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Brot, Wein und Gesang "Mein Sohn ist in Marburg und trinkt Bier"

Zehn Marburger Köstlichkeiten

"Mein Sohn ist in Marburg und trinkt Bier"

In dieser Liste dürfte aber wirklich für so gut wie jeden etwas dabei sein: egal ob Liebhaber der deftigen Küche, Freunde der edlen Confiserie, Koffeinsüchtige oder Vegetarier, alle finden sie ein Leckerli.

Leckere Kuchen machen glücklich, so wie diese Torte im Café Klingelhöfer. In Marburg gibt's auch stadtspezifische Leckereien wie den Landgraf-Taler oder Elisabeth-Trüffel.

© Nadja Schwarzwäller

Genau so wie die Liste ist auch Marburg, quasi ein kulinarischer Gemischtwarenladen: Ökokiste und Fastfood-Restaurant, gemütliche Kneipe und Edelküche, coffee to go und WG-Küchen-Parties, alles da.

Altbekannt - das Sprichwort, dass Essen und Trinken Leib und Seele zusammen hält. Ich wüsste auf Anhieb nicht mehr, welches meine erste Veranstaltung an der Uni gewesen ist, anno 1997. Aber ich erinnere mich noch ganz genau an mein erstes Essen in der Mensa. Kaiserschmarrn. Und nach besonderen Ereignissen aus meiner Zeit seitdem gefragt, würden mir mindestens bei der Hälfte Momente einfallen, in denen es auch um Essen und oder Trinken geht. Von der Feuerzangen-Bowle im Wohnzimmer mit einem Putzeimer zum Löschen nebendran über die „Suppe der Leidenschaft“, mit der ich einen Mann becircen wollte bis hin zur Entdeckung von Backofen-Pommes als Antidepressivum (nur wirksam, wenn sie in einer dunklen Küche zubereitet werden).

Die lokale Spezialität der „Ahlen Worscht“ ist längst zu einem meiner Grundnahrungsmitteln avanciert. Die Metzgerin meines Vertrauens erzählte mir, dass die Worscht in ihrer Kindheit als Allheilmittel für seelische und körperliche Beschwerden aller Art verabreicht wurde. Stets erfolgreich, wie sie versichert. Bei Magen-Darm-Problemen wäre ich vorsichtig, aber warum soll sie denn nicht bei akutem Weltschmerz, Schnupfennase oder Prüfungsstress helfen. Schmand- und Speckkuchen halte ich, je nach persönlicher Präferenz, ebenfalls für nahezu universell einsetzbar. Worte wie „Cholesterinspiegel“ sollte man in dem Zusammenhang aber tunlichst vergessen. Und wer den Landgrafen aus Gründen der Pietät nicht vernaschen möchte, dem sei Klingelhöfers himmlische Haustorte ans Herz gelegt.

„Essen ist ein Bedürfnis des Magens, Trinken ein Bedürfnis der Seele“, glaubt man dem französischen Schriftsteller Claude Tillier. Auch die Seele soll natürlich zu ihrem Recht kommen. Auch an der Stelle wieder trefflich zu zitieren: Die Antwort von Otto Hahns Vater auf die Frage, was sein Sohn denn in der Stadt täte - „Mein Sohn ist in Marburg und trinkt Bier“. Das hat ihn nicht davon abgehalten, später die Kernspaltung zu entdecken. Warum sollten wir uns also nicht mal ein schönes Elisabethbräu oder Hinterländer gönnen. Ob uns danach auch eine geniale Erfindung gelingt, sei dahingestellt. Aber einen Versuch ist es doch wert.

von Nadja Schwarzwäller

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