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Stierhatz durch den Uni-Alltag

Joukas Blog aus Spanien Stierhatz durch den Uni-Alltag

Jouka Röhm berichtet über den schnellen Redefluss bei spanischen Dozenten und die Fähigkeit der Studenten zum Mitschreiben.

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Oviedo. Zum Auslandsstudium gehört unweigerlich auch das Studium - und das hält einige unliebsame Überraschungen für mich bereit. Der spanische Studierende wird durch seinen Uni-Tag getrieben wie ein Stier bei der Hatz durch Pamplona, denn ohne Zeit für eine Kaffeepause reiht sich eine Veranstaltung an die nächste.

In den Kursen redet oft nur der Dozierende und die fleißigen spanischen Studierenden schreiben eifrig mit bis die Feder qualmt. So erinnert es doch oft ein bisschen an Schulunterricht - nur mit weniger Pausen und begeisterteren Schülern. Doch für solche Gedanken bleibt nicht viel Zeit. Bloß nicht verpassen, was der Prof gerade gesagt hat. Während meine wilden Aufzeichnungen mit Pfeilen, Strichen und kryptischen Abkürzungen und mit notorischem Hang zur Unleserlichkeit im Laufe des Kurses immer mehr Ähnlichkeit zu einem streng geheimen Plan zur Konstruktion von Atomwaffen annehmen, schaue ich prüfend auf die Notizen meiner Nebenleute.

Die machen, ob des schnellen Redeflusses des Professors, nicht etwa schlichte Notizen im Telegrammstil. Nein, stattdessen zaubern meine Kommilitonen scheinbar ausnahmslos fast kalligraphisch anmutende Fließtexte auf‘s Papier.

Die einhellige Meinung meiner Mitstreiter: Damit lässt sich später einfach besser lernen. Und je mehr Text, desto besser die Lerngrundlage. Das klingt einleuchtend. Ich ziehe meinen Hut vor so viel Antizipationsfähigkeit und schaue dabei etwas beschämt auf meine wahrscheinlich ausschließlich mir persönlich sinnstiftenden Aufzeichnungen. ,,Kannst du das später überhaupt noch entziffern?“, fragt mich mein Nebenmann in einer seiner seltenen Schreibpausen. Ich nicke. So hält der Uni-Alltag auch für meine Kommilitonen noch Überraschungen bereit.

  • Jouka Röhm (26) studiert den Master Romanische Philologie an der Philipps-Universität Marburg und berichtet für die OP von seinem sechsmonatigen Erasmus-Aufenthalt in Oviedo/Spanien.
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