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Ein Meister des Mehrkampfs

Serie "Unsere Profs" Ein Meister des Mehrkampfs

Physik, Wirtschaft, Geographie: Wäre der Mann ein Sportler, hätte er es wohl im Mehrkampf zu Ruhm und Ehre gebracht.

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Auch wenn der Mini-Tischkicker in seinem Büro eher Dekoration ist und fast nie zum Einsatz kommt: Der Professor mag es sportlich.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Professor Dr. Dr. Thomas Brenner promovierte zuerst im Fach Physik, dann in Wirtschaftswissenschaften, und nun hat er eine Professur im Fachbereich Geographie inne.

Wer glaubt, dass diese drei Disziplinen nicht viel miteinander gemein haben, der irrt. Wer – physikalisch – darüber forscht, wie sich ein komplexes System einzelner Teilchen verhält, der ist nicht weit entfernt von der – wirtschaftsgeographischen – Frage, welche Faktoren vonnöten sind, damit das komplexe Gefüge einer Region sich wirtschaftlich entwickelt. Das ist nämlich, grob gesagt, die Frage, mit der sich Professor Thomas Brenner am Marburger Institut für Geographie beschäftigt.

Für Sport interessiert sich der wissenschaftliche „Mehrkämpfer“ nebenbei tatsächlich auch. Nicht nur, dass er einen Tischkicker in Miniaturformat in seinem Büro stehen hat; er würde auch gerne einmal untersuchen, ob die Produktivität des Fußballfans zu Beginn der Woche vom Abschneiden „seines“ Clubs beeinflusst wird.

Spätestens an dieser Stelle dürfte klar sein: Thomas Brenner kommt nicht aus Marburg. Er kommt aus Stuttgart, und dort hat er außerhalb der Arbeit auch immer noch seinen Lebensmittelpunkt. Freunde und Familie leben in Schwaben, und so pendelt der 43-Jährige allwöchentlich zwischen Marburg und dem „Ländle“.

Dass es ihn nach seinem Physikstudium in die Wirtschaftswissenschaften zog, erklärt Brenner mit seinem Wunsch, etwas Greifbares und Menschenbezogenes zu untersuchen.

Um das Verhalten von „Teilchen“ in einer „Masse“ geht es auch beim Konsumverhalten von Menschen oder bei konjunkturellen Fragestellungen. Das Gebiet der Wirtschaftsgeographie sei spannend und beschäftige sich auch mit politischen Inhalten.

Die Regionalpolitik hat nach Brenners Einschätzung in den vergangenen Jahren wieder stark an Bedeutung gewonnen. Brenner war beim „Spitzencluster-Wettbewerb“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Experten-Meeting dabei, und er berät die Bundesregierung im Hinblick auf Förderprogramme.

Wie kommt es, dass sich in bestimmten Regionen bestimmte Branchen sammeln? Was kann man tun, um Innovationsprozesse zu verbessern? Welche Voraussetzungen sind nötig, damit Netzwerke langfristig funktionieren? Mit solchen Fragen beschäftigt sich Brenner. Was ihn daran begeistert, ist der klare praktische Bezug. Auch wenn ihn die Physik zunächst gelockt hatte – er wollte nicht mit „drei Quarks gegeneinander“ experimentieren, sondern lieber mit Menschen zu tun haben.

Jetzt arbeitet er in einem Bereich, wo neben Geographie und Ökonomie auch Psychologie eine Rolle spielt. Was die Region Marburg-Biedenkopf angeht, arbeitet Professor Brenner beispielsweise an einem Projekt des Vereins „MitteHessen“ mit, bei dem es darum geht, Hochschulabsolventen in der Region zu halten. In Marburg gibt es, so die Feststellung von Brenner, zum Beispiel bei den Pharmazeuten einen „Clash“ zwischen der universitären Ausbildung und dem Arbeitsmarkt. Der Fachbereich ist einer der größten in Deutschland, unter den Beschäftigten in der Pharmaziebranche vor Ort seien aber nur wenige Absolventen der Marburger Universität.

In seiner Freizeit spielt Brenner gern mit Freunden Strategiespiele wie die „Siedler“. Ein ähnliches Konzept hat er auch für einige seiner Studenten ausgearbeitet: In einem Seminar mit dem klangvollen Namen „Innopoli“ dürfen sich die Teilnehmer als Strategen mit Hang zur Weltherrschaft erproben.„Politik in regionalen Innovationsystemen“ ist das Thema. Fiktive Länder, die in verschiedene Regionen unterteilt sind und für die jeweils sieben Branchen zur Verfügung stehen, wollen nach vorn gebracht werden. Am Ende steht die Auswertung der Aktionen.

von Nadja Schwarzwäller

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