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Vielfalt ist kaum in Worte zu fassen

Zehn Monate in Teheran Vielfalt ist kaum in Worte zu fassen

Die Marburger Studentin Alina Werner kommt nach ihrem Auslandsaufenthalt zurück. Der OP berichtete die 23-Jährige von ihrer Zeit in Teheran im Iran.

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Alina Werner hat ihr Auslandssemester im Iran verbracht und sich dort „erstaunlich schnell eingelebt“.

Quelle: Privatfoto

Marburg. Der Iran ist ein „sehr anderes“ Land, wie Alina Werner sagt. Die Studentin kehrt nach zehn Monaten in der iranischen Hauptstadt Teheran wieder zurück nach Marburg. „Das ist seltsam, nach so einer langen Zeit. Ich habe mich dort erstaunlich schnell eingelebt“, sagt die Studentin.

Erst einmal gewöhnen musste sich die 23-Jährige allein schon an die schiere Größe der Stadt. Aktuelle Schätzungen gehen von 14 bis 16 Millionen Einwohnern aus. Weil viele Menschen nicht offiziell gemeldet sind, könnten es aber auch deutlich mehr sein. Das ist im Vergleich zu Marburg selbstverständlich riesig, selbst für eine gebürtige Berlinerin. „Die Mentalität der Iraner ist, ganz oberflächlich gesagt, viel wärmer als die in Deutschland“, sagt Werner. Die Menschen seien sehr auf Höflichkeitsformen bedacht, die das sogenannte Taarof festlegt. „Gleichzeitig sind sie aber auch sehr neugierig.“

Zeit im Iran war für sie das „Lohnenswerteste“

Erste Sprachkenntnisse des Persischen hat Alina Werner bereits in Marburg erworben. Den Iran und Persisch wählte sie als Schwerpunkte ihres Studiums der Orientwissenschaften am Centrum für Nah- und Mitteloststudien, jetzt ist sie im sechsten Semester. „Vor Ort kann man die Sprache viel intensiver lernen“, sagt Werner.

Zwar hat ihr Vater iranische Wurzeln, der Beweggrund für ihre Studienwahl war jedoch ein anderer. Die 23-Jährige will damit die inhaltliche Grundlage schaffen, um später als Journalistin zu arbeiten. „Ich bin ohne Kontakt zur Sprache und zum Land aufgewachsen. Erst mit dem Studienaufenthalt habe ich mir den Bezug zu diesem Land aufgebaut“, sagt die Studentin.

Der Alltag an der iranischen Universität habe einen eigenen Rhythmus, der Unterricht sei noch viel frontaler. Den hohen Frauenanteil von bis zu 70 Prozent an mancher Universität erklärt sich Werner damit, dass das iranische Schulsystem sehr auf Fleißarbeit ausgelegt ist. Und viele Männer im Teenageralter möchten diesen Aufwand anscheinend nicht betreiben. Viele iranische Frauen sehen in der Bildung die Chance auf mehr Unabhängigkeit, sagt Werner. „Nach dem Iran-Irak-Krieg war es für Frauen ganz normal zu studieren.“

Für die Familie und Freunde in Deutschland ein großes Thema, für die 23-Jährige „kein großes Ding“: das Kopftuch. „Am Anfang war es etwas ungewohnt. Wenn ich jetzt nach Deutschland zurückkehre, werde ich wohl beim Verlassen der Wohnung an der Garderobe öfters wie selbstverständlich nach meinem Schal greifen“, glaubt Werner. In der Uni müssen Studentinnen die etwas strengere Maghnae tragen. Außerhalb der Uni gehen die Iranerinnen gerne mit der Mode und tragen den Schal etwas lockerer um den Kopf. Hosen müssen jedoch unbedingt über die Knöchel, das Oberteil bis über die Ellbogen reichen und den Hals bedecken. Darüber tragen iranische Frauen häufig den Tschador, einen schwarzen Umhang. „Für uns Ausländerinnen haben die Iraner die Vorschriften nicht ganz so streng ausgelegt.“ Werner wählte einen längeren Mantel, der die Figur nicht betonte. „Aber auch für die Männer gibt es Regeln, etwa dass die Schultern bedeckt und die Hosen lang sein müssen“, berichtet die Studentin.

„Die Vielfalt ist kaum in Worte zu fassen“

Etwas schwerer fällt es ihr, über die politische Situation zu sprechen. „Ich hätte noch viel mehr zu erzählen.“ Weil es keine klaren Grenzen gebe, was man darf und was nicht, versucht sie eine Daumenregel zu befolgen. „Wenn ich darüber nachdenken muss, ob ich etwas sagen darf, dann sage ich es lieber nicht.“

Gelebt hat Werner in Teheran im Wohnheim für ausländische Studenten, gemeinsam mit ihrer Marburger Kommilitonin Clara Gülich. Vier Monate belegte sie einen Sprachkurs, studierte dann ein Semester als Gasthörerin an der Uni. Nach zehn Monaten Aufenthalt sind nur wenige Orte übrig, die sie nicht bereist hat. Die kulturelle und landschaftliche Vielfalt des Iran haben starken Eindruck hinterlassen. „Im Norden hat man das kaspische Meer, im Süden den persischen Golf, dazwischen alle Klimazonen. Die Vielfalt ist kaum in Worte zu fassen.“ Für das Internetportal Studieren weltweit des Deutschen akademischen Austauschdienst (DAAD) berichtete Werner von ihrer Zeit im Iran in einem Blog. Auf ihrem Instagram-Account hielt sie ihre Eindrücke aus Uni-Alltag und Reisen bildlich fest.

In den Iran zu gehen sei das „Lohnenswerteste“, was sie bislang getan habe, fachlich sowie persönlich. „Endlich konnte ich das Land und die Sprache nicht nur durch Bücher kennenlernen, sondern eigene Erfahrungen machen und mir Einschätzungen und Meinungen bilden.“

von Philipp Lauer

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