Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Ab in den Untergrund Mit der U-Bahn zu den Kasematten?

Zehnmal nach unten

Mit der U-Bahn zu den Kasematten?

Ohne Handy trinken: Im Hinkelstein und im Elisabeth ist das selbstverständlich. Aber das ist nur ein Nebenaspekt bei den beiden unterirdisch gelegenen Gasthäusern in der Innenstadt. OP-Autorin Nadja Schwarzwäller weiß mehr über den Marburger Untergrund.

Die Unterführung an der Biegenstraße beim Uni-Museum ist keine Unterführung mehr. Mangels Nutzung durch Fußgänger wird sie jetzt vonm alternativen Fahrradprojekt Radikate genutzt.

© Nadja Schwarzwäller

Wer nicht immer nur „hoch hinaus“ will, der hat in Marburg jede Menge Gelegenheit, in den Untergrund zu gehen, sozusagen. Die Kasematten, die sich rund um das Landgrafenschloss befinden, fielen bei einer spontanen Umfrage zu diesem Thema noch jedem in meinem Freundeskreis ein. Erstaunlicherweise hatten aber auch ausnahmslos alle sofort die Legende der Marburger U-Bahn parat und ich kam mir vor wie bei der Jahreshauptversammlung der Verschwörungstheoretiker. Ansonsten waren die Assoziationen übrigens durchaus psychologisch interessant („Velvet Underground“ hätten wir da als Stichwort ebenso wie ein Weingut namens „Taubenschuss“, fragen wir lieber nicht näher nach…), aber würden viel (viel!) zu weit weg von unserer Liste führen.

 

Die Kasematten also. „Unterirdisch angelegte Geschützstände“ sind es, erfährt man auf der Homepage der Stadt, wenn man es noch nicht weiß. Von April bis Oktober finden öffentliche Führungen statt und selbst an einem heißen Sommertag sollte man da ein Jäckchen im Gepäck haben. Sehenswertes aus gar nicht so grauer Vorzeit gibt es auch anderswo im „Untergrund“. In der Buchhandlung „Elwert“ führt eine Treppe hinunter auf die alte Stadtmauer (wunderbar zur Liste passt übrigens auch der hauseigene Aufzug, der - an zwei Seiten offen und mit einmal Umsteigen inbegriffen – den Laden am Pilgrimstein mit dem in der Oberstadt verbindet). Und die baulichen Reste der mittelalterlichen Synagoge sind, von einem hochmodernen Glaskubus überwölbt, am Ende des Obermarktes in der Tiefe zu besichtigen.

 

Ebenfalls im „Untergrund“ befinden sich einige legendäre Marburger Kneipen. Das „Mollys“ im Wehrdaer Weg zum Beispiel oder das „Hinkelstein“ direkt am Marktplatz. Kein Handyempfang ist da quasi eine Spezialität auf der Karte. (Seltsamerweise ist auch der „Tegut“ auf der Ketzerbach ein klassischer Fall von Funkloch – allerdings komplett ebenerdig.) Auch Bier gebraut wird an einem der Orte, zu denen man Stufen hinab steigen muss: im „Elisabeth“, wobei die Lokalität und das Bier ebenso heißen wie die Heilige, in deren direkter Nachbarschaft man sich kirchtentechnisch befindet. Und zu den Sommerterrassen der beiden großen Konditoreien in Marburg geht man jeweils ebenfalls eine Treppe tiefer – wobei das Vetter eine weithin sichtbare XXL-Location zu bieten hat und das Klingelhöfer in der Wettergasse eher die lauschige Geheimtipp-Variante.

 

Für die „Sprunghaften“ unter unseren Lesern müssen wir nun natürlich noch eine ganz andere Möglichkeit der Abwärts-Bewegung erwähnen denn nur das schnöde Treppensteigen: Im Aquamar können sich Wagemutige im Sprungbecken austoben. Was die Unterführungen angeht, wären sie eine eigene Liste wert – eine gruseliger als die andere, munkelt man. Im Untergrund. Keine U-Bahn, aber auch eine Art unterirdischen Straßenverkehrs wünscht man sich indes in der Marbach schon lange: Der „Marbach-Tunnel“ wird seit Jahren immer mal wieder diskutiert, bislang ohne Ergebnis. Wäre das aber nicht eine tolle Sache, wenn man allüberall in Marburg Tunnel und U-Bahnen und Seilbahnen bauen würde – in die Stadtteile und aufs Schloss hinauf und zu allen Sehenswürdigkeiten sowieso!? „Nächster Halt Kasematten. Umsteigen zum Untergrundverkehr Richtung Innenstadt, zur Seilbahn hinüber zum Kaiser-Wilhelm-Turm und zur Rolltreppe in den Bückingsgarten.“ Lassen Sie uns ein bisschen träumen.

von Nadja Schwarzwäller

Mehr zum Artikel
Zehn Schlossblicke

„Schlossblick“. Egal ob von oben oder von unten, von nah oder von fern: Der Anblick des Wahrzeichens der Stadt Marburg hat etwas ganz Besonderes. 10 Orte, von denen aus sich das Landgrafenschloss von seiner jeweils besten Seite zeigt, hat OP-Autorin Nadja Schwarzwäller zusammengestellt.

mehr
Instagram