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Protestaktion für Zahnmedizinprofessoren Hier geblieben!

Dass Protestaktionen von Studenten auch in der heutigen Zeit noch einiges bewegen können, zeigte sich im vergangenen Sommer. Mit einer spontanen Demonstration überzeugten Zahnmediziner ihre Professoren zu bleiben.

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Zahnmedizin-Studenten setzten sich vergangenen Sommer für den Verbleib von Professor Heike Korbmacher-Steiner und Professor Roland Frankenberger ein.

Quelle: Tobias Hirsch

Marburg. „Es war der schönste emotionale Moment, den ich jemals erlebt habe“, sagt Professor Roland Frankenberger. Denn mit einer derartigen Geste ihrer Studenten hatten er und Professor Heike Korbmacher-Steiner nicht gerechnet. Als beide Zahnmediziner im Juli 2014 einen Ruf an andere - in ihrem Fachgebiet hochangesehene - Universitäten (Aachen und Frankfurt) erhielten, versammelten sich rund 250 von insgesamt 330 Zahnmedizin-Studenten vor der Zahnklinik. Mit selbst gebastelten Plakaten empfingen sie dort die beiden Professoren und forderten sie mit einer Unterschriftenliste zum Bleiben auf. Eine Aktion, die Wirkung hinterließ.

"Lehre ist Kommunikation"

„Wir haben beide schon mehrere Preise erhalten“, sagt Frankenberger. „Aber das war für mich persönlich die ganz klare Nummer eins.“ „Ich wüsste nicht, wo so etwas sonst vorgekommen ist“, meint Korbmacher-Steiner, die Leiterin der Klinik für Kieferorthopädie ist, und nennt die „persönliche Konstellation“ an der Marburger Zahnklinik als einen der Hauptbeweggründe für ihren Verbleib. „Ausstattung und Größe der Klinik wären woanders besser gewesen“, sagt sie. Doch „Lehre ist Kommunikation“, fügt sie an und freut sich über die besondere persönliche Wertschätzung. „Es ist nicht so, dass ich hier allen tolle Noten gebe und deswegen so beliebt bin“, sagt sie. „Bei mir fallen auch schon einmal Leute durch.“ Schließlich müsse nicht nur das Wohl der Studierenden, sondern auch der Patienten im Blick sein. Dennoch scheine die Kommunikation mit den Studenten von diesen gut angenommen zu werden. „Es ist sichtbar, dass die Studenten einen Professor danach bewerten, wie sie etwas beigebracht kriegen“, ordnet sie den Zuspruch ein. Auf der Unterschriftenliste hätten - und das sei besonders ungewöhnlich - „wirklich alle aus dem Fachbereich unterschrieben“.

Geld war kein entscheidender Faktor

Finanzielles, so betonen die beiden, hat keine Rolle bei den letztlich erfolgreichen Bleibeverhandlungen gespielt. „Ich hätte auch für viel Geld eine Praxis aufmachen können“, so Korbmacher-Steiner. „Aber wir beide haben eine Leidenschaft“ - die Zahnmedizin und deren Vermittlung an den akademischen Nachwuchs. „Kieferorthopädie ist mein Leben“, sagt sie. „Wenn einem etwas Spaß macht, dann macht man es auch gut“, lautet ihre Überzeugung. Vieles sei - auch auf Initiative von Frankenberger, Direktor der Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde, und ihr selbst hin - in den vergangenen Jahren auf den Weg gebracht worden. So sei beispielsweise das Studium inzwischen anspruchsvoller. Die „Bereitschaft der Geschäftsführung diesen Weg weiter zu gehen“ sei letztendlich auch ein entscheidender Faktor für den Standort Marburg gewesen. Der Fachbereich hofft darauf, in absehbarer Zukunft einen Zahnklinik-Neubau errichten zu können.

Verbleib war eine „Entscheidung fürs Leben“

Korbmacher-Steiner studierte Zahnmedizin seinerzeit in Aachen - „da hätte sich also ein Kreis geschlossen“, erläutert sie. Und auch für Frankenberger wäre der „große Standort“ Frankfurt „eine schöne Aufgabe gewesen“. Es handelte sich daher um Angebote, die nur schwer abzulehnen waren, und für Korbmacher-Steiner war es am Ende eine „Bauchentscheidung“. Frankenberger „weiß nicht, wie es ohne die Studenten ausgegangen wäre“. Doch auch er ist dankbar dafür, dass die ungewöhnliche Aktion ihn am Ende zum Bleiben bewegte. „So viele Rufe kommen nicht in einem Akademikerleben“, sagt er. Daher sei die Entscheidung über den Verbleib im Sommer „im Prinzip eine Entscheidung für das Leben gewesen“.

von Peter Gassner

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