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Charakter im Gesicht und Popcorn in der Tüte

10 Filme Charakter im Gesicht und Popcorn in der Tüte

„Man geht nicht nur bloß ins Kino, um sich Filme anzusehen. Man geht vielmehr ins Kino, um mit zweihundert Menschen zu lachen und zu weinen“, behauptet der Autor John Naisbitt. Taschentücher raus, Bauchmuskeln gelockert und los! Die Marburger Kinochefin Marion Closmann hat uns ihre „must have seen’s“ des Jahres verraten. Und OP-Autorin Nadja Schwarzwäller guckt mit.

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Hinter den Kulissen ist es oft gar nicht so traumhaft, wie dieser profane Filmprojektor beweist. Doch die zehn Filme, auf die sich Marion Closmann freut, sind garantiert weniger schnöde.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

1.    Men in Black III (Will Smith und Tommy Lee Jones jagen wieder Aliens), Start 24. Mai
2.    Der Hobbitt (das Prequel zur legendären „Herr der Ringe“-Trilogie), Start 13. Dezember
3.    The Artist (gefeierte Hommage an die Stummfilmära, Golden Globe- und Oscar-prämiert), Start 26. Januar
4.    Cloud Atlas (Romanverfilmung von Andy Wachowski und Tom Tykwer), Start 1. Oktober
5.    Hugo Cabret (für 11 Oscars nominierter 3D-Film von Martin Scorsese, den endlich auch einmal dessen 12-jährige Tochter sehen darf), Start 9. Februar
6.    Merida (computeranimiertes Fantasyspektakel aus den schottischen Highlands), Start 2. August
7.    Headhunter (Thriller nach dem Roman von Jo Nesbo), Start 15. März
8.    Ice Age / Madagascar (gleich zwei Hochkaräter aus der Trickfilmfabrik), Start 2. Juli / 2. Oktober
9.    Liverpool Goalie (beim Marburger Kinder- und Jugendfilmfestival „Final Cut“ 2011 als bester Kinderfilm prämiert), Start 15. März
10.    The best exotic Marigold Hotel (eine Gruppe britischer Pensionäre trifft in Indien auf einen jungen Mann, der ein Hotel wieder zu altem Glanz führen will), Start 15. März

„Hasta la vista, Baby!“. „Schau mir in die Augen, Kleines!“. Oder auch: „Seit ich euch kenne, bin ich verstopft!“. Es gibt Filmzitate, die sind einfach Kult. (Falls jemand bei der Zuordnung der eben genannten ins Stocken geraten sein sollte: „Terminator“, „Casablanca“ und „Rossini“, Herrschaften.) Sobald „Robin Hood“ – in der Verfilmung mit Kevin Costner, versteht sich – wieder mal im Fernsehen läuft, hängen meine ehemalige Mitbewohnerin und ich am Telefon und sprechen die Dialoge mit. Und an dem Tag, an dem in einer Gruppe Frauen, die in den 1970ern zur Welt kamen, nicht mindestens eine von ihnen einen verklärten Blick bekommt und oder unwillkürlich seufzt, sobald der Satz „Mein Baby gehört zu mir“ fällt, friert die Hölle zu. Vertraut mir.

Ich kenne nur sehr, sehr wenige Menschen, die nicht gerne ins Kino gehen. Wenn dem so ist, dann zumeist, weil sie unter Platzangst leiden. Filme mögen sie aber trotzdem. Nicht umsonst hat man Hollywood die „Traumfabrik“ genannt. Filmemacher fabrizieren Träume. In allen Schattierungen. Von schwarz-weiß bis 3D, von Autorenkino bis Blockbuster, von Liebeskomödie bis Horrorschocker, von traumhaft bis Alptraum. Wir erkennen uns in Figuren auf der Leinwand wieder oder werden mit Charakteren konfrontiert, in denen uns etwas völlig Fremdes begegnet. Wir nehmen Anteil an fiktiven Schicksalen, wir fühlen mit Menschen, die es (in den meisten Fällen) gar nicht gibt. Mal lassen wir uns schlicht unterhalten und mal erleben wir eine innere Katharsis. (Und ab und an verschlucken wir uns an Popcorn oder finden einen Film einfach selten dämlich. Auch das.) Apropos Charaktere. „Was ich habe ist Charakter in meinem Gesicht. Es hat mich eine Masse langer Nächte und Drinks gekostet, das hinzukriegen.“ Einen Toast auf Humphrey Bogart.

Im Dunkel des Kinosaals (oder meinetwegen auch in trauter Runde vor einem heimischen DVD-Player) dürfen wir ungestraft und hemmungslos emotional sein: gehässig und schadenfroh, romantisch und sentimental, albern und vergnügt, bange und erschrocken, geschüttelt und gerührt. Es gibt Filme, die man immer, immer wieder sehen kann. Oder sogar muss. Eine Art Pawlow’scher Reflex. Und Szenen, bei denen man immer, immer wieder Bauchschmerzen kriegt vor Lachen oder heulen muss wie ein Schlosshund. Egal, wie oft man sie gesehen hat. (Und bevor jemand fragt: Natürlich werde ich mir im Sommer „Titanic“ in der 3D-Fassung anschauen!?)
Mit mir ins Kino zu gehen ist für andere übrigens oft eine gewisse Herausforderung. Nicht nur weil ich mitunter tatsächlich heule wie ein Schlosshund. Sondern weil mir jeder Schnittfehler auffällt, jedes ins Bild hängende Mikrofon, jedes Sektglas, das in einer Einstellung schon halb leer war und in der nächsten wieder ganz voll ist. Ich kann nichts dagegen tun. Ich sehe das alles einfach. Immer. Und es vermiest mir die Laune. (Mir und den anderen zwangsläufig auch. Weil ich nicht müde werde, sie darauf hinzuweisen.) Genau wie Filme, deren Ende ich nicht kapiere. Ich hasse es, nach zwei Stunden zu denken: „Hä?“. Es mag Menschen geben, die das künstlerisch wertvoll finden. Ich finde es blöd. Und ahne es meist schon Sekunden vor dem Abspann: WEHE, das ist jetzt das Ende... Die werden doch jetzt nicht? Ich glaub... Doch, werden sie. Verdammt.

Zum Glück gibt es aber in diesem Jahr offenbar wieder jede Menge Filme, für die es sich lohnt, ins Kino zu gehen. Cineplex-Chefin Marion Closmann hat uns ihre persönliche Top Ten zusammengestellt – die Streifen, auf die sich selbst am meisten freut. Da reicht die Spanne vom Trickfilm über Thriller bis hin zum Sieger des letztjährigen Marburger Kinder- und Jugendfilmfestivals. Ihr absoluter Favorit: die Fortsetzung von „Men in Black“. Mit ihrem Tipp für die Oscars hatte sie dieses Mal natürlich auch wieder recht: „The Artist“ ist als bester Film ausgezeichnet worden. Ein Stummfilm in Schwarz-Weiß. Ein Freund kommentierte prompt: „Und nächstes Jahr gewinnt ein Gemälde“.

von Nadja Schwarzwäller

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