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Alternatives Nachtleben

„Wie ein Lagerfeuer in der Oberstadt“

Neue Ideen und Initiativen entstehen nur in großen Städten, denken viele. Doch auch in Marburg sorgen junge Kreative dafür, dass die Stadt ein bunterer und offenerer Ort wird
Etwa drei Veranstaltungen finden im OHM wöchentlich statt  – von Filmabenden über Konzerte bis zu Ausstellungen ist alles dabei.

Etwa drei Veranstaltungen finden im OHM wöchentlich statt – von Filmabenden über Konzerte bis zu Ausstellungen ist alles dabei.

© OHM/facebook

Marburg. Ein regnerischer Tag im März. „Ist das hier zu matschig?“, fragt ein Student in grüner Allwetterjacke seine Freunde, nachdem er testend auf ein feuchtes Stück Erde getreten ist. Die Studenten überlegen hin und her, ob besagtes Stück freie Fläche im Marburger Wald wohl in den nächsten zwei Wochen trocknen werde. In ein paar Wochen soll hier eine kleine Outdoor-Party stattfinden, eine der ersten in diesem Jahr.

Die Studenten kennen sich schon länger. Manche sind gemeinsam nach Marburg gezogen, andere haben sich auf ebensolchen Partys kennengelernt. Gemein ist ihnen der Spaß an der Musik, und den wollen sie mit den anderen Studenten teilen. In den Marburger Sommern sind die Veranstaltungen unter freiem Himmel eine gern gesehene Abwechslung zu den üblichen Partys in den Clubs der Stadt. Dass die Plätze danach wieder aufgeräumt werden, ist für die meisten eine Selbstverständlichkeit. Organisiert werden die Veranstaltungen von sogenannten Kollektiven, die aus freiwilligen, meist studentischen Mitarbeitern bestehen. Sie organisieren alles selbst - und stecken mitunter viel Zeit und Geld in die Veranstaltungen.

Elektrischer Widerstand und indische Mantren

Auch die Gründer vom „Offenen Haus Marburg“ (OHM), Alex, Philipp und Matthias, verstehen sich als Kollektiv. Als Alex, Student der Kulturwissen­schaft und Geographie, von seinem im „Tam Tam“ arbeitenden Mitbewohner erfuhr, dass der Besitzer des Nachbar­hauses einen Mieter suchte, fackelten er und seine Freunde nicht lange und griffen zu. Nach einigen dringend überfälligen Renovierungsarbeiten öffnete das OHM im darauffolgenden Juni seine Pforten.

Ursprünglich sollte ein Studio entstehen, in dem die Jungs an elektronischer Musik basteln konnten. Neben Vernissagen und Konzerten ist die Produktion von Musik eines der Hauptanliegen der OHM-Gründer.

In den ersten Monaten finanzierten die Jungs anfallende Kosten noch aus eigener Tasche. Nach ein paar Monaten und dem Ausstieg von Matthias aus dem Projekt wurde die finanzielle Situation für die beiden verbleibenden Gründer nicht mehr tragbar. Ein offenes Plenum wurde einberufen, um neue Mitstreiter zu gewinnen. Zur Zeit umfasst das Kollektiv sieben Personen, von denen viele neue Ideen mit in die Runde gebracht haben. Diese Offenheit, erklärt Alex, sei ihnen als wesentlich bei der Gründung des OHMs erschienen. Jeder, der Lust und Ideen hat, sollte sich einbringen können.

Dass OHM auch „Offenes Haus Marburg“ bedeutet, sei aber bei der Namensgebung gar nicht bedacht worden. „Zum einen bezeichnet es den elektrischen Widerstand - wir machen ja elektronische Musik. Zum anderen erinnert es an das indische Mantra „Om“ - den göttlichen Klang“, erzählt Alex. Das OHM trägt sich durch seine Veranstaltungen inzwischen finanziell selbst.

Doch es traten neue Probleme zutage: öffentliche Partys sollen in Zukunft im OHM nicht mehr stattfinden dürfen, denn einige Marburger Ämter haben sich eingeschaltet. Für ihre öffentlichen Veranstaltungen hätten die Studenten eine Sondererlaubnis gebraucht. Und auch den etablierten Bars und Kneipen in der Oberstadt ist der liebevoll „wOHMzimmer“ genannte Veranstaltungsort nicht ganz recht. Alex und die anderen bleiben dennoch optimistisch: „Wir befinden uns jetzt in einer Phase des Umbruchs und sind gespannt, wie es weitergeht. In Zukunft werden wir eher kleinere, gemütliche Veranstaltungen organisieren. Etwas, bei dem sich die Leute einfach gerne treffen. Das OHM wäre dann so etwas wie ein Lager­feuer in der Oberstadt.“

von Muriel Kalisch


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