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Unternehmensberatung an der Uni

„Einen Unternehmergeist etablieren“

Ist Unternehmensberatung nur etwa für Finanz-Profis? Nein, sagen sich die Mitglieder der studentischen Beratung Phlink. Ihr Marburger Konzept dient nun als Vorbild für eine Universität in Ägypten.
Die studentischen Unternehmensberater aus Deutschland und ägyptische Studierende unternahmen einen gemeinsamen Ausflug zu den Pyramiden.

Die studentischen Unternehmensberater aus Deutschland und ägyptische Studierende unternahmen einen gemeinsamen Ausflug zu den Pyramiden.

© Privatfoto

Marburg. 250 Euro pro Tag für einen Studentenjob, das klingt eigentlich zu schön, um wahr zu sein. „Läuft letztendlich aber wieder auf einen normalen Stundenlohn hinaus“, sagt Pascal Rauch von der studentischen Unternehmensberatung Phlink an der Philipps-Universität. Schließlich stecke „immer eine Menge Vorarbeit mit drin“. Mit Phlink beraten Rauch und seine Kollegen mittelständische Unternehmen, um deren Abläufe zu optimieren. Die Studierenden übernehmen somit einen Job, den sich Profis ansonsten eine Menge kosten lassen. Rund das Vierfache verlangen Wirtschaftsprüfer gewöhnlich für ihre Arbeit. Kleinere Unternehmen können sich dies aber oft nicht leisten.

„Wir arbeiten aber genauso gut“, sagt Rauch, lediglich die Erfahrung fehle den Studenten noch. Rund 150 Mitglieder zählt die studentische Unternehmensberatung, die meisten davon sind aber schon länger nicht mehr aktiv. Etwa 40Personen bilden den „Kern“, der die Arbeit mit den Partnern übernimmt. Doch nicht nur Wirtschaftswissenschaftler sind in dem Team gefragt. Sie bilden zwar die Mehrheit, der Rest des Teams setzt sich jedoch bunt zusammen. Historiker finden ebenso Platz wie Erziehungswissenschaftler, Soziologen, Juristen oder Mediziner. Auch Pascal Rauch studiert nicht BWL, sondern Geographie. Er findet es – unabhängig von der Fachrichtung – wichtig, „in Kontakt mit der Wirtschaft zu kommen und theoretisches Wissen anzuwenden“. Die Arbeit in der studentischen Unternehmensberatung sei „so ähnlich wie ein Praktikum, nur auf einem höheren Level“. Um mitzumachen sei nicht der fachliche Hintergrund entscheidend. Vielmehr müsse man „motiviert sein, die Projekte voranzubringen“.

Das was sich in Marburg und auch in anderen deutschen Studentenstädten längst etabliert hat, möchten die Phlink-Studenten nun nach Ägypten exportieren. Als Teil eines Projektes des Deutschen Akademischen Auslandsdienstes (DAAD) fuhren acht Marburger Studierende Anfang April nach Kairo.

„Vernetzung unter den Studenten vorantreiben“

„Es geht darum, dort einen Unternehmergeist zu etablieren und die Vernetzung der dortigen Studenten voranzutreiben“, erklärt BWL-Student Gerrit Horstmann.

Eine Woche lang warb die Marburger Delegation in Vorlesungen, an Ständen und bei Infoveranstaltungen Studierende an, die an der German University in Cairo (GUC) eine Beratung nach ähnlichem Konzept aufzubauen. „Das Konzept ist im arabischen Raum noch total unbekannt. Unser Ziel war es daher zunächst einmal die Anstöße zu geben“, so Horstmann. Nach anfänglicher Skepsis seien die ägyptischen Jungakademiker „extrem begeistert“.

Nach vielen Workshops, in denen sich die Interessierten einbringen konnten, wählten die Marburger letztendlich fünf Vorstände und 13 Mitglieder des Kairoer Pendants aus, dem sie beim Aufbau weiterhin behilflich seien wollen. Einmal wöchentlich finden Skype-Konferenzen statt, zweimal werden die deutschen Studenten noch vor Ort sein. Dennoch sollen die Ägypter auch „ihre eigene Kreativität einbringen“, sagt Horstmann.

Neben der Hilfe für ihre ägyptischen Kommilitonen hat das Projekt auch den deutschen Studenten etwas gebracht. „Es war spannend auch mal aus dem gewohnten Umfeld herauszukommen und einen anderen Blickwinkel zu bekommen“, resümiert Horstmann.

Besonders die Gastfreundschaft sei eine sehr positive Erfahrung gewesen. Rauch bestätigt das: „Die Ägypter sind sehr offene Menschen“, sagt er. Es sei daher schade, dass sich momentan kaum Besucher in der einstigen Touristenhochburg aufhalten würden. Denn von der politisch angespannten Situation „haben wir nichts mitbekommen“, so Rauch.

von Peter Gassner

[Peter Gassner]

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