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Diese Wissenschaft erklärt die Welt

Professorin Evelyn Korn Diese Wissenschaft erklärt die Welt

Was haben die Wirtschaftswissenschaften mit der Liebe zu tun? Eine ganze Menge, weiß Professorin Evelyn Korn.

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Professorin Evelyn Korn, 41, lehrt Mikroökonomie an der Philipps-Universität Marburg. Was sie auf dem Bild in den Händen hält, ist das Drahtmodell eines „Nutzengebirges", mit dem sich wirtschaftliche Entscheidungen und ihre Auswirkungen veranschaulichen lassen.

Quelle: Sabine Nagel-Horn

Marburg. Der Lehrstuhl, den Evelyn Korn seit gut sechs Jahren innehat, heißt „Mikroökonomie“. Wer glaubt, das müsse ein staubtrockenes und lebensfernes Fach sein, der kann sich im Gespräch mit der lebhaften und charmanten Professorin innerhalb weniger Minuten vom Gegenteil überzeugen lassen und dabei gleich einen populären Irrtum über Bord werfen.

Denn in den Wirtschaftswissenschaften, da geht es doch immer nur um Geld, denken die meisten Fachfremden. „Ökonomie ist der Umgang mit knappen Ressourcen“, sagt Evelyn Korn. „Zeit, Zuwendung, Liebe: Das alles sind in gewisser Weise auch knappe Ressourcen.“ Wie diese Ressourcen im Privaten verwaltet und eingesetzt werden, das untersucht sie in ihrem Spezialgebiet, der Familienökonomie.

Die Familienökonomie ist ein anschauliches Beispiel dafür, worum es in der Mikroökonomie geht: um die Entscheidungen auf der untersten, kleinteiligsten Ebene der Wirtschaft. Das können die Familien sein, die Haushalte, „es kann aber auch der Jugendliche sein, der sich überlegen muss, wofür er sein Taschengeld ausgibt und mit welchen Prioritäten er dabei am glücklichsten wird“, erläutert die 41-Jährige. Als Mutter eines neunjährigen Sohnes ist sie auch privat mit dem Thema Taschengeld vertraut.

Überhaupt versucht Evelyn Korn, die Studenten auch von ihren privaten Erfahrungen profitieren zu lassen. Vor allem, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Karriere geht: „Mein Sohn ist mental oft mit im Hörsaal“, sagt sie. Will heißen: Nach einer durchwachten Nacht mit fieberndem Kind erzählt sie ihren Zuhörern in der Vorlesung durchaus, warum sie mit tiefen Augenringen vor ihnen steht. „Gerade für die jungen Frauen ist es wichtig zu zeigen, dass man beides miteinander vereinbaren kann. Sie sollen erfahren, dass es zwar manchmal schwierig und anstrengend ist, aber dass es geht.“

Um die Anstrengungen möglichst gering zu halten, wohnt die Professorin nur ein paar Schritte von ihrem Institut entfernt. So kann sie abends, wenn im Kinderzimmer Ruhe eingekehrt ist, noch einmal an den Schreibtisch zurückkehren, zur „dritten Halbzeit“, wie sie das scherzhaft nennt. Denn zu tun hat sie eine ganze Menge: Neben Forschung und Lehre betreut sie auch die Partnerschaften der Philipps-Universität mit den russischen Hochschulen in Moskau und St. Petersburg. Vor zwei Jahren fing sie deshalb an, an der Uni Russisch zu lernen, zusammen mit ganz normalen Studenten. Den Ausschlag für den Sprachunterricht gab ein Verdacht, den Evelyn Korn hegte: dass die Dolmetscher bei ihren Russland-Reisen nicht immer das übersetzten, was sie gesagt hatte. Ein Eindruck, der sich übrigens mit den fortschreitenden Erfolgen im Russisch-Unterricht bestätigte.

Evelyn Korns wissenschaftliche Laufbahn begann in gewisser Weise schon am Gymnasium in ihrer Heimatstadt Hamm. Dort belegte sie Mathematik und Physik als Leistungskurse und interessierte sich außerdem im Sozialwissenschafts-Unterricht schon sehr für wirtschaftliche Themen. „Aber ich hatte keine Lust, die Leute aus meinem SoWi-Kurs an der Uni wiederzutreffen. Deshalb habe ich mich entschlossen, Mathe zu studieren“, erzählt sie. Während des Studiums in Dortmund traf sie dann auf die Mikroökonomie: „Ich saß in dieser Vorlesung und dachte immer nur: ,Toll, der Prof erklärt mir hier die ganze Welt. Und alles ist so wahr!‘ Also ging ich zum Ende meines Studiums zu ihm und fragte ihn, ob ich bei ihm promovieren könne.“

So kam es, dass die studierte Mathematikerin Korn ihren Doktor in Wirtschaftswissenschaften machte. „Zur Entstehung und Organisation der Familie“ hieß die Arbeit.

Nächste wissenschaftliche Station war die Uni Tübingen, wo sich die Doktorin – wie ihr Mann, ebenfalls Wirtschaftswissenschaftler, allerdings damals in Mannheim – habilitierte. 2004 folgte dann der Ruf nach Marburg.

In Marburg hat Korn dem Wirtschaftswissenschafts-Studium seither ihren ganz eigenen Stempel aufgedrückt, zum Beispiel, indem sie die „Eco Skills“ ins Leben rief, eine Möglichkeit für die Studenten, sich über das Fachliche hinaus zu orientieren: mit Kursen zur Selbstreflexion, zu Rhetorik und Präsentation, Life-Work-Balance oder auch Stressmanagement. „Zu meiner Zeit konnte man während des Studiums erwachsen werden“, sagt Korn. Diese Möglichkeit wolle sie ihren Studenten trotz aller Einschränkungen durch Bologna-Prozess und Leistungsdruck auch geben. Ob und in welchem Umfang der einzelne Student dieses Angebot wahrnimmt: Das ist dann wahrscheinlich schon wieder eine Frage für die Mikroökonomie.

von Sabine Nagel-Horn

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