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Studie erforscht „Zappelphilipp“-Risiko

Studie erforscht „Zappelphilipp“-Risiko

Ein paar „Risiko“-Kinder fehlen noch. Dann kann die Studie zur Entwicklung von Kleinkindern mit erhöhtem ADHS-Risiko abgeschlossen werden.

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Tanja Mingebach führt die Tests mit den Kindern durch. Dabei kommen auch Handpuppen zum Einsatz.

Quelle: Gabriele Neumann

Marburg. Ganz eindeutig formuliert Professor Katja Becker das Ziel der Studie: „Wir wollen frühzeitig typische Probleme für ein späteres ADHS erkennen mit dem Ziel, durch gezielte Förderungen das Risiko der Entwicklung der Störung zu vermindern.“

Hinter der Abkürzung ADHS verbirgt sich der Fachbegriff Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung, im Volksmund auch Zappelphilipp-Syndrom genannt. Die betroffenen Kinder können sich oft nur schwer konzentrieren, lassen sich leicht ablenken, sind sehr impulsiv und haben dabei einen starken, unbeherrschbaren Bewegungsdrang.

Die Folge: Sie haben massive Probleme in der Schule und in der Familie und sie finden nur schwer Freunde.

Sicher diagnostiziert werden kann ADHS erst bei Kindern im Alter von 6 bis 7 Jahren. Der Übergang in die Grundschule stellt für Kinder mit ADHS eine enorme Hürde dar. Längere Zeit stillsitzen, warten, bis man an der Reihe ist und die eigenen Impulse kontrollieren, das sind für Kinder mit ADHS Aufgaben, die kaum zu bewältigen sind.

Die Folge: Sie stören den Unterricht, springen buchstäblich über Tische und Bänke, streiten mit Mitschülern und Freunden und „widersetzen“ sich den Lehrern, weil sie aufgrund ihrer Impulsivität (zu) schnell mit ihrer Meinung herausplatzen.

Das Ziel des aktuellen Forschungsprojektes an der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Uni-Klinikums ist es, mit der Untersuchung von Kindern im Kindergartenalter Kinder mit Problemen von solchen ohne Probleme zu unterscheiden. Risikokinder für ADHS sind Kinder, bei denen entweder ein Elternteil oder ein Geschwisterkind eine ADHS-Diagnose hat oder früher hatte.

Die Marburger Studie ist ein Pilotprojekt für weitere Studien, deren Ziel es letztlich ist, die Risiko-Kinder frühzeitig zu identifizieren, spezifische Problembereiche zu erkennen und die Kinder individuell so zu fördern, dass sich eine ADHS erst gar nicht entwickelt. Für die Kinder zwischen 3 und 6 Jahren sind die Tests in Marburg spielerisch.

Diplomandin Tanja Mingebach führt die Tests durch, bei denen die Kinder meist sehr viel Spaß haben. Sie dürfen zum Beispiel gemeinsam mit der Testleiterin einen Turm bauen – und ihn am Ende wieder umwerfen. Oder sie dürfen Süßigkeiten aussuchen – müssen aber unter Umständen ein bisschen warten, bis sie die ersehnten Gummibärchen bekommen.

Manchmal verzögert die Versuchsleiterin auch spielerisch das Ende des Spiels. „Risikokinder unterscheiden sich oft signifikant von anderen Kindern, wenn es um die Fähigkeit geht, abwarten zu können“, erläutert Privatdozentin Dr. Ursula Pauli-Pott.

Die Medizinpsychologin arbeitet für die Uni Gießen an der Kooperationsstudie mit. Wichtig sei auch, nicht voreilig schon bei Kindergartenkindern eine ADHS-Diagnose zu stellen, sagt Professor Katja Becker, aber eine Beratung der Eltern über mögliche Fördermöglichkeiten ist hilfreich.

Wer ein „Risiko“-Kind im Alter von 3 bis 6 Jahren hat und noch an der Studie teilnehmen will, kann sich unter 06421/586-5454 anmelden.

von Gabriele Neumann

Mehr lesen Sie am Montag in der Printausgabe der OP.

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