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Von der Liebe und den Sternen

Privatdozent Dr. Andreas Schrimpf Von der Liebe und den Sternen

Zur Physik ist er gekommen, weil er aus der Rhön stammt. Und an die Physik nach Marburg ist er gekommen, obwohl er aus der Rhön stammt.

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Aus dem Fenster seines Büros hat Andreas Schrimpf die Sternwarte des Fachbereichs immer im Blick.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg . Dass sich Andreas Schrimpf schon früh für Physik interessierte, hat insofern mit dem Landstrich zu tun, in dem der 53-Jährige aufgewachsen ist, als dass sein Interesse dort gefördert wurde: Mit dem Wechsel auf das Gymnasium sei ihm dort die Physik-Sammlung anvertraut worden. Zuvor hatte er es bis in den Landesentscheid von „Jugend forscht“ geschafft, obwohl er eigentlich noch unter der Altersgrenze gewesen sei, erzählt er.
Dass er zum Studieren dann nach Marburg ging, setzt gewissermaßen die physikalischen Gesetze seiner Heimat außer Kraft: „Als Rhöner ist man katholisch und schwarz“, sagt Andreas Schrimpf. Marburg hingegen ist traditionell evangelisch und rot. Eine ungewöhnliche Entscheidung also. Aber was will man gegen die Liebe tun – „ich hatte mich in die Stadt verliebt“, gesteht Schrimpf.
Dass das besondere Flair der Universitätsstadt auch heute noch oft ein Grund für Studenten ist, hierher zu kommen, bekommt er in seiner Tätigkeit in der Studienberatung immer wieder bestätigt. Sie und die Organisation der IT am Fachbereich sind seine Betätigungsfelder neben der Lehre.
Schrimpfs besonderes Steckenpferd ist dabei die Astronomie. Die hatte ihn bereits als Schüler fasziniert. Dennoch spezialisierte er sich im Studium zunächst auf experimentelle Festkörperphysik.
Zwischenzeitlich traf ihn dann ein weiteres entscheidendes Mal die Liebe – die zu seiner Frau nämlich. Mit 24 wurde er Vater von Zwillingen, und mit Kindern und Kegel machte er sich später für ein Jahr auf nach Virginia zu einer Post-Doc-Stelle. Zurück in Marburg und am Fachbereich Physik folgte die Habilitation – und direkt danach erneut eine Neuorientierung, nachdem seine Arbeitsgruppe aufgelöst wurde. „Es war eine Zeit des massiven Stellenabbaus“, erinnert sich Schrimpf.
Damals wurde er am Fachbereich als Mitarbeiter für die Organisation eines Sonderforschungsbereichs und der Datenverarbeitung eingestellt. Lehrveranstaltungen machte er nebenbei weiter. Mit der Astronomie kam er erneut in Kontakt, als er 2002 zum 475-jährigen Uni-Jubiläum damit betraut wurde, die Computer-Steuerung für das Planetarium in der Sternwarte des Fachbereichs auszuarbeiten. „Das war ein Projekt, das mir viel Freude bereitet hat“, sagt Andreas Schrimpf. Und ihn von Neuem für die Astronomie begeisterte. Die Sternwarte, die sich auf dem untersten der Physik-Gebäude am Renthof befindet, darf aus brandschutzrechtlichen Gründen derzeit nicht betreten werden. Deshalb ist Schrimpf mit seinen Studenten in jedem Semester mindestens einmal in der Volkssternwarte in Kirchhain.
In die Unendlichkeit des Himmels zu sehen – das sei für ihn immer wieder etwas ganz Besonderes, schwärmt der Physiker. „Astronomie ist etwas sehr Schönes, das einen plakativen Einstieg in die Naturwissenschaften und in die Physik bietet“, findet Schrimpf. Weil das Gebiet auf großes Interesse stößt, müsse er in der Studienberatung aber auch immer wieder junge Leute enttäuschen: „Man muss mehr als nur Interesse für ein Physik-Studium mitbringen, nämlich zum Beispiel Logik und die Fähigkeit, zu abstrahieren“, sagt der Lehrbeauftragte. Mit der Einrichtung des Bachelors steht der Studiengang jedem Schüler mit einem Fachoberschul-Abschluss offen. „Ohne Leistungskurs Physik und Mathe ist es aber fast aussichtslos“, sagt Andreas Schrimpf.
Die klassische Astrophysik, die zum Beispiel Universitäten wie Heidelberg bieten, gibt es in Marburg nicht. Schrimpf bietet am Fachbereich mit Vorlesungen, Examens- und kleineren Forschungsarbeiten einen Einstieg in die Astronomie.
Den Ausgleich zu seiner Arbeit an der Universität findet Andreas Schrimpf zuhause. Seine Frau sieht er als „perfekte Ergänzung“ für sich: Die diplomierte Erziehungswissenschaftlerin habe „nicht unbedingt seine naturwissenschaftlichen Ambitionen“ – in ihren Lebensphilosophien stimmen die beiden hingegen genau überein.
Unter seiner Frau als „head-gardener“ dürfe er sich als „under-gardener“ betätigen, erzählt Schrimpf schmunzelnd.
Privat wie auch in seinem Beruf ist ihm die persönliche Begegnung mit Menschen wichtig. „Studenten wollen geworben werden“, ist sein Fazit aus seiner Arbeit in der Studienberatung. Das bedeutet für ihn nicht nur, Interessenten das Fach und den Fachbereich schmackhaft zu machen. Sondern auch, auf emotionaler Ebene, wie er sagt, „die Arme aufzumachen“. Auf dass sich noch viele Studenten in Marburg und in die Physik verlieben.

von Nadja Schwarzwäller

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Seit 2009 ist Kerstin Volz Professorin an der Marburger Uni. Ihre Begeisterung für Physik ist ansteckend, ihr Lächeln auch.

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