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Sammeln für "echte Schätze"

Uni-Museum Sammeln für "echte Schätze"

Was in den USA längst üblich ist, steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen. Über "Fundraising" soll in Marburg der Umbau des Uni-Museums in der Biegenstraße finanziert werden.

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Iris Rubinich (Mitte) und die Studentinnen Sabrina Werking (links) und Ina Rudisile präsentieren die extra für die Spendenaktionen gestalteten Sparschweine. Im Hintergrund ist links im Fenster das Kunstmuseum zu sehen, für das gesammelt wird.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Mitten in Marburg, direkt zwischen Mensa und Hörsaalzentrum schlummern „echte Schätze im Keller“ des Uni-Museums, sagt Iris Rubinich. Seit inzwischen fünf Jahren ist das ehemalige Ernst-von-Hülsen-Haus (aufgrund der NS-Vergangenheit des Namensgebers heißt das Gebäude aktuell „Kunstgebäude“) jedoch geschlossen. In Zeiten knapper Kassen ist aber nicht ausreichend Geld für die Sanierung da.

1,25 Millionen Euro fehlten noch, als Rubinich im vergangenen Jahr ihre Stelle als „Fundraiserin“ (englisch für „Spendensammlerin“) an der Uni Marburg antrat. 625000 Euro sind inzwischen durch verschiedene Spenden zusammengekommen - den Rest will sie mit ihrem Team von zehn Studentinnen (die meisten davon ehrenamtlich) möglichst bis November 2017 auftreiben. Überlegt haben sich die Frauen dafür einiges.

Speziell künstlerisch gestaltete Sparschweine sollen beispielsweise in Geschäften stehen, aber auch an Vereine und Kulturgruppen gegeben werden. Diese können dann ihre eigenen Spendenaktionen starten - die drei kreativsten werden am Ende prämiert. Als Preis könnte dann beispielsweise ein Raum im Kunstmuseum für eine spezielle Veranstaltung zur Verfügung stehen.

Aktionen für Großspender und kleine Beiträge

Mit großen Beträgen kann sogar die Patenschaft für einen Raum übernommen werden. Die meisten Säle sind bereits vergeben - für vier Räume (zwischen 25000 Euro und 150000 Euro) werden aber noch Paten gesucht. Nicht immer muss das eine einzelne Person sein, mehrere können sich den Betrag auch teilen. Nach diesem Prinzip versuchen die Fundraiser auch 500 (ehemalige) Mitarbeiter der Uni zu finden, die gemeinsam den „Philipps-Raum“ finanzieren.

„Wir freuen uns aber auch über kleine Spenden“, sagt Rubinich. Eine Aktion dafür ist beispielsweise der „Faceroom“. Auf der Internetseite www.faceroom-mr.de können Spender ab einem Betrag von 5 Euro ein Foto von ihrem Gesicht hochladen. Eine riesige Collage mit allen Teilnehmern wird dann im Museum zu bewundern sein, ebenso wie die einzelnen Fotos im virtuellen „Faceroom“. Je höher der Betrag, desto häufiger erscheint dort das Bild.

Mit den verschiedenen Aktionen „wollen wir das Museum zurück in die Herzen der Marburger holen“, sagt Rubinich. „Viele haben schon vergessen, dass es das überhaupt noch gibt.“ Kräftig beteiligt sind Studentinnen wie Medienwissenschaftlerin Sabrina Werking. „Vieles an der Arbeit hier hat mit PR zu tun - und diesen Bereich fand ich schon immer spannend“, sagt sie. Sie verbindet durch das Fundraising für das Museum persönliches Engagement in Marburg mit „super praktischen Erfahrungen, die man sonst fast nur in Frankfurt machen kann“.

Das gleiche hat auch Ina Rudisile vor, die erst seit zwei Wochen dabei ist. Und dazu gibt es reichlich Gelegenheit. Zwar soll die Finanzierung für das Museum in einem Jahr stehen - „am liebsten so, dass wir zu Marburg b(u)y night fertig sind“, so Rubinich. „Wir sind auch zuversichtlich, dass das klappt“. Doch auch danach gehen die Projekte nicht aus. So wird außerdem noch Geld für die Deutschland-Stipendien benötigt - und „an der Uni gibt es noch viele alte Gebäude“, erklärt Rubinich. Fundraising wird auch in den kommenden Jahren eine wichtige Aufgabe bleiben.

Identifikation mit Ex-Uni in USA viel stärker

Kein Zufall ist es wohl, dass Rubinich eine halbe Stelle als Fundraiserin und eine halbe Stelle für „Alumni-Arbeit“ besetzt. Der Kontakt zu Ehemaligen der Universität ist in der Vergangenheit nur wenig gepflegt worden. Im Gegensatz zu den USA. „Da sprechen wir beim Fundraising auch über ganz andere Hausnummern“, sagt Rubinich. Die Identifikation der Absolventen mit ihren Unis ist ungleich höher als in Deutschland.

Prominente oder reiche Marburger Ex-Studenten könne man nicht nach Jahren ohne Kontakt gleich um Geld für Projekte - wie etwa das Uni-Museum - bitten. „Es geht erst einmal darum, eine stärkere Bindung herzustellen“, so Rubinich.

von Peter Gassner

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