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"Es geht immer nur um Forschung"

Reaktion auf Umfrage "Es geht immer nur um Forschung"

Im Zuge der Umfrage unter Studenten, die an dieser Stelle in den vergangenen Wochen zu lesen war, meldete sich auch Dr. Jürgen Handke zu Wort. Der Professor hat seine ganz eigene Meinung zu der Lehre von heute.

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Professor Dr. Jürgen Handke ist überzeugt von der elektronischen Lehre als Lösung der Probleme.

Quelle: Kristina Gerstenmaier

Marburg. Zur Erinnerung: In einem ersten Teil äußerten zwei Studentinnen der Wirtschaftswissenschaften massive Kritik an ihrem Studium. An der Lehre, an den Strukturen und an dem System Bachelor. Eine breite Befragung unter Studierenden bestätigte diese Unzufriedenheit in der Tendenz. Die Uni Marburg hielt dagegen: In eigenen Umfragen habe man herausgefunden, dass ein großer Teil der Studierenden durchaus zufrieden mit der Organisation ihres Studiums seien. Die Diskrepanz der Umfrageergebnisse der OP zu denen der Uni Marburg war groß. Ursache könnte sein, und das sei an dieser Stelle erstmalig erwähnt, dass viele Studierende bei der uni-internen Evaluierung der Veranstaltungen befangen sind. Die meisten der 100 Befragten gaben gegenüber der OP ungefragt an, sie können bei der anonymen Umfrage durch eine Tageszeitung freier antworten. Beispielsweise seien Seminare oft so klein, dass sie befürchten, der Dozent könne ihre Handschrift erkennen.

Professor Dr. Jürgen Handke, seit über 20 Jahren an der Philipps-Universität und inzwischen Leiter des Fachbereichs Anglistik und Amerikanistik, hat seine ganz eigene Einstellung zu Studium und Lehre im Jahr 2013. „Der Bachelor“, so betont er unermüdlich, „ist eine gute Sache“. Die Studierenden müssen nicht mehr machen als vorher, aber eben in der Regelstudienzeit. Die Verschulung sorge für mehr Ordnung und Struktur. Schaffe man das System wieder ab, so bilde Deutschland international eine absolute Ausnahme. „Der Bachelor ist im Sinne der Politik, der Gesellschaft und der Internationalität“, so Handke.

Und doch sieht er das Studiensystem kritisch. Sehr kritisch. Seine Kritik bezieht sich aber nicht auf die sogenannten gestuften Studiengänge im Sinne des Bologna-Protokolls, sondern vielmehr auf der Lehre. „An der Uni geht es immer nur um Forschung und nicht um die Lehre“, so seine These. Die Unis versuchten sich gegenseitig mit ihren Erfolgen zu überbieten. Die Lehre bleibe hingegen auf der Strecke und leide massiv unter Qualitätsmangel. Es gebe keine systemische Ausbildung zum Hochschullehrer, viele seiner Kollegen haben keinerlei Lehrbefähigung, bemängelt er. Zudem fielen viele der Lehrveranstaltungen aus. Gemäß seiner Berechnungen finden pro Semester von 15 Veranstaltungen lediglich 7 ½ tatsächlich statt.

Er selbst hat sich zum Ziel gesetzt, die Lehre und deren Stellenwert zu verbessern. Derzeit schreibt er an einem Buch, das die Missstände aufzeigen soll (siehe Kasten). Um die Unis auch in Bezug auf die besonders starken Abiturjahrgänge zu entlasten, brauche es nachhaltige und zeitgemäße Lösungen, die für Handke eindeutig in einer elektronischen Lehre liegen. Gemeinsam mit einigen Kollegen hat er deshalb E-Learning-Plattformen entwickelt. Seit 2012 stellt er zusätzlich seine gesamte Lehre über selbstproduzierte Lehrvideos auf Youtube frei zur Verfügung. In der ergänzenden Präsenzphase finden lediglich praktische Übungen statt.

von Kristina Gerstenmaier

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