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Studium und Familie

„Selbst schuld“ ein Kind zu haben?

Erst einmal fertig studieren und ein paar Jahre arbeiten, bevor man über Kinder nachdenkt - von diesem Weg „wird in der Gesellschaft ausgegangen“, meint Annika Weichert. Sie entschloss sich bewusst zum Kind schon während des Studiums.
Studieren mit Kind ist nicht einfach. Der Familienservice der Universität unterstützt studierende Eltern bei der Vereinbarkeit von Elternschaft und Studium.

Studieren mit Kind ist nicht einfach. Der Familienservice der Universität unterstützt studierende Eltern bei der Vereinbarkeit von Elternschaft und Studium.

© Waltraud Grubitzsch

Marburg. „Sobald man ein Kind hat, ist man komplett auf sich alleine gestellt“, sagt Annika Weichert. Die 26-Jährige hatte schon immer den Wunsch früh Mutter zu werden. „Für mich war klar, dass ich nicht zu lange warten wollte“, erklärt sie. Vor 19 Monaten brachte die Linguistik-Studentin ihre Tochter zur Welt. Doch dass dieses private Glück auch Probleme birgt, war ihr von Anfang an bewusst.

„Das Studium ist schon ein wenig auf der Strecke geblieben“, gesteht sie, denn „man ist einfach nicht immer fit“. Das Kind will nun einmal beschäftigt werden, unabhängig davon, ob die Mutter gerade für eine Prüfung lernen oder eine Arbeit schreiben will - und der Schlafmangel tut sein Übriges für die Konzentration. „Besonders Hausarbeiten haben sich bei mir angestaut“, berichtet sie.

Baby-Übergabe am Bahnhof

Noch zwei Wochen vor der Geburt im Mai 2013 hielt sie ein Referat in der Uni - schon zum Beginn des Wintersemesters im Oktober nahm sie das Studium wieder auf. „Ein Urlaubs-Semester wollte ich nicht machen“, sagt sie, denn Bafög hätte sie in dieser Zeit nicht erhalten. Zwei Semester länger wurden ihr vom Amt für den Master-Abschluss zugestanden, noch ein weiteres wird sie vermutlich benötigen. „Natürlich habe ich auch zwischendurch mal ans Aufgeben gedacht“, so Weichert (linkes Bild, links). Doch „die Frage ist: Was kommt dann“. Allein vom Gehalt ihres Freundes will das Paar den Lebensunterhalt nicht bestreiten.

Da der 40-jährige Partner am Frankfurter Flughafen arbeitet, wohnen die beiden in Eschborn. Zwei Stunden hin und zwei Stunden zurück muss Weichert daher nach Marburg pendeln. „Dafür kann ja keiner was“, weiß sie, doch noch stärker als bei anderen Familien muss sie ihren Stundenplan daher an sie Arbeitszeiten des Freundes anpassen. „Oft findet die Baby-Übergabe am Bahnhof statt“, schildert sie. „Wenn dann mal die S-Bahn Verspätung hat oder der Arbeitgeber den Dienstplan ändert, muss ich die Vorlesung leider ausfallen lassen“. Einen Kita-Platz in Marburg erhält sie wegen ihres abweichenden Wohnorts nicht.

„Es sollte für solche Fälle mehr Angebote geben, zum Beispiel ein Teilzeitstudium“, meint Weichert. Einerseits wolle die Politik, dass mehr Kinder geboren werden, andererseits seien Frauen nach Studium und Berufsstart häufig schon Mitte 30. „Und nur wenige machen es dann überhaupt noch“, so Weichert. Aber auch gesellschaftlich müsse sich etwas tun. „In meinem Fachbereich werde ich gut unterstützt“, sagt sie. Sie habe jedoch auch schon von Professoren gehört, die „nach dem Motto: Sie ist ja selbst schuld“ verführen und wenig Entgegenkommen zeigten.

Vermittlung und Beratung beim Familienservice

„Offene Kommunikation mit den Dozenten ist wichtig“, meint auch Karen Albrecht (linkes Bild, rechts), Leiterin des Familienservice der Universität. Frühzeitige Verständigung mit den Professoren und auch Vernetzung mit anderen Eltern seien wichtige Ratschläge, die man geben könne. Ihre Einrichtung versuche darüber hinaus „Informationen zu sammeln und sie an studierende Eltern weiterzuvermitteln“.

Dies gelte für Kita-Plätze, Beratungsstellen, aber auch für praktische Alltags-Informationen. „Was tue ich zum Beispiel bei Notfällen - etwa wenn der Babysitter plötzlich krank ist“, nennt Albrecht ein Beispiel. Gemeinsam mit dem Marburger Bündnis für Familie entstehe gerade zu dieser Fragestellung ein Projekt, „dass als kleiner Startschuss gedacht ist“, so Albrecht. Von 17-20 Uhr können Eltern dort auf eine Kindernotfallbetreuung zurückgreifen, die „im Prinzip wie Carsharing“ funktioniert. Eltern zahlten nur einen kleinen Beitrag, könnten aber bei Bedarf auf die Betreuung zurückgreifen, die zunächst in der Abendzeit angeboten werden soll, da dort andere Einrichtungen geschlossen seien.

Der Familienservice bietet außerdem eine Sommerferienbetreuung für 6- bis 12-Jährige an und möchte demnächst auf seiner Homepage auch eine Babysitterbörse einrichten. Vom hessischen Innenministerium erhielt Marburg zudem ein Siegel als „Pilothochschule“.

Trotz aller Schwierigkeiten würde Annika Weichert „es immer wieder so machen“. Sie ist gerne Mutter und freut sich bei allem Stress „auch viel Zeit mit dem Kind verbringen zu können - was mit Job vielleicht nicht so wäre“. Wer mit dem Gedanken spiele als Student Vater beziehungsweise Mutter zu werden, müsse sich allerdings vorher bewusst sein, „dass man auch Abstriche machen muss“.

Der Familienservice ist unter Telefon: (06421) 2 82 64 90 oder Email an: familie@verwaltung.uni-marburg.de zu erreichen und bietet weitere Informationen auf seiner Homepage unter www.uni-marburg.de/familienservice an.

von Peter Gassner

[Peter Gassner]

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