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Die Wissenschaft ist auch ein Beruf

Job und Karriere Die Wissenschaft ist auch ein Beruf

Irgendwann ist für jeden das Studium zu Ende. Und dann? Berufs- und Karriereplanung wird auch für Studierende immer wichtiger. Zwei Beratungsstellen stehen an der Philipps-Universität für die Fragen Studierender zur Verfügung.

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Dr. Ute Kämper (links) und Sarah Schwarz arbeiten in der Studienberatung. Kämper berät für MARA, Schwarz für das Projekt Career Center pro.career.

Quelle: Gabriele Neumann

Marburg . "Es gibt Leute, die denken am Tag eins nach der Prüfung zum ersten Mal darüber nach, was sie werden wollen", sagt Dr. Florian Krüpe, Studienfachberater bei den Historikern. "Und es gibt Leute, die denken an Tag eins ihres Studiums schon darüber nach, welchen Beruf sie mit ihrem Studium anstreben können", fügt er hinzu. Die Klientel bei den Studienberatern ist in ihrem Studium meist irgendwo zwischen diesen beiden Extremen. Die Zeit, in der man nach der Einschreibung an der Hochschule einer sorgenfreien, finanziell abgesicherten Zukunft entgegenstudieren konnte, ist längst vorbei. Spätestens seit dem Bologna-Prozess spielt die Berufsorientierung schon bei der Studienwahl eine große Rolle. Glücklich, wer da so konkrete Aussagen findet wie auf der Internetseite der Pharmazie: "Die großen Pluspunkte mit einem abgeschlossenen Studium der Pharmazie sind die nach wie vor nicht nennenswerte Arbeitslosigkeit und die sehr gute Vereinbarkeit mit einem Teilzeit-Einsatz (ideal während der Kindererziehung). Man kann also sagen, dass man sehr gute und familienfreundliche Arbeitsperspektiven vorfindet."

Was aber wird aus einem Politologen oder einer Anglistin? Denn ein Hochschulstudium ist in den meisten Fällen keine Berufsausbildung, sondern eine wissenschaftliche Ausbildung. Was die den Absolventen bringt? Wenn sie ordentlich studieren, die Fähigkeit, sich schnell in verschiedene Berufsfelder einzuarbeiten. Und das ist eine Qualifikation, die in der modernen Berufswelt nicht hoch genug einzuschätzen ist. So weit, so sonnig. Dennoch gibt es Fragen, die man nicht ganz alleine beantworten kann - oder will. Dafür gibt es Hilfe bei zwei Anlaufstellen an der Universität. Die Zentrale Studienberatung (ZAS) in der Biegenstraße hilft bei der allgemeinen Berufsplanung. Wer Fragen zu wissenschaftlichen und wissenschaftsnahen Karriereplänen hat, ist bei der MARA (Marburg University Research Academy) auf den Lahnbergen richtig aufgehoben.

Bei MARA ist auch das "älteste" Graduiertenzentrum der Philipps-Universität angesiedelt. Seit 2005 können sich Promovenden im Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften austauschen, Rat suchen und sich vernetzen. "Das Graduiertenzentrum Geistes- und Sozialwissenschaften hat eingeschlagen wie eine Bombe", sagt Dr. Ute Kämper von der MARA. Die promovierte Biologin betreut hauptsächlich das andere Graduiertenzentrum, das den wissenschaftlichen Nachwuchs aus den Lebens- und Naturwissenschaften berät. MARA gibt es offiziell seit 2009, die Vorbereitungen liefen aber schon im Jahr zuvor. Beraten wird dort der gesamte wissenschaftliche Nachwuchs vom Doktoranden bis zum Juniorprof. "Die Nachfrage ist groß und der Bedarf ist ebenfalls groß", erklärt Kämper, die seit den Anfängen bei MARA dabei ist. "Die Leute wollen wissen, was sie lernen müssen, wenn sie in die Wissenschaft oder in wissenschaftsnahe Bereiche gehen", erklärt Kämper. Projektmanagement, Zeitmanagement, wissenschaftliches Schreiben, das sind drei von vielen möglichen Antworten auf diese Fragen. Viele Anfragen gibt es auch zur Finanzierung von Promotionen. Ein gutes Dutzend Menschen arbeiten derzeit bei MARA mit, bald sollen es doppelt so viele sein. Dass dieses Projekt auch in Zeiten der Finanzkrise nicht gekürzt wurde, sei der Uni-Leitung hoch anzurechnen, sagt Kämper. Ein Großteil der Kommunikation mit den Ratsuchenden läuft per E-Mail. Die persönliche Beratung ist für viele höherschwellig und die Beratungsstelle auf den Lahnbergen nicht ganz leicht zu finden. Das wird anders. Spätestens in einem Jahr soll MARA in die Deutschhausstraße umziehen, in die Alte Apotheke der ehemaligen Klinikgebäude. Der neue Standort werde sicher mehr Publikumsverkehr bringen, meint Kämper und freut sich darauf. "Wir müssen die Leute räumlich zu uns holen, damit sie sich trauen, Fragen zu stellen", erklärt sie. MARA will den Nachwuchswissenschaftlern auch Mut machen, ungewöhnliche Wege zu gehen. "Wir wollen zeigen, welche Vielfalt möglich ist", sagt Kämper.

