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Das Verschwinden als ein politisches Phänomen

Wilfried von Bredow Das Verschwinden als ein politisches Phänomen

Der Politikwissenschaftler Professor Wilfried von Bredow hielt in der Alten Aula der Marburger Universität seine Abschiedsvorlesung zum Thema „Vom Verschwinden“.

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Mit einem Lächeln auf den Lippen hat sich Professor Wilfried von Bredow von der Uni Marburg verabschiedet.

Quelle: Hitzeroth

Marburg. Er war einer der dienstältesten Professoren der Marburger Universität: Von 1972 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2009 hatte der Politikwissenschaftler Professor Wilfried von Bredow den Lehrstuhl für Internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaften inne.

Die wichtigsten Forschungsschwerpunkte Bredows waren der Ost-West-Konflikt sowie die Analyse der militärischen Gewalt als Mittel zur Lösung von Konflikten, erläuterte Professorin Maria Funder, die Dekanin des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften und Philosophie.

Als jahrelanger Weggefährte Bredows ließ es sich Professor Thomas Noetzel nicht nehmen, vor mehr als 500 Zuhörern in der Alten Aula eine Lobrede auf den Kollegen zu halten. Als besondere Qualitäten Bredows nannte Noetzel dessen Fähigkeiten zum Verfassen von gut lesbaren wissenschaftlichen Texten und seinen ausgeprägten Sinn für die Zwänge praktischen politischen Handelns.

Bereits seit mehreren Monaten lehrt Bredow nicht mehr an der Philipps-Universität. Doch der Pensionär bleibt nicht untätig, sondern bereitet weitere Gastdozenturen an Universitäten in Kanada und Taiwan vor.

Bewusst wollte Bredow seine Marburger Abschiedsvorlesung „Vom Verschwinden“ nicht als einen von traurigen Abschiedsgedanken und persönlicher Nostalgie geprägten Vortrag anlegen. Nach der Gründung des Bundesrepublik wurden dem Deutschen Roten Kreuz rund 2,5 Millionen Soldaten, Zivilisten und Kinder als vermisst gemeldet. Das Entführen, Foltern und Töten von Regimegegnern wurde seit den 1960er Jahren vor allem in südamerikanischen Militärdiktaturen praktiziert. „Niemand erfuhr etwas vom Verbleib dieser Menschen. Sie waren verschwunden“, bilanzierte Bredow.

Immerhin gebe es ein wenig Hoffnung, denn im Römischen Statut des Internationalen Strafgerichtshofes von 2002 sei das Verschwindenlassen von Menschen in den Katalog der Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingeordnet.

von Manfred Hitzeroth

Mehr lesen Sie am Dienstag in der Printausgabe der OP.

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