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Fiktive Verhandlung, reale Erfahrung

Jura, Moot Court Fiktive Verhandlung, reale Erfahrung

Die Vorbereitung auf den großen Tag dauert ein halbes Jahr. Ein halbes Jahr voller Entbehrungen. Nächtelang wird diskutiert und an den Schriftsätzen gearbeitet, bis es endlich so weit ist: die Verhandlung wird eröffnet.

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Masud Ulfat (links) und Leonard Wolckenhaar halten einen ausgearbeiteten Schriftsatz in den Händen. Dr, Reinmar Wolff beobachtet die Szene.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. Er hat eine Menge über sich selbst gelernt, sagt Masud Ulfat. Auch darüber, wie er im Gespräch auf andere Menschen wirkt. Für Leonard Wolckenhaar liegt die Spannung im Austausch mit seinen Team-Mitgliedern. Dem Zusammenspiel von unterschiedlichsten Charakteren, die auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Was die beiden Marburger Jura-Studenten nachträglich so beeindruckt hat, sind ihre Erfahrungen, die sie im „Moot Court“ gesammelt haben.

In einer fiktiven Gerichtsverhandlung stellen sich die „Mooties“ einem Fallbeispiel, bei dem sie jeweils eine der Prozessparteien vertreten müssen. Dabei wird die Arbeit von Anwälten in einem internationalen Schiedsverfahren, wie es typischerweise bei grenzüberschreitenden Wirtschaftsstreitigkeiten angerufen wird, simuliert. Für den Rechtswissenschaftler Dr. Reinmar Wolff bieten diese fiktiven Gerichtsverhandlungen, bei denen Universitäten gegeneinander antreten, eine Möglichkeit, das oftmals starre Korsett des Jurastudiums zu durchbrechen: „Dann geht es nicht mehr um den schweren, oft schwülstigen Kanzleistil. Unsere Studenten müssen vor dem Schiedsgericht überzeugen. Dazu müssen sie ihre Argumente plausibel vorbringen.“ Wolff fungiert bei der Vorbereitung auf die juristischen Wettkämpfe als Betreuer. Er klopft die Argumentationslinien seiner „Mooties“ ab, simuliert die Situation vor dem Schiedsrichter und stellt auch mal unbequeme Nachfragen.

Dies alles dient dem Ziel, beim Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot, der jährlich in Wien stattfindet und die bedeutendste Veranstaltung in diesem Bereich ist, erfolgreich zu bestehen.“

Und genau das ist den Marburger Teilnehmern bei der mündlichen Verhandlung gelungen. Das Team um Irina Mertke, Johannes Rennicke und Leonard Wolckenhaar war so erfolgreich wie noch keines vor ihm. Unter den 290 studentischen Teams aus 67 Ländern schafften es die Marburger unter die besten 64. Wolckenhaar erhielt überdies eine Auszeichnung für den besten Beklagtenschriftsatz und für den bester Sprecher. Dies ist besonders bemerkenswert, weil die Verhandlungen immer auf Englisch geführt werden. „Das ist aber gar nicht so schwierig, wie man es sich vielleicht vorstellt. Wir müssen ja auch die Schriftsätze komplett in englisch verfassen“, sagt Wolckenhaar. Diese Schriftsätze müssen im Vorfeld sowohl für den Schiedskläger, als auch für den Schiedsbeklagten verfasst werden. Masut Ulfat, der zum Marburger Team von 2012 gehörte, sagt, die Arbeit für das Projekt „Moot-Court“ habe ihn diszipliniert. „Das ständige Feedback, die vielen notwendigen Absprachen führen zu einer besseren Kommunikation“. Wolckenhaar habe noch nie in seinem Leben so viel gearbeitet, es sei auch ein Kampf gegen den inneren Schweinhund gewesen. Aber das Ergebnis der harten Arbeit, „zu sehen was man alles im Team erreichen kann“ entlohne für die strapaziöse Zeit.

Für Studierende, die an einer Teilnahme beim nächsten Durchgang im kommenden Wintersemester interessiert sind, findet morgen um 18 Uhr eine Informationsveranstaltung im Savignyhaus, Universitätsstraße 6, Raum LH 102 statt.

von Dennis Siepmann

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