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500 Jahre voller Leben

Geschichte 500 Jahre voller Leben

Die Philipps-Universität Marburg blickt auf eine lange Geschichte zurück: 1527 wurde die „Hohe Schule zu Marburg“ vom Hessischen Landgrafen Philipp gegründet. Sie ist Hessens älteste Uni und außerdem die älteste der Welt, die als protestantische Hochschule gegründet wurde.

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Die „Alte Universität" am Rudolphsplatz, Keinzelle der Philipps-Uni: Wo bis zur Reformation Mönche gelebt hatten, schuf der Landgraf Platz für Studenten und Professoren.

Quelle: Thorsten Richter

In ihren Anfangsjahren war die Uni zahlenmäßig noch bescheiden, wenn man sie mit heute vergleicht: Gerade mal 11 Professoren berief Hochschulgründer Philipp, als er die Alma Mater ins Leben rief. Bei 84 Studenten ein Betreuungsverhältnis, von dem man heute nirgends auf der Welt auch nur träumen kann.

So stadtbildbestimmend wie heute war die Universität in den vergangenen Jahrhunderten längst nicht. Im 19. Jahrhundert, als zum Beispiel die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm in Marburg studierten, waren die Studenten im Vergleich zur nicht-akademischen Bevölkerung eine verschwindend kleine Randgruppe. So wurden 1866, als die Stadt rund 8.000 Einwohner hatte, erst 264 Studenten gezählt, die von mittlerweile 51 Professoren unterrichtet wurden. Danach ging es allerdings steil bergauf: Schon 1887 wurde die Tausender-Marke geknackt. 1927 waren es dann schon 3.000 wissbegierige junge Menschen, die in Marburg lernten und lebten. Seit 1908 waren auch Frauen zum Studium zugelassen.

Die Nazizeit verpasste der boomenden Hochschule einen Dämpfer: Das Frauenstudium wurde in ganz Deutschland stark eingeschränkt, jüdische Studenten und Dozenten der Hochschule verwiesen.

Seit den 60er Jahren bricht die Philipps-Universität wieder regelmäßig ihre eigenen Rekorde. Waren es 1964 noch 8.000 Studenten, die sich an der Lahn immatrikuliert hatten, so stieg diese Zahl kontinuierlichen. Heute sind es rund 21.000 Studenten, die sich für die Philipps-Universität entschieden haben.

Ebenfalls in den 60er Jahren wurde der Grundstein dafür gelegt, dass die Uni und auch Marburg als Stadt den Ruf hat, ein besonders „linkes“ Pflaster zu sein. Der marxistische Politikwissenschaftler Wolfgang Abendroth (1906 bis 1985) schuf als Professor am Fachbereich 3 die Grundlagen für eine Ausrichtung, die später auch als „Abendroth-Schule“ bezeichnet wurde. Noch in den 80er Jahren war der Fachbereich Gesellschaftswissenschaften stark von Schülern Abendroths geprägt, die dort inzwischen Professoren waren.

In einigen Fächern genießt die Philipps-Universität großes Renommee: In Rechtswissenschaften, Medizin und Chemie gilt die Ausbildung und Forschung in Marburg als besonders gut.

Die ersten Jahre der Philipps-Universität waren übrigens strenggenommen „illegal“: Landgraf Philipp hatte gar nicht die politische Berechtigung, eine Hochschule zu gründen. Erst 1541 erteilte Kaiser Karl V dem Grafen das Universitätsprivileg.

von Sabine Nagel-Horn

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