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Marburg bedeutet „richtig schlimm krank"

Die Stadt und ihr Virus Marburg bedeutet „richtig schlimm krank"

Wer bei unseren englischsprachigen Freunden erwähnt, dass er aus „Marburg“ kommt, ruft manchmal unerwartet alarmierte Reaktionen hervor.

Was den Namen Marburg in der großen weiten Welt bekannt gemacht hat, war ein klitzekleines Virus, das nach dem Ort benannt wurde, in dem es zuerst entdeckt wurde: das Marburg-Virus.

Wer sich den Spaß macht, beim Microblogging-Dienst „Twitter" mal nach dem Wort „Marburg" zu suchen, der wird schnell fündig. Neben Veranstaltungstipps für den Landkreis und gelangweilt getippten Lebenszeichen aus Marburger Seminarräumen stößt man dort immer wieder auf englischsprachige Äußerungen wie diese: „Is it Allergy, or is it Marburg?", frei übersetzt: „Hab ich ne Allergie, oder hab ich etwa Marburg?" Auch neue Therapieansätze bei „Marburg" werden diskutiert, und gelegentlich wünscht man auch einem ungeliebten Zeitgenossen „Marburg" an den Hals.

„Marburg", das ist für viele Amerikaner der Inbegriff einer richtig schlimmen Krankheit. Einer Anekdote zufolge soll vor Jahren sogar einmal ein wissenschaftlicher Gast aus den USA bei einem offiziellen Terrmin sein Entzücken darüber geäußert haben, dass diese Stadt nach einem Virus benannt sei.

Wie das Ebola-Virus gehört das Marburg-Virus zur Familie der Filoviren. Es wurde erstmals 1967 nachgewiesen, als unter den Mitarbeitern der Marburger Behring-Werke ein zu diesem Zeitpunkt noch unbekanntes Hämorrhagisches Fieber ausbrach.

Kurz darauf erkrankten auch in Frankfurt und Belgrad Menschen an der rätselhaften Krankheit. Alle Infizierten der ersten Stunde hatten direkten Kontakt zu Versuchstieren aus Uganda gehabt. Nach wochenlangen Nachforschungen konnten tatsächlich die Versuchstiere als Quelle der Infektion ausgemacht werden.

Die Erkrankten – Tierpfleger und medizinisches Personal – übertrugen das Virus unter anderem auf enge Angehörige, eine großflächige Verbreitung gab es aber nicht, da das Virus nur durch direkten Kontakt mit Körpferflüssigkeiten übertragbar ist.

Sieben der insgesamt 31 Infizierten starben 1967 an der Krankheit. Bei späteren Ausbrüchen in Angola oder dem Kongo lag die Sterblichkeit bei mehr als 80 Prozent.

Heute ist Marburg ein wichtiges Forschungszentrum für die Virologie. Auf dem Campus Lahnberge wurde im Dezember 2007 ein Hochsicherheitslabor der Stufe BLS-4 eingeweiht. Die Außenwand des Gebäudes schmücken stark vergrößerte Bilder des Marburg-Virus.

von Eva Seyer
und Sabine Nagel-Horn

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