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Ist der Bachelor-Abschluss sinnvoll?

Die Debatte Ist der Bachelor-Abschluss sinnvoll?

Der Marburger Debattierclub diskutiert heute im UNIversum die Sinnhaftigkeit des Bachelor-Abschlusse.s

Marburg. Pro: Ranya Allouch, 19 Jahre, studiert Medizin im zweiten Semester: Der Bachelor-Abschluss macht Sinn, weil er Flexibilität und Planbarkeit ermöglicht. Wenn ich nach drei Jahren einen sicheren Abschluss habe, kann ich zum Beispiel eine Pause einlegen. Wer etwa Maschinenbau-Ingenieur studiert, kann erst mal bei Daimler arbeiten und dann später noch seinen Master machen.

Contra: Alexander Prinz, 26 Jahre, studiert Sozialwissenschaften im dritten Semester: Du sagst, der Bachelor bietet mehr Flexibilität. Die Realität sieht aber ein bisschen anders aus. Früher war es so: Da ist man mit seinen erbrachten Leistung zur Universität gegangen, wenn man wechseln wollte. Die Uni hat die Unterlagen geprüft und man wurde genommen oder auch nicht – entsprechend eben dieser Leistung. Das ist heute immer noch so. Denn wenn da Bachelor steht, heißt das immer noch nicht, dass das, was du in deinem Bachelor gemacht hast, auch wirklich relevant ist. Dieser Punkt zählt also gar nicht so sehr.

Ranya: Es geht nicht um die Frage, ob die Bachelor-Leistung die gleiche ist. Es ist die Frage, ob die Universitäten auch den gleichen Anspruch und das gleiche Niveau haben. Aber man kann ja trotzdem – auch wenn man den Bachelor-Abschluss hat – auch an eine andere Uni gehen. Worauf ich noch einmal eingehen möchte, ist die Individualität des Einzelnen. Das bedeutet: Nicht jeder Student möchte den Master machen. Für einige reicht es auch, nach drei Jahren den Bachelor zu haben, um dann in einem Unternehmen arbeiten zu können. So sind sie nicht gezwungen den Master zu machen und bis zu diesem Abschluss studieren zu müssen.

Alexander: Und genau hier haben wir das Problem: Denn was ist denn eigentlich Universitätsbildung? Das ist etwas anderes als zum Beispiel das Abitur. Nach dem Abi gehst du in eine Firma, machst eine Ausbildung und lernst ganz konkret, was in dieser Firma gewünscht wird. Und da kannst du dich genauso entfalten. Aber Universität bedeutet eben etwas anderes: Es geht darum, das Goethe-Ideal zu verinnerlichen. Sich zu bilden, frei zu sein und zu wählen, was man tun möchte. Und eben nicht darum, in der kürzesten Frist irgendetwas durchzuziehen.

Ranya: Nehmen wir mal den Studiengang Psychologie. Da sind es acht Semester, also vier Jahre. Der Master-Gang sind dann nochmal zwei Semester. Ich bezweifle, dass hier der universitäre Gedanke in nur einem Jahr zur Geltung kommt und beim Bachelor – der ganze vier Jahre gedauert hat – das nicht der Fall sein soll. Erstens kann man diese universitären Gedanken also sehr wohl mit aufnehmen und zweitens hat man schon mal ein Zertifikat in Händen, dass man drei Jahre lang studiert hat. Danach kann man sich immer noch frei entscheiden, etwas anderes zu machen.

Alexander: Es gibt einen guten Grund, warum sie auch in der Psychologie lange darum gekämpft haben, die alten Studiengänge zu erhalten. Es geht um die Reputation, die mit einem Diplom verbunden ist. Was ist mit dem Bachelor? Ja gut, du hast ein bisschen studiert und ein paar Leistungen erbracht. Aber es hat eben nicht mehr die Geltung, die ein Diplom hat. Mit dem Diplom stehst du als was Besonderes da. Wenn du den Bachelor hast, dann hast du quasi deine Schulausbildung verlängert, aber da kommt doch nicht wirklich der Psychologe hervor, den wir uns wünschen.

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