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Protestieren geht über Studieren

umfrage: Wann habt ihr das letzte mal protestiert? Protestieren geht über Studieren

Studieren heißt Querdenken, mitunter auch protestieren. 1939 demonstrierten Studenten am 17. November in Prag gegen die Nazis. Am Jahrestag dieses Aufstands wird heute der Weltstudententag gefeiert.

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Studenten demonstrieren für bessere Studienbedingunge.

Quelle: Rainer Waldinger

Marburg. Der Aufstand der tschechischen Studenten wurde vor 75 Jahren vom NS-Regime blutig niedergeschlagen. In der „Sonderaktion Prag“ wurden neun Aufständische sofort hingerichtet, 1200 junge Demonstranten wurden in Konzentrationslager gebracht. In Gedenken an die Proteste rief der International Students Council das Datum im Jahr 1941 in London zum Weltstudententag aus.

Auch in Deutschland selbst hatte es zuvor vereinzelte Demonstrationen gegen den Nationalsozialismus aus dem akademischen Milieu heraus gegeben, doch die Geschichte der studentischen Proteste ist nicht nur auf das Dritte Reich beschränkt.

Die bekanntesten und folgenreichsten Proteste gab es in Deutschland während der sogenannten „68er-Bewegung“. In den späten 1960er Jahren kam es weltweit zu Protesten junger Akademiker. In den USA richteten sich die Demonstrationen vor allem gegen den Vietnam-Krieg, in anderen westlichen Ländern stand vor allem das Aufbegehren gegen das „Establishment“ und gesellschaftliche Tabus im Vordergrund. Diese Komponenten spielten auch in der Bundesrepublik Deutschland eine wichtige Rolle, wo die Demonstranten aber zudem eine Aufarbeitung des Nationalsozialismus forderten.

Aus der jüngeren Vergangenheit ist in Deutschland vor allem der jährlich wiederkehrende „Bildungsstreik“, der sich gegen die Bologna-Reformen und Studiengebühren richtet, in Erinnerung geblieben. Dabei lautet ein häufig vorgebrachtes Vorurteil über heutige Studenten, dass sie - unter anderem aufgrund des schulischen Bachelor- und Mastersystems - kaum noch politisches Interesse zeigten und angepasst seien. Gehören Studentenproteste also der Vergangenheit an? Ein Blick beispielsweise auf die Debatte um Wohnraum in Marburg zeigt das Gegenteil. So besetzten Aktivisten im vergangenen Jahr das Gebäude der früheren Augenklinik, das inzwischen für den Fachbereich Pharmazie umgebaut wird. An einer Demo gegen zu hohe Mieten nahmen wenig später rund 250 Studenten teil. Auch die stichprobenartigen Ergebnisse einer OP-Umfrage zeigen, dass das Demonstrieren bei entsprechendem Anlass durchaus ein angewendetes Mittel zur Unmutsäußerung ist (siehe unten).

Im globalen Rahmen finden Demonstrationen aus dem akademischen Kontext heraus ebenso weiterhin statt. Eines der jüngsten Beispiele dafür sind die Proteste in China, bei denen der Finanzsektor Hongkongs besetzt wurde.

von Peter Gassner

Die Umfrage:

Christian Hinrichs, 26 Jahre, Sozialwissenschaften:

„Ich habe schon mehrmals an Demonstrationen teilgenommen. Zuletzt war ich im August dieses Jahres in Berlin an einer Anti-Atom-Demo beteiligt. Für mich ist das einfach auch eine soziale Frage, weil Öko und Soziales für mich einfach zusammengehören.“

Jenny Madubuko, 28 Jahre, Erziehungswissenschaften:

„Als es hier noch Studiengebühren gab, habe ich mitprotestiert. Ich hab hier in Marburg an einer kleineren und in Wiesbaden an einer der großen Demos teilgenommen. Freunde von mir haben mich dazu überredet. Ich fand es toll, die Gemeinschaft dabei zu erleben.“

Ian Wolff, 24 Jahre, Geschichte:

„Das ist schon lange her und war auch nicht im großen Stil. Damals habe ich in meiner Heimat an einer allgemeinen Demo für bessere Arbeitsbedingungen teilgenommen. Ein Freund, bei dem ich war, hat mich mitgenommen. Ich fand es ganz informativ und sinnvoll.“

Anne Henkel, 21, Deutsche Sprache und Literatur:

„Ich hab bisher noch nicht protestiert. Das hat sich bisher einfach nicht ergeben. Ich habe auch keinen Bezug zu den Leuten, die solche Demos machen und wurde bisher auch nicht gefragt.“

Umfrage: Mareike Bader

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