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Ein Mediziner mit Herz und „House“

Professor Jürgen Schäfer Ein Mediziner mit Herz und „House“

Ein bisschen geht es ihm wie dem berühmten Zauberlehrling und den Geistern, die er rief: „Dr. House“ wird er wohl für den Rest seines Lebens nicht mehr los.

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Der Kardiologe Professor Jürgen Schäfer hat ein Herz für ungewöhnliche Lehrmethoden.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Aber damit kann Professor Dr. Jürgen Schäfer leben – wenn das ganze seinen Zweck erfüllt, nämlich Studenten für die Medizin zu begeistern und in die Hörsäle zu locken. 2007 kam der Kardiologe auf die Idee, kurze Sequenzen aus der amerikanischen Krankenhaus-Serie „Dr. House“ in seine Vorlesungen zu integrieren, nachdem er mit seiner Frau Isabel – als Gastroenterologin ebenfalls vom Fach – über die medizinischen Inhalte zu diskutieren und nachzurecherchieren begonnen hatte. Prompt wurde die Serie auch zum Gesprächsthema unter seinen Studenten und Jürgen Schäfer arbeitete seine Idee zu einem kompletten Seminar aus: „Dr. House revisited“. Die entscheidende Frage dabei: „Hätten wir den Patienten auch in Marburg geheilt?“. Und der entscheidende Warnhinweis: „Die durchgeknallte Persönlichkeit von Dr. House entspricht in keiner Weise dem Arztbild der Philipps-Universität“.

Der exzentrische Serienheld ist für Jürgen Schäfer „menschlich unter aller Kanone, aber fachlich brillant“. Deshalb würde er sich im Zweifelsfall auch lieber von einem Dr. House behandeln lassen, als von einem der „Bettkantensitzer“, wie es ein Professor Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik“ gewesen ist.

House und sein Team diskutieren den jeweiligen Fall, stellen Arbeitshypothesen auf und verwerfen sie aufgrund neuer Informationen wieder. Dieses „liberale Denken“ und das Hinterfragen von Diagnosen würde Schäfer gern öfter in der Medizin sehen. Das will er seinen Studenten beibringen.

„Dr. House ist ein prima Türöffner“, findet Jürgen Schäfer. Mehr allerdings auch nicht: „Ich will nicht, dass das als isolierte Spinnerei betrachtet wird, sondern als Ansatz, Wissen unterhaltsam zu vermitteln“. Das Bemühen um eine Verbesserung der Medizinerausbildung möchte er anerkannt wissen und nicht sich und seine Arbeit auf Dr. House reduziert sehen. Die Beschäftigung mit dem humpelnden Zyniker ist für ihn Teil eines Lehrkonzepts, das Videoclips und moderne Medien in die Lehre einzubinden versucht. Wie gut das bei den Studenten ankommt, lässt sich allein an der Tatsache ablesen, dass bis zu hundert von ihnen auf die Lahnberge kamen, obwohl der Termin der ersten Seminar-Reihe der frühe Samstag Morgen gewesen ist. Zwischenzeitlich waren darunter aber fast mehr Reporter als angehende Mediziner, scherzt Schäfer: Das ungewöhnliche Seminar hatte dem Professor unverhofft ein riesiges Medieninteresse beschert. Den Rummel sieht er inzwischen gelassen und Auszeichnungen wie der „Ars Legendi Preis für Exzellenz in der Lehre“ vom Medizinischen Fakultätentag im vergangenen Jahr freuen ihn sehr. In diesem Jahr ist er zur Jahrestagung des Bundesverbandes Deutscher Medizinstudenten eingeladen. Thema seiner Rede: Das Medizinstudium muss nicht Spaß machen – kann aber.

Er selbst hatte zunächst anderthalb Jahre Biochemie in Tübingen studiert, bevor er Spaß an der Medizin fand und an die Marburger Universität wechselte. Nach dem zweiten Staatsexamen ging er nach Frankfurt und nach einem kurzen Zwischenstopp am Herz-Kreislauf-Zentrum in Rothenburg folgten vier Jahre am National Institutes of Health (NIH) in den USA – dem „El Dorado der Medizinforschung“, wie Schäfer sagt. 1990 kam er zurück nach Marburg und arbeitete zunächst in der Hormon- und Stoffwechselforschung. 1994 folgte dann der Wechsel in die Kardiologie, wo er seit sechs Jahren die Dr. Reinfried Pohl-Stiftungsprofessur für Präventive Kardiologie innehat. Was er an Marburg schätzt, das sind die Menschen und das besondere Flair der Stadt ebenso wie die familiäre Atmosphäre der Universität: „Ich würde hier nicht mehr weg wollen – auch wenn in Süddeutschland das Wetter besser ist. Marburg hat was, Marburg hat Pep“. „Bunt und lebendig“ sind zwei Stichworte, die ebenso in Bezug auf seinen Wohnort fallen wie auch hinsichtlich seines Berufs. „Die Medizin ist das spannendste Fach in den Naturwissenschaften, weil es alles Wichtige zusammenbringt und direkt angewandt wird“, erklärt Schäfer. Kein anderer Beruf sei derart bunt und vielschichtig: Schäfer selbst ist Internist mit den Schwerpunkten Endokrinologie und Diabetologie sowie Intensivmedizin und Kardiologie.

In seiner Freizeit ist der 55-Jährige gern mit Hund und Familie, als Wanderer oder mit dem Fahrrad unterwegs. Mit der Familie – Ehefrau Isabel und den beiden 10 und 13 Jahre alten Kindern Felix und Manuela – hat er ein Gefährt für sich entdeckt, auf dem schon der nächste Urlaub geplant ist, ein Hausboot.

von Nadja Schwarzwäller

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