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Sollten Afrika die Schulden erlassen werden?

Die Debatte Sollten Afrika die Schulden erlassen werden?

Heute diskutieren Benedikt Kunz und Sarah Jawaid vom Debatierclub Marburg ein wichtiges Thema der Weltpolitik: die Frage nach dem Schuldenerlass für Afrika

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Sarah Jawaid und Benedikt Kunz duellieren sich mit Worten.

Quelle: Montage: Vera Lehmann

Marburg. Pro: Benedikt Kunz, 6. Semester Psychologie: Man muss die Ursache eines Problems nicht kennen, um es zu lösen. Das ist meine Grundthese. Und die Verschuldung ist gerade für afrikanische Staaten ein immenses Problem, das dazu führt, dass die Zinslast in diesen Staaten immer größer wird. Und, dass der Gestaltungsspielraum, den die einzelnen Regierungen haben, immer kleiner wird. Dass immer weniger Geld übrig bleibt für die öffentliche Infrastruktur, für Schulen und Gesundheit. Deswegen fordere ich einen Schuldenerlass für alle afrikanischen Länder, die von den OECD-Ländern geknüpft werden an Regeln, wie das Geld ausgegeben werden soll.

Contra: Sarah Jawaid, 2. Semester Kunst, Musik, Medien: Vielleicht muss man das Problem nicht kennen, aber der vorgeschlagene Lösungsweg führt nicht zu einer Verbesserung. Denn: Was kommt beim afrikanischen Volk wirklich an? Nur weil die Firmen und Gesellschaften ihre Zinsen nicht mehr zahlen müssen, heißt es nicht, dass diese dann auf einmal den Überschuss, den sie dann haben, für Schuldenabbau und weiteres verwenden. Deshalb denke ich nicht, dass der Vorschlag sinnvoll ist. Man sollte lieber weiter die Hilfsorganisationen unterstützen.

Benedikt: Das siehts du falsch. Dadurch, dass die Staaten so viele Zinsen zahlen müssen, haben sie weniger Geld in ihrem Haushalt. Wenn wir das an bestimmte Regeln knüpfen, wie sie ihr Geld ausgeben sollen, dann können wir auch garantieren, dass damit Schulen gebaut werden. Es ist global gesehen ein ganz kleiner Betrag, der aber eine sehr große Wirkung haben kann. Deswegen müssen wir diesen Schritt machen, weil es unsere moralische Verpflichtung ist, den Menschen zu helfen. Wir sehen, dass wir es können indem wir den kleinen Beitrag leisten und diese Schulden für sie tilgen.

Sarah: Du willst also die Autonomie der afrikanischen Länder angreifen, indem du feste Regeln aufstellst, wie sie ihr Geld ausgeben sollen? Ich denke, das ist auch nicht gerade ein moralisch hochwertiges Anliegen. Ich sehe die Moral auch darin, dass man mit Schulden, die man gemacht hat, auch verantwortungsvoll umgehen sollte und nicht einfach getilgt bekommt. Es gibt schließlich auch viele andere Länder, die hoch verschuldet sind. Warum sollte gerade Afrika da bevorzugt werden?

Benedikt: Afrika ist mit Abstand der ärmste Kontinent auf dieser Erde und da leiden die Menschen am meisten. Deswegen sollten wir zunächst dort helfen. Wenn du davon sprichst, dass man nicht die Autonomie angreifen sollte, siehst du dann nicht auch, dass es Regierungen geben könnte, die effektiv etwas tun wollen, aber denen die Hände gebunden sind, weil die Zinsen so hoch sind? Gerade diesen Regierungen wäre doch extrem geholfen, hätten sie mehr finanziellen Spielraum.

Sarah: Dieser finanzielle Spielraum wird aber nur bedingt dadurch geschaffen, dass man leichtfertig einfach die Schulden tilgt. Davon profitiert nicht das Volk, da bei diesem effektiv vermutlich nicht viel ankommen wird. Zwar mag es sein, dass Afrika am höchsten verschuldet ist. Aber trotzdem ist es moralisch nicht in Ordnung, deswegen diese Länder zu bevorzugen. Da wird es einen großen Aufschrei geben, warum die Schulden anderer armer Länder nicht auch getilgt werden.

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