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Der erste „Master“ der Medientechnik

Heinrich Wack Der erste „Master“ der Medientechnik

Wie man die Kamera hält und wie man den Ton auspegelt, was einen guten Weißabgleich ausmacht und welche Szenen man im Video aneinander schneiden darf: All das 
lernen Studenten bei Heinrich Wack.

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Der Mann am Mischpult ist Heinrich Wack. In seinen Lehrveranstaltungen steht die Praxis im Mittelpunkt.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Seit 1989 ist er der „Master“ der Medientechnik – kein akademischer Grad, wohlgemerkt. Lange bevor man in Marburg an selbigen gedacht hat, war er nämlich schon da: Heinrich Wack. Als „technischer Betriebsleiter des Fachbereichs 09“ ist sein Job offiziell und theoretisch betitelt. Praktisch ist der ausgebildete Handwerker und Techniker der Mann für die Praxis in der Medienwissenschafler-Ausbildung. Und das war er bereits in Zeiten, als die Medienwissenschaften kein eigenes Hauptfach waren und keine praktischen Anteile im Studium vorschrieben.

Ein „richtiger Eingeborener“ ist er nach eigener Aussage: 1958 in Oberasphe zur Welt gekommen und in Battenberg und Kirchhain zur Schule gegangen. Dass er an der Marburger Universität gelandet ist, hat er gewissermaßen dem Anblick der Phil-Fak-Türme zu verdanken, wie er erzählt: An denen ist er nämlich in den 1980er Jahren jeden Tag vorbei gefahren, um zu seinem damaligen Job bei einer Kommunikationsfirma im Gießener Raum zu pendeln. Nach sechs Jahren habe er sich gedacht: „Hier rast Du jeden Tag vorbei, hier könntest Du doch auch arbeiten“.

Konnte er. Und hat es bis heute nicht eine Sekunde bereut, bestätigt er ohne zu zögern.

Heinrich Wack ist gelernter Radio- und Fernsehtechniker – „ich hab ganz klein angefangen“, sagt er. Sein Chef bei „Radio Strecker“ war Jazzmusiker und habe ihn und die Kollegen in jeder Mittagspause mit Hörproben „malträtiert“. Danach folgten ein Studium der Elektrotechnik an der Fachhochschule Siegen und die Meisterprüfung als Informationselektroniker.

Als er 1989 an die Uni kam, sei das eine spannende Zeit gewesen: Der Deutsche Sprachatlas war damit beschäftigt, Dialekte aufzunehmen, und über mehrere Jahre ist Wack für die Aufnahmen durch die Republik gereist. Seit dieser Zeit kennt er die fünf neuen Bundesländer besser als das alte Westdeutschland, und dorthin bestehen bis heute Kontakte, zum Beispiel zum Motorradverein Zittau.

Motorrad fahren ist eine Leidenschaft von Heinrich Wack. „Früher bin ich auch Motocross mit Seitenwagen gefahren“, erzählt er. Jetzt gehört die Freizeit vor allem der Familie. Die ältere Tochter ist inzwischen fast mit ihrem Studium fertig, die jüngere gerade zehn Jahre alt. Und das Thema Pendeln beschäftigt die Familie weiterhin: Inzwischen ist es seine Frau, die seit Jahren für ihren Job drei Tage die Woche in Paderborn verbringt.

Das Schwedenhäuschen in Michelbach ist Heinrich Wacks Rückzugsgebiet. Wo es auch immer etwas zu tun, zu schrauben und zu basteln gibt, sieht er seine Aufgabe – eben ein Handwerker.

In den Medienwissenschaften ist Wack als Dozent für Video- und Audio-Übungen zuständig. „Früher wurde die Praxis belächelt und eher geduldet, heute sind entsprechende Anteile im Studium vorgeschrieben“, sagt er.

Viele ehemalige Studenten erinnern sich an seine Veranstaltungen als die „Rosinen“ in ihrem Marburger Kuchen. Im vergangenen Semester hat er mit einer Gruppe zum Beispiel die Geschichte „Watership Down“ als Hörspiel umgesetzt, gemeinsam mit der damaligen Klasse 3b der Marburger Brüder Grimm-Schule. Alles von der Textfassung bis hin zum Book‑let haben die Studenten selbst gemacht. „So etwas Großes läuft natürlich nicht jedes Semester“, erklärt Wack.

Aber so etwas Großes macht natürlich besonders großen Spaß. Und wird wie in diesem Fall auch noch besonders belohnt: Das Endprodukt wird beim Berliner Hörspielfestival laufen.

Weitere Projekte sind zum Beispiel „Studi-WISO“-Videos, die Studenten nach dem Vorbild der gleichnamigen Fernsehsendung gedreht haben oder Beiträge, in denen die Medienwissenschaftler Unterrichtsinhalte für das Fach „Deutsch als Fremdsprache“ filmisch umsetzen.

Darüber hinaus betreut Heinrich Wack auch Bachelor- und Masterarbeiten und sitzt mit seinen Studenten am Mischpult oder am Schneidetisch – der längst ein Computer ist. „Jeder kann heute erschwinglich professionell arbeiten. Ganze Studios haben die Größe einer Zigarettenschachtel“, sagt der Techniker.

Aber letztlich fotografiere man immer noch, und die Physik sei dieselbe wie ehedem. „Was das Bild ausmacht, das ist seit den Brüdern Lumière gleich geblieben“. Das, was ein Bild ausmacht und das, was an Technik dahinter steckt – für beides begeistert er sich ebenso wie seine Studenten. Den Phil-Fak-Türmen sei Dank.

von Nadja Schwarzwäller

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