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Hannah Arendt

Eine philosophische Liebe in Marburg

Im Wintersemester kommt die spätere große Denkerin Hannah Arendt zum Studium der Philosophie nach Marburg und beginnt eine Affäre mit ihrem Professor Martin Heidegger. Mehr „als nur irgendeine Liebe“, sagt Autorin Dr. Sabine Appel.
Barbara Sukowa spielt in einem im vergangenen Jahr erschienenen Film die deutsch-amerikanische Philosophin Hannah Arendt.

Barbara Sukowa spielt in einem im vergangenen Jahr erschienenen Film die deutsch-amerikanische Philosophin Hannah Arendt.

© Foto: Heimatfilm / NFP

Marburg. Gerade einmal 18 Jahre alt ist Hannah Arendt, als es sie zum Studium nach Marburg verschlägt. Gekommen ist sie unter anderem, um den angesehenen Professor Martin Heidegger zu hören. Heidegger „hatte eine große Anziehungskraft für Studenten“, erläuterte Dr. Sabine Appel in ihrem Vortrag „Hannah Arendt und Martin Heidegger - eine Liebe in Marburg“, den sie im Rahmen der Reihe „Literatur um 11“ im Café Vetter hielt. Vor rund 100 Zuhörern berichtete sie von einer Liebesbeziehung „zweier der größten Denker des 20. Jahrhunderts“.

Der damals 35-jährige Familienvater Heidegger hatte als Professor immer wieder Affären mit seinen Studentinnen. Auch mit Hannah Arendt beginnt der Philosoph eine solche Verbindung. Doch anders als bei sonstigen Liebhaberinnen trifft er bei der jungen Jüdin auf eine Frau, die ihm geistig ebenbürtig ist. Für ihren späteren Werdegang, „haben sie sich gegenseitig Anregungen gegeben“, so Appel. Es habe sich um eine Liebe gehandelt, „die auch in die Werke mit eingegangen ist“. Das Wort Liebe verwendet sie bewusst, denn, so gesteht Heidegger seiner Frau Elfriede 20 Jahre später, bei Hannah Arendt handele es sich „um die Passion meines Lebens“.

Dennoch muss die junge Philosophin erkennen, dass die Beziehung zu Heidegger keine Zukunft hat. Auf der einen Seite steht der Familienvater, der die Affäre geheim halten möchte und Arendt sogar davon abrät eine wissenschaftliche Karriere einzuschlagen. Auf der anderen Seite steht eine junge Frau, deren Entwicklung durch die aussichtslose Beziehung blockiert wird. 1926 vollzieht sie daher die räumliche Trennung und wechselt ihren Studienort.

Politische Denkerin und NS-Kritikerin

Nach der Machtübernahme Hitlers 1933 verstrickt sich Heidegger zwischenzeitlich in die Ideologie des Nationalsozialismus. Die Jüdin Arendt hingegen muss vor dem Regime flüchten und emigriert in die USA. Spätestens an dieser Stelle scheint die Beziehung laut Appel „an ein natürliches Ende gekommen“ zu sein. 17 Jahre lang gibt es zwischen den beiden keinen Kontakt.

Die früher unpolitische Hannah Arendt entwickelt sich zu einer renommierten Publizistin und politischen Theoretikerin, die sich besonders in der Aufarbeitung des Nationalsozialismus Ansehen erwirbt. Sie verfasst ein bis heute geltendes Standardwerk über die Ursprünge des Totalitarismus und protokolliert den Prozess gegen den Nazi-Verbrecher Adolf Eichmann. Sie wird zur scharfen Kritikerin des Teils der deutschen Intellektuellen, die sich mit dem NS-Regime arrangiert hatten - auch den Namen Heideggers nennt sie in diesem Zusammenhang öffentlich.

Die Zuneigung zu ihrem früheren Professor bleibt im privaten Bereich jedoch bestehen. Obwohl sie die geistige Trennung längst vollzogen hat, „ist die Liebe geblieben“, sagt Appel. In den 1950er Jahren entsteht ein Briefwechsel zwischen Arendt und Heidegger sowie dessen Frau Elfriede. Gelegentlich trifft sie die beiden sogar persönlich. Das Verhältnis zu ihrem früheren Professor bleibt jedoch zeitlebens ambivalent.

„Es passt im Prinzip gar nicht in ihre Biographie, dass sie einen Nazi geliebt hat“, sagt Appel. Doch die Liebe gehe nun einmal ihre eigenen Wege. Im Jahr 1982, als die Affäre der beiden bekannt wurde, hatten Kritiker das Werk Arendts hinterfragt. Für Appel ist die Beziehung jedoch „kein Grund, Hannah Arendt anders zu bewerten“. Was von dem Verhältnis mit Martin Heidegger bliebe, sei eine spannende Geschichte um „eine Liebe, die in Marburg nur wenige Monate hielt - darüber hinaus aber ein ganzes Leben lang“.

von Peter Gassner

[Peter Gassner]

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