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Vom Gerichtssaal in den Hörsaal

Studienplatzklagen Vom Gerichtssaal in den Hörsaal

Der Traum vom Studium erfüllt sich nicht für jeden. Zulassungsbeschränkungen sorgen dafür, dass das Wunschfach für manchen unerreichbar bleibt. Wer es sich leisten kann, geht dagegen nicht selten gerichtlich vor.

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Die Justitia hat in einigen Fällen einen Anteil daran, dass Marburger Studenten  einen Platz im Hörsaal ergattern.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Wochenlanges Zittern und am Ende enttäuschte Gesichter: Wenn vor Semesterbeginn die Plätze an den Universitäten vergeben werden, geht mancher leer aus, der auf ein Studium gehofft hatte. Das endgültige Ende aller Träume muss dies aber noch nicht sein. Per Eilverfahren kann ein Studienplatz auch erklagt werden –  wenn gewisse Voraussetzungen gegeben sind. Sofern in der Bewerbung keine Formfehler gemacht und die Fristen eingehalten wurden, steht der Klageweg offen.

Neu ist die Option nicht. „Wir machen das in unserer Kanzlei schon seit den Siebziger Jahren. Ich vertrete jeden Tag Menschen, die den Numerus Clausus nicht erreicht haben – darunter sind auch viele Menschen aus Marburg und Umgebung“, sagt Reinhard Karasek von der Kanzlei Karasek, die im Südviertel sitzt. Er schätzt die Anzahl von einklagten Studenten an der Philipps-Universität auf etwa 200 alleine in den medizinischen Fächern, wo die meisten Klagen eingereicht werden. Ein Blick auf die offiziellen Zahlen lässt diese Einschätzung recht realistisch erscheinen. 523 Klagen hat es laut Uni-Pressestelle im Wintersemester 14/15 und im Sommersemester 15 zusammengenommen gegeben, davon waren 32 erfolgreich (22 in der Humanmedizin, 10 in der Zahnmedizin). Längst nicht jede Klage hat also Erfolg.

„Ausbildungsfreiheit ist im Grundgesetz garantiert“

„Die Universitäten machen weniger Fehler bei den Kapazitätsberechnungen, daher ist auch die Zahl der Klagen rückläufig“, berichtet Rechtsanwalt Helmut Gebhardt, der bundesweit Studienbewerber vertritt. Seine Kanzlei in Bamberg wirbt über die Plattform wunschstudium.de mit „mit realistischen und ungeschönten Antworten“ auf die Frage, wie sinnvoll eine Klage tatsächlich ist. „Die Ausbildungsfreiheit ist in unserem Grundgesetz garantiert – zum Teil sechs Jahre auf einen Platz warten zu müssen, ist nicht in Ordnung“, sagt er. Er gesteht jedoch ein: „Die noch vor einigen Jahren sehr erfolgsversprechenden Studienplatzklagen für das erste Fachsemester haben insbesondere in medizinischen Fächern stark an Bedeutung verloren“.

Viele der erfolgreichen Klagen entfallen inzwischen auf Master-Plätze, sagt auch Karasek. Die Erfolgsaussichten sind insgesamt schlechter, als noch vor einigen Jahren. „Zudem sind die Verfahren teurer geworden“, ergänzt er. In der Regel empfehle er zehn Unis zu verklagen, um am Ende einen Platz zu bekommen. „Das Kostenrisiko liegt dann bei etwa 8000 bis 9000 Euro.“ Ob die Klage in individuellen Fällen tatsächlich sinnvoll ist, klärt er daher im Vorfeld in Beratungsgesprächen mit den Uni-Bewerbern ab. „Der persönliche Kontakt mit den Mandanten ist in den letzten Jahren wichtiger geworden“.

von Peter Gassner

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