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Essensreste müssen in den Müll

Thema Lebensmittelverschwendung Essensreste müssen in den Müll

Millionen Tonnen an Essen werden jedes Jahr in Deutschland weggeworfen. Studenten, die etwas gegen diese Verschwendung tun wollten, dürfen in der Mensa aber keine Reste von den Tabletts nehmen.

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Symbolfoto: Mit einer Gabel wird ein halb-aufgegessenes Schnitzel von einem Teller genommen.

Quelle: Philipp Lauer

Marburg. Sinnvolle Aktion ­gegen Lebensmittelverschwendung oder unhygienisch? Um zu vermeiden, dass riesige Mengen an Essen einfach weggeworfen werden, haben einige Studenten mit dem sogenannten „Bändern“ einen kleinen Trend gesetzt. Laut einer Studie der Umweltstiftung WWF aus dem Jahr 2015 landen allein in Deutschland jedes Jahr rund 18,4 Millionen Tonnen an Nahrung im Müll - ein nicht unwesentlicher Teil davon in Großküchen.

Bundesweit hatte das „Bändern“ in der Freiburger Uni-Mensa Aufmerksamkeit bekommen. Nachdem es zum größeren Phänomen wurde, verhängte das Freiburger Studentenwerk vergangene Woche aber ein Verbot. „Die Essensreste sind hygienisch bedenklich“, hieß es in der Erklärung. Und auch in Marburg sieht es das Studentenwerk so. „Für die Entsorgung der Reste, die auf den Tabletts zurückkommen, tragen wir die Verantwortung. Ein ,Bändern‘ können wir aus hygienischen Gründen nicht gestatten. Diese­ ­Essensreste müssen deshalb ­definitiv weggeworfen werden“, sagt Pressesprecherin Franziska Busch.

Dabei hat es das „Bändern“ in Marburg schon einmal gegeben. Ein Marburger Student, der namentlich nicht genannt werden will, hat vor etwa anderthalb Jahren mit einigen Kommilitonen eine Zeitlang regelmäßig übrig gebliebenes Essen in der Mensa gegessen. „Wir haben es hier Tablettieren genannt“, sagt er. „Ich habe auch oft Menschen direkt angesprochen, ob ich ­ihre Reste essen darf.“ Dabei habe er nur einmal eine negative Reaktion erlebt. „Teilweise haben die Leute sich sogar gefreut, dass das Essen nicht weggeschmissen wird.“

„Kann mir die Pommes ja nicht in die Tasche knallen“

Aus hygienischen Gründen hatte er immer eine eigene­ ­Gabel dabei. Unangenehme ­Erfahrungen habe er kein einziges Mal gemacht.

Rund zehn Studenten haben laut seiner Schätzung regelmäßig tablettiert, manche aus Kostengründen. Ihm ging es vor allem darum, ein Zeichen ­gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen. „Es könnten etliche Menschen von dem satt werden, was dort täglich weggeschmissen wird.“

Das Marburger Studentenwerk ging aber aufgrund der rechtlichen Einschätzung gegen die Tablettierer vor.

Auch andere Mensagäste stehen dem „Bändern“ oder „Tablettieren“ prinzipiell nicht negativ gegenüber. „Der Grundgedanke ist sehr zu begrüßen“, sagt Student Fabian. „Das ist ja ein Zeichen gegen Verschwendung und gerade in Großküchen wird viel weggeworfen“, sagt er. „Ich würde es zwar selbst nicht machen, aber ein Verbot finde ich nicht gut“. Auch Kumpel Sergej gefällt die Idee, Verschwendung zu vermeiden. „Allerdings ist das für beide nicht schön, wenn ein anderer in meinem Essen rumstochert“. Er fände es besser, wenn „man das, was über bleibt, irgendwo hinbringen könnte - und die Bänderer könnten es dann nehmen.“ So wie es aktuell geregelt sei, „bleibt uns ja nichts anderes über, als es auf das Band zu stellen. Ich kann mir die Pommes ja nicht in die Tasche reinknallen und dann in der Vorlesung wieder rausholen“.

„Man sollte lieber die Leute­ anhalten, nicht so viel wegzuschmeißen“, findet Studentin Maria. „Am besten wäre, die Abfälle zu wiegen, und je mehr es ist, desto teurer werden danach die Gerichte“.

Das Studentenwerk verfolgt zur Vermeidung von Abfällen­ aber eine andere Strategie: „Über unser Beilagensystem versuchen wir dafür zu sorgen, dass so wenig Essensreste wie irgend möglich auf den Tellern liegen bleiben“, erläutert Busch. „Denn so kann sich jeder Gast selbst seine Portion zusammenstellen“. Genau darin hingegen sieht der Marburger Tablettierer das Problem. Seinem Eindruck nach bleiben in erster Linie Beilagen übrig. „Die dritte Beilage, die bei manchen Menüs im Preis inbegriffen ist, ist vielen einfach zu viel und wird trotzdem genommen.“ Er schlägt vor, die Anzahl der Inklusiv-Beilagen und den Preis für das ­Menü um 70 Cent reduzieren. So viel kostet nämlich eine zusätzliche Beilage.

von Peter Gassner
und Philipp Lauer

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