waren. Und der Kaiserschmarrn ist der Legende nach auch nichts anderes als ein misslungener Palatschinken (hochdeutsch: Pfannkuchen). „Alle Erfindungen gehören dem Zufall an, sonst könnten sich vernünftige Leute hinsetzen und Entdeckungen machen, so wie man Briefe schreibt“, stellte Georg Christoph Lichtenberg fest. In der Tat. Stellen wir uns nur mal vor, ich würde mir vornehmen, sagen wir: die „kalte Kernschmelze“ zu beweisen. Das wäre in etwa das gleiche, wie mit dem festen Vorsatz, eine neue Hose zu kaufen, ein Einkaufszentrum zu betreten. Heraus komme ich garantiert mit zwei paar neuen Schuhen und einer Handtasche.

Marburg jedenfalls scheint ein gutes Pflaster zu sein, was Kreativität, Zufälle, Erfindungen, die berühmte Muse und das ebenso berühmte Quäntchen Glück angeht. So kann das gerne weiter gehen. Angeblich haben die Forscher von 96 Prozent unseres Universums nach wie vor keine Ahnung. Ein weites Feld. (Übrigens ein Ausspruch, der auf Fontane und „Effi Briest“ zurückgeht und wussten Sie eigentlich, dass Christine Brückner als Enkelin Fontanes bezeichnet wurde?) Man könnte einen Nacktscanner für meine Wohnungstür erfinden, der jedes Mal Alarm schlägt, sobald ich den Schlüssel wieder mal nicht eingesteckt habe. Jemand sollte sich dringend mal darum kümmern, dass Handys auf den Markt kommen, die sich automatisch selbst zerstören, wenn sie als Ghettoblaster in öffentlichen Verkehrsmitteln genutzt werden. Dringend. Und wohin ist eigentlich dieser „peel off“-Nagellack aus den 90ern verschwunden, den ich für schlichtweg genial hielt?

von Nadja Schwarzwäller

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...die man gesehen haben muss

Eigentlich ist der Liste mit den Orten, die man unbedingt in Marburg gesehen haben muss, und die OP-Mitarbeiterin Nora Goldschmidt für uns zusammengetragen hat, nicht allzu viel hinzuzufügen. Eigentlich.

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