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16:08 16.02.2012
Oberst a.D. Wilhelm Hundsdörfer ist als angehender Archäologe oft mit GPS unterwegs.  Quelle: Gabriele Neumann

Niederwald. Wilhelm Hundsdörfer denkt über seine Abschlussarbeit nach. „Ich habe schon ein Thema, aber ich weiß noch nicht genau, ob das nicht zu ausufernd ist“, sagt der BA-Student. Bei einem Praktikum in Finnland fand Hundsdörfer nämlich im Sommer einen so genannten Schalenstein, einen großen Findling mit zehn schalenartigen Vertiefungen in einer Doppelreihe. Solche Funde gibt es in Finnland nur etwa zweimal im Jahr, was Hundsdörfer schon vor seinem Studienabschluss akademische Ehren einbrachte. Der Stein wurde nach ihm benannt und heißt jetzt „Wiltsunkivi“ (Wilhelmstein).

Und Hundsdörfer wurde von der Universität Turku als erster Nichtabsolvent wegen besonderer Verdienste um die Finnische Archäologie ehrenhalber in die Alumni-Abteilung der Archäologen aufgenommen. „Ich war zur rechten Zeit am rechten Ort – und ein bisschen Glück war auch dabei“, erklärt der angehende Archäologe den Fund.

Dabei wäre der gebürtige Marburger Hundsdörfer auf wissenschaftliche Meriten nicht angewiesen. Oberst a.D. Hundsdörfer hat schon eine außergewöhnliche militärische Laufbahn abgeschlossen. Sie begann 1971 beim Fernmeldebataillon 2 in Marburg und endete mit der Position des Ersten Kommandeurs des Landeskommandos Hessen 2009 in Wiesbaden. Das 2006 neu geschaffene Landeskommando berät die Landesregierung bei der militärisch-zivilen Zusammenarbeit, etwa bei Naturkatastrophen oder schweren Unglücksfällen.

Sich auf seinen Lorbeeren, unter anderem dem Bundesverdienstkreuz, ausruhen, das wollte Hundsdörfer nach seinem Ruhestand 2009 nicht.

„Ich bin im Schatten des Biedenkopfer Schlosses aufgewachsen; Sagen und Ritter faszinierten mich“, erzählt der Vater zweier erwachsener Töchter und Großvater von vier Enkeltöchtern. Beruflich schlug der gelernte Wetterdiensttechniker aber eine andere Laufbahn ein. Eine Laufbahn, die ihm den Wechsel zur Routine werden ließ, das Kennenlernen neuer Dinge zum Alltag machte und mehr als 15 Umzüge in Deutschland, Belgien und Frankreich mit sich brachte.

Das Neue am Studium schreckte ihn deshalb nicht. Referate? Routine. „Als Generalstabsoffizier gehörte es zu meinen Aufgaben, komplexe Sachverhalte verständlich zu präsentieren“, sagt er. Seine Kommilitonen haben sich an den ungewöhnlichen Mitstudenten gewöhnt. „Am Anfang haben mir schon manchmal Leute die Tür aufgehalten, weil sie dachten, ich sei der Dozent“, erklärt Hundsdörfer lachend. „Ich versuche, dem Rededruck zu widerstehen, den ältere Menschen haben, und ich habe immer gesagt, dass ich sofort Platz für Jüngere mache, wenn ein Seminar zu voll ist“, erläutert er seinen Weg durchs Studium. Nach dem Bachelor ist aber wahrscheinlich Schluss an der Uni, denn: „Der Bologna-Prozess hat nicht das gehalten, was meine Töchter mir über die Freiheiten im Studium versprochen hatten.“

Bis zum Sommer wird der Student Hundsdörfer auf jeden Fall noch in Niederwald wohnen, seine Enkelkinder haben sich schon für die Ferien angekündigt. Dann kommt vielleicht wieder ein Wechsel, wohin, ist noch offen. „Meine Tochter in Paris will, dass ich nach Paris komme, meine Tochter in Bonn möchte, dass ich dorthin komme“, und vielleicht geht es auch nach Finnland. Und vielleicht bleibt er auch in Niederwald. Freunde und Verwandte sollten in diesem Zusammenhang vermehrt auf Hunde und Katzen achten. Denn „wenn sicher ist, wo ich bleibe, dann kommen Tiere ins Haus“, sagt Wilhelm Hundsdörfer.

von Gabriele Neumann