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Wenn Schule und Uni verschmelzen

Lehrer an der Hochschule Wenn Schule und Uni verschmelzen

"Zurück an die Uni" heißt es seit diesem Semester für einige Lehrer. Das Ziel: Studenten besser auszubilden und gleichzeitig den Unterricht für Schüler zeitgemäß zu gestalten.

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Lehrer an der Elisabethschule und Dozent an der Philipps-Universität: Jan Joeres.

Quelle: Andreas Arlt

Marburg. Jan Joeres geht seit dem Wintersemester 2012/13 wieder zur Uni. Nicht als Student, denn Joeres ist bereits Lehrer und das auch mit ganzer Leidenschaft. Aber als Dozent - neben seiner Tätigkeit an der Elisabethschule in Marburg. „Es ist ein spannendes Projekt. Deshalb habe ich mich damals auf die Stelle beworben“, sagte der Schulsportleiter.

Fast 12 Millionen Euro an Fördermitteln hat die Philipps-Universität im Rahmen des von Bund und Ländern geförderten „Qualitätspakts Lehre“ erhalten. Sieben Projekte in den Feldern Beratung, Betreuung und Lehre werden damit bis 2016 realisiert. „Wir haben in elf Fachbereichen und 18 Instituten in Marburg Stellen für Lehrer geschaffen, um den Übergang von Studenten zwischen Schule und Hochschule zu verbessern“, berichtete Martin Lüdecke, Geschäftsführer für die universitäre Lehrerbildung in Marburg. In der Regel werden so 34 Lehrer in Teilzeit neben dem Unterricht an Schulen auch als Dozenten in Seminaren an der Universität eingesetzt, „in allen Bereichen und nicht nur in der Lehrerausbildung“, wie Lüdecke betonte.

So soll die Qualität der Lehre gesichert und verbessert werden - und das bisher mit Erfolg, wie Dozenten und Studenten berichten. Von „gute Erfahrungen und Beispiele für und aus dem Schulalltag“, „macht Spaß, obwohl recht anstrengend“ oder „gutes Fachwissen des Dozenten“ reichen die Reaktionen auf den Kurs „Bewegung im Wasser“, den Joeres neben einem weiteren Kurs für Lehramtsstudenten anbietet. „Die Teilnehmer sind froh, dass ihnen jemand aus der Praxis heraus Fragen beantworten kann und Erfahrungen aus dem Schulalltag mitbringt“, sagte Joeres.

Denn das ist eines der Hauptziele des Projekts: Praxisorientiert angehende Lehrer auf ihren zukünftigen Beruf vorzubereiten. Und das möglichst früh, um die Studierenden, die teilweise erst frisch das Abitur bestanden haben, den Übergang auf die „andere Seite“ möglichst fließend zu ermöglichen. „Das ist vor allem auch wichtig, um möglichst zu vermeiden, dass Studenten den Studiengang oder -ort wechseln“, sagte Lüdecke. Denn wer frühzeitig - möglichst schon vor dem Studium, was auch durch eine ausführliche Internetpräsenz mit Informationen über alle Studiengänge der Philipps-Universität realisiert werden soll - alle Facetten des späteren Berufs kennenlernt, dem sei auch stärker bewusst, was ihn nach der Abschlussprüfung erwarte, so die Zielsetzung.

Darüber hinaus erhoffen die Beteiligten aber auch, dass es eine Rückkopplung von der Universität in die Schulen gebe - und sehen sich darin nach den ersten Erfahrungen bestätigt. „Es gibt vor allem in den vergangenen Jahren neue Tendenzen, wie der Schulunterricht gestaltet wird. Durch die stärkere Vernetzung von Schule und Universität gibt es einen fachdidaktischen Diskurs, der dann auch direkt in Unterrichtsplänen umgesetzt werden kann.“

Ein weiterer positiver Effekt: Die Lehrer, die zeitweise auch an der Hochschule unterrichten und sich in Gremien über ihre Erfahrungen austauschen, würden damit einen wichtigen Impuls für die eigene fachliche Qualifikation bekommen, sagte Joeres, der in zwei Kursen pro Woche jeweils mit 20 Studenten zusammenarbeitet. „Wir profitieren als Lehrer und als Schule davon, dass wir so direkt den universitären Diskurs zum Beispiel über Lehr- und Lernmethoden oder aktuelles Fachwissen mitbekommen, mitdiskutieren und auch direkt umsetzen können.“

Hintergrund

Für den „Qualitätspakt Lehre“ stellt der Bund im Zeitraum von 2011 bis 2020 insgesamt rund zwei Milliarden Euro zur Verfügung. Für die zweite Bewilligungsrunde waren aus 135 eingereichten Anträgen 72 Anträge zur Förderung ausgewählt worden, darunter 60 Einzelanträge und 12 Verbundanträge mehrerer Hochschulen. Unter den 102 zur Förderung vorgesehenen Hochschulen sind 40 Universitäten, 43 Fachhochschulen und 19 Kunst- und Musikhochschulen aus allen Regionen Deutschlands.

von Andreas Arlt

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