Während die Wege in die Wissenschaft von der MARA schon aktiv aufgezeigt werden, befindet sich ein weiterer Zweig noch im Aufbau. Die Wege aus der Wissenschaft mit den entsprechenden Kontakten zu Firmen. Wer mehr über die Arbeit von MARA wissen will, kann sich hier informieren.

Doch nicht jeden Erstsemester führt das Studium zu höheren wissenschaftlichen Weihen. Für alle, die nach dem Bachelor, Master oder Diplom ins Berufsleben streben, gibt es schon seit 1998 jedes Semester die Broschüre "Studium und Beruf", die in Zusammenarbeit zwischen ZAS und Agentur für Arbeit entsteht. Darüber hinaus hat die Universität im vergangenen Jahr ein zentrales Konzeptionsprojekt angestoßen. Unter dem Namen Career Center pro.career soll eine zentrale Anlaufstelle für die Berufsorientierung und -vorbereitung in der ZAS entstehen. Eine halbe Stelle hat die Universität dafür bisher geschaffen. Besetzt ist sie mit der Diplom-Politologin Sarah Schwarz. Sie erklärt die Zielsetzung des Projekts so: "Die Berufsplanung bekommt einen festen Platz an der Universität". Und Studienberater Florian Krüpe fügt an: "Es hat auch für die Wahrnehmung von außen, für Firmen und Institutionen einen anderen Charakter, wenn das Projekt zentral aufgehängt wird". Dass Berufsorientierung schon viel länger auch in der allgemeinen Studienberatung einen Platz hat, bestätigt Wenzel Peters. Er arbeitet seit 25 Jahren als Studienberater in der ZAS der Philipps-Universität. Verändert habe sich der Zeitpunkt der Beratung, sagt Krüpe: "Ich habe zunehmend Anfragen von Schülern, und immer öfter kommen Eltern mit ihren Kindern in die Sprechstunde." Krüpe vertritt einen von vier Fachbereichen, die schon bei pro.career mitarbeiten. Neben den Historikern sind Wirtschaftswissenschaftler, Gesellschaftswissenschaftler und Germanisten bisher mit im Boot. Nach und nach sollen immer mehr Fachbereiche mitarbeiten, ohne aber die dezentrale Beratung in den einzelnen Fächern aufzugeben. Auch pro.career bemüht sich um Kontakte zu Firmen und Institutionen außerhalb der Uni. Das allerdings kommt erst nach Abschluss der Konzeptarbeit an die Reihe. Momentan bietet pro.career aus demselben Grund auch noch keine eigene Beratung an. Einen ersten Berufsfeldtag hat das Projekt schon organisiert. Im November 2010 ging es an einem Samstag um das Thema "Studierende und Berufspraktiker im Austausch über Öffentlichkeitsarbeit und Journalismus". Die Bilanz ist gemischt. Die Referenten seien sehr gut angekommen, aber "es hätten mehr Leute kommen können", sagt Schwarz. Aber in den nächsten Semestern spricht sich bestimmt herum, dass pro.career wertvolle Hilfe bieten kann. Mundpropaganda ist bei Studierenden immer noch die beste Werbung. Mehr Infos zum Career Center pro.career gibt es hier.

von Gabriele Neumann

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