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Karteileichen und Teufelskreise

Langzeitstudenten Karteileichen und Teufelskreise

Die Vorurteile sind reichlich gesät: faul, unmotiviert oder einfach nur dumm. Häufig genug geht es bei der Diskussion aber nicht um die Gründe, warum ein Student zum Langzeitstudenten wird.

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Bereits die Definition eines Langzeitstudenten gestaltet sich schwierig.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Es fängt mit einer zunächst einfach klingenden Frage an: Wer oder was ist ein Langzeitstudent überhaupt? Auch der Vizepräsident der Philipps-Universität kann diese Frage nicht eindeutig beantworten: „Das ist Ansichtssache“, sagt Professor Harald Lachnit. Eine allgemein gültige Definition gibt es nicht. Dafür aber gleich mehrere Ansätze. Häufig wird eine Überschreitung der Regelstudienzeit von vier Semestern als Grundlage genommen, einen Langzeitstudenten zu kategorisieren.

Unterschiedliche Definitionsansätze

Jedoch wird dieser allgemein gehaltene Ansatz den unterschiedlich zeitintensiven Uni-Abschlüssen nicht gerecht. So haben die meisten Bachelor-Studiengänge eine Regelstudienzeit von sechs Semestern, Diplomstudiengänge neun Semester und Masterstudiengänge lediglich drei Semester.

Ein weiterer Definitionsansatz ist, die studierte Semesterzahl mal 1,5 zu nehmen, um ein vergleichbares Ergebnis für die vielen verschiedenen Studiengänge zu liefern.

Ist die Definitionsfrage schon schwierig, so sind die Gründe dafür, dass die Dauer des Studiums die vorgegebene Regelstudienzeit überschreitet, ungleich vielschichtiger. Um einen Einblick in die Materie zu erhalten, hat Lachnit Rücksprache mit der Studienberatung der Philipps-Universität gehalten.

Die Mitarbeiter in der Beratung teilten dem Uni-Vizepräsi­denten mit, dass Betroffene verschiedenste Gründe angeben, warum sich ihr Studium in die Länge zieht. Häufig handele es sich jedoch um einen Art Teufelskreis, sagt Lachnit.

So gaben viele Studierende an, neben dem Studium zu arbeiten, um ihren Unterhalt zu sichern. Weil die Lebenshaltungskosten jedoch immer weiter steigen, müssten viele Nebenjobber nun auch mehr arbeiten, wodurch noch weniger Zeit für das Studium bliebe, erklärt Lachnit. Andere Langzeitstudenten gaben bei der Beratung an, durch Krankheit oder einen persönlichen Schicksalsschlag den Anschluss verpasst zu haben. Die Folge sind immense Schwierigkeiten dabei, wieder in den Uni-Alltag zu finden.

Dass die Uni durch die Langzeitstudenten in ihren Ressourcen mehr belastet wird, sieht Lachnit nicht. „Im Zweifel gehen diese Studenten mit solch hohen Semesterzahlen ja schon gar nicht mehr zu den Vorlesungen und sorgen somit auch nicht für eine Mehranfrage in der Lehre.“

Ein weiterer Teil der Langzeitstudenten sind sogenannte Scheinstudenten, die sich allein deswegen in einen Studiengang eingeschrieben haben, um gewisse Vorteile aus diesem Status zu ziehen. Beispielsweise das im Vergleich günstigere Semesterticket für den Nahverkehr.

Wie bereits erwähnt, ist eine vergleichende Untersuchung der einzelnen Studiengänge nach der Anzahl der Langzeitstudenten schwierig. Um dennoch einen Überblick darüber zu bekommen, ob es nach Einführung von Bachelor und Master weniger Langzeitstudenten gibt, führt Lachnit Zahlen für die alten und neuen Studien­gänge an. Im Wintersemester 2006/2007 hatten 6 Prozent der Diplomstuden­ten bereits mehr als 14 Semester studiert. In den Studiengängen mit Staatsexamen waren es damals 4,55 Prozent. Das Kriterium „mehr als 14 Semester“ angewendet auf aktuelle Zahlen ergibt für die Bachelor-Studiengänge einen Wert von 0,5 Prozent. Für Masterstudiengänge sind es lediglich noch 0,28 Prozent.

Demnach wäre ein deutlicher Rückgang an Langzeitstudenten seit 2007 zu vermelden. Bachelor und Master scheinen dafür gesorgt zu haben, dass es weniger Studenten gibt, die sich länger als 14 Semester an der Uni aufhalten.

von Dennis Siepmann

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