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Seitter will zu Umwegen ermuntern

Professor Wolfgang Seitter Seitter will zu Umwegen ermuntern

Seit dem laufenden Wintersemester gibt es in Marburg den neuen Studiengang „Blinden- und Sehbehindertenpädagogik“. Wolfgang Seitter ist der geistige Vater des Novums.

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Drinnen Frühlingsblumen, draußen Uni-Bibliothek: Wolfgang Seitter in seinem Büro in der PhilFak.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Normalerweise mahlen die Mühlen der universitären Planung eher gemächlich vor sich hin. Kein Wunder, dass Professor Wolfgang Seitter mit Begeisterung von einer „affenartigen Geschwindigkeit“ spricht, wenn es um den Weiterbildungs-Master „Blinden- und Sehbehinderten-Pädagogik“ geht. Mit selbiger ist dieser Studiengang unter seiner Ägide nämlich in Marburg entwickelt worden: Gerade mal ein Jahr ist von den ersten Gesprächen bis hin zur Einführung zu Beginn des Wintersemesters 2010/2011 vergangen.

In Kooperation mit der Blindenstudienanstalt (Blista) bietet das Institut für Erziehungswissenschaft damit deutschlandweit einmalig eine berufsbegleitende Weiterbildung an, bei der sowohl Dozenten wie auch Studenten gleichermaßen Lehrende und Lernende sind.

Kooperation ist eines der Stichworte, wenn man mit Wolfgang Seitter zu tun hat. Genau wie Kommunikation. Der Austausch mit anderen ist für ihn etwas Existenzielles – seien es seine Kollegen, andere Disziplinen, universitäre Gremien, die Studenten oder seine Frau, ihres Zeichens Archäologin. Mit der sitzt er zuhause gern vor dem Kamin, um sich auszutauschen, verrät der 52-Jährige, der von sich selbst sagt, er sei „Familienmensch“. Auch mit den beiden 13 und 15 Jahre alten Töchtern ist Kommunikation gefragt. Und ob es nun um die Familie geht oder um die Organisation im Fachbereich – „strukturell sind die Probleme dieselben“, erklärt Seitter.

Was seine Studenten angeht, sieht er sich folgerichtig nicht nur mit einem Bildungs-, sondern auch einem Erziehungsauftrag ausgestattet.

Kein Wunder, dass ihn der Bologna-Prozess und die Bestrebungen, Kinder beziehungsweise junge Menschen immer schneller durchs Bildungssystem zu bringen, zweifeln lässt. Dass das Studium stärker verregelt ist, sieht er an sich nicht unbedingt als Nachteil – der größte Anteil der Studenten profitiere davon eher. Aber: „Ich ermuntere meine Studenten durchaus, Umwege zu gehen“, sagt der Pädagoge. Das stärke fürs Leben.

Dass das studentische Leben hier in Marburg ein ganz anderes ist als das, was er zuvor aus Frankfurt kannte, das hat er schnell gemerkt. 2001 kam er an die Philipps-Universität, seit 2007 ist er Dekan des Fachbereichs Erziehungswissenschaften. Der Zusammenhalt unter den Studenten sei hier ein ganz anderer. Und das Studentsein werde sehr stark als Lebensphase und Lebensstil praktiziert.

Er selbst schätzt nach 30 Jahren in der Großstadt die „räumliche Überschaubarkeit“ von Marburg, gesteht er. Und tobt sich in seiner Freizeit rund um das Haus der Familie aus: „Da ist immer irgendwo ein Mäuerchen zu bauen“, so Seitter. Ansonsten ist er eher bestrebt, das Gegenteil zu erreichen und Brücken zu schlagen – auch zwischen universitärer Theorie und der Praxis der Arbeitswelt.

Für die Zukunft sieht er in weiteren Forschungskooperationen großes Potential: „Wir haben viele Ideen und fühlen uns gut gerüstet“. In der Lehre müssen die Erziehungswissenschaften seiner Ansicht nach breit vertreten sein – „weil die Studenten sehr breit gefächerte Interessen haben“, erläutert der Professor.

Was die Forschung angeht, ist das Institut insbesondere in der Beratungs-, der Methoden- und der Evaluationsforschung aktiv: „Bildung im Wandel“ lautet hier das Stichwort. Mit der im Oktober 2010 gestarteten „Leibniz Graduate School für empirische Weiterbildungsforschung“ hat der Fachbereich zusammen mit dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (Leibniz-Zentrum für lebenslanges Lernen) ein sowohl interdisziplinär wie auch international ausgerichtetes Graduiertenprogramm eingeworben.

Das Thema „Organisation und Entwicklung kooperativer Bildungsarrangements“, das bei der Graduate School im Mittelpunkt steht, ist wiederum einer von Wolfgang Seitters persönlichen Schwerpunkten. Mit Fragen „pädagogischer Kommunikation“ hat er sich außerdem ebenso bereits beschäftigt wie mit der „Professionalisierung regionaler Bildungsberatung“. Immer im Blick: den historischen Fokus, den er in seinem Arbeiten hat. Und die Kommunikation, quer vernetzt und nach vorn gerichtet. Beim „lebenslangen Lernen“ eine echte Lebensaufgabe.

von Nadja Schwarzwäller

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