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Persönliche Geschichten und jede Menge Papier

Helden im Hintergrund Persönliche Geschichten und jede Menge Papier

Im Keller des Staatsarchivs reiht sich ein Regal an das nächste. Ordner und Kartons mit Unterlagen aus hunderten Jahren Universitätsgeschichte sind darin gelagert. Hier ist Bernd Scholls Arbeitsplatz.

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Bernd Scholl (53) an seinem Arbeitsplatz: Im Archiv der Philipps-Universität. Foto: Ruth Korte

Marburg. Zumindest ein Teil davon: Den anderen Teil seiner Arbeit verbringt der 53-Jährige am Schreibtisch in einem der oberen Stockwerke des Hessischen Staatsarchivs, in dem das Universitätsarchiv seit 1980 untergebracht ist. Zur Zeit umfasst es knapp 500 Urkunden und mehr als 2000 Regalmeter Amtsbücher und Akten aus der Zeit vom 13. Jahrhundert bis in die unmittelbare Gegenwart.

Bernd Scholls Aufgabe ist es, die Akten zu „entkernen“, wie er es nennt. Das bedeutet, er befreit sie von Plastikhüllen und Heftverschlüssen, säubert sie, und gibt sie in die Recherchendatenbank ein. Dann verpackt er sie in Kartons, gibt ihnen eine neue Signatur und lagert sie im Archiv ein.

Doch was sind das eigentlich für Unterlagen? Das Universitätsarchiv verwahrt eine wachsende Zahl von Professoren-Nachlässen, mehrere Flugblattsammlungen, vor allem zu den Jahren um und nach 1968, aber auch ganz normale Unterlagen, die „im Unialltag so anfallen“, sagt Scholl, so wie Prüfungsakten, Urkunden, Gutachten. Es geschehe nicht selten, erzählt Archiv-Leiterin Dr. Katharina Schaal, dass Studenten sich kurz nach ihrer Abschlussprüfung an das Uniarchiv wenden und um ein neues Prüfungszeugnis bitten, weil sie das erste bereits verloren haben.

Neben Scholls Computer steht ein Stapel vergilbter Unterlagen. Notizen in altdeutscher Schrift sind darauf zu erkennen. „Das sind Krankenakten vom Uniklinikum von 1937 bis 1956“, erklärt er. Darunter befinden sich viele Krankmeldungen von Kriegsgeschädigten - wie die eines Mannes, dessen Körper von Bombensplittern getroffen wurde. Es sind ergreifende biografische Informationen wie diese, die Scholl an den alten Akten faszinieren. Jedoch lese er nicht jede Akte detailliert, sondern immer nur stichpunktartig, „sonst liest man sich fest“. An seiner Arbeit gefällt dem ursprünglich gelernten Bäcker auch, dass sie abwechslungsreich ist. „Man sitzt mal am Computer, macht aber auch viel handwerkliches.“

Die Akten und Urkunden können übrigens im Lesesaal des Staatsarchivs eingesehen werden.

von Ruth Korte

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