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"Mama, er hat gelasert, nicht gebohrt"

Zahnmedizin "Mama, er hat gelasert, nicht gebohrt"

Weniger Schmerz, mehr Effektivität: Lasertechnik könnte Zahnheilkunde langfristig revolutionieren. Privatdozent Dr. Andreas Braun, leitender Oberarzt in der Abteilung für Zahnerhaltungskunde des Medizinischen Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, erforscht Lasersysteme in der Zahnheilkunde.

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Privatdozent Dr. Andreas Braun erforscht Lasersysteme in der Zahnheilkunde.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Beim Stichwort „Laser“ dürften die meisten an Schwerter und „Star Wars“ denken. Vielleicht auch noch an die Entfernung von tätowierten Seemannsbräuten von Oberarmen oder eine Augenoperation. Aber die Zahnheilkunde? Und ob. Dort ersetzt der Laser inzwischen schon so manchen Bohrer und wird zum Aufspüren von Karies ebenso eingesetzt wie bei der Entfernung von Gewebe. Und Privatdozent Dr. Andreas Braun, seit dem Sommer leitender Oberarzt in der Abteilung für Zahnerhaltungskunde des Medizinischen Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, findet dieses Forschungsgebiet mindestens genauso spannend wie Science-Fiction-Laserschwerter – weil es einen ganz praktischen Nutzen hat.

Schon heute sind Lasersysteme in vielen Zahnarztpraxen eine Selbstverständlichkeit, sowohl in der Diagnostik wie auch der Behandlung. Noch ist allerdings das Problem, dass es eben verschiedene Systeme gibt: Jedes davon kann jeweils nur für eine Sache genutzt werden, erklärt Dr. Braun. Zum Sichtbarmachen von Karies braucht es eine andere Wellenlänge als zum Abtragen von Konkrement. In 50 Jahren hingegen könnte vielleicht ein einziger Laser das einzige Instrument sein, das ein Zahnarzt noch braucht. Bis dahin hat der Mediziner vor allem ein Ziel: „Ich möchte aus meinen Studenten gute Zahnärzte machen“. Und das bedeutet für ihn, den Nachwuchs ohne Druck an die Behandlung von Patienten heranzuführen. Der 42-Jährige ist gerade dabei, verschiedene Forschungsprojekte zu etablieren, zum Beispiel zur „fluoreszenzgesteuerten Karieserkennung und -entfernung“. Mit anderen Worten: Mit Hilfe von Laserlicht werden kariöse Veränderungen auf den Zähnen sowohl entdeckt wie auch beseitigt.

Habilitert hat sich Braun zu Ultraschallanwendungen in der Parodontitistherapie. Ein Aspekt, den jeder mit einem Besuch beim Zahnarzt verbindet, interessiert ihn ebenfalls ganz besonders: der Schmerz. „Dieses Thema wurde lange Zeit relativ stiefmütterlich behandelt“, sagt Braun. Er hat Untersuchungen durchgeführt, bei denen Patienten die Stärke ihrer Schmerzen im Verlauf einer Behandlung einstufen müssen. So könne man eine Behandlungsroutine entwickeln, mit der möglichst wenig Schmerz verursacht wird. Auch deshalb fasziniert ihn die Lasertechnik: Deren Einsatz ist deutlich schmerz-
ärmer als der von Bohrern und Skalpellen.

Nach Marburg gekommen ist Braun von der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn, wo er auch studiert hat. Nach seiner Approbation war er kurzzeitig auch in einer Praxis in Köln tätig – dass er zurück an die Universität gegangen ist, hat er aber nie bereut, sagt er. Dafür findet er sowohl die Forschung wie auch die Lehre zu interessant. So ist irgendwie auch sein alter Berufswunsch, Lehrer zu werden, mit in Erfüllung gegangen. Für seine Auslandsfamulatur hat es ihn kurzzeitig nach Australien verschlagen. Dorthin ist wiederum sein Vorgänger Professor Richard Stoll ausgewandert.

An Marburg gefällt ihm vor allem die Atmosphäre – sowohl die der Stadt als auch die an der Universität. „Ich bin hier mit so viel Freundlichkeit aufgenommen worden, das ist phänomenal“, sagt Andreas Braun. Und attestiert den Mittelhessen entgegen anders lautender Klischees Herzlichkeit und Offenheit.

Braun verbindet gern verschiedene Dinge miteinander. Die Zahnmedizin ist für ihn nach eigener Aussage nämlich das ideale Betätigungsfeld, weil sie sowohl die Heilkunde wie auch moderne Technik beinhaltet.  

von Nadja Schwarzwäller

